Viventor: Viele Fragen, keine Antworten!

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Die lettische P2P Plattform Viventor hat mich vor einigen Wochen angeschrieben und angefragt, ob ich nicht Interesse hätte einen Beitrag über das Unternehmen zu veröffentlichen. Das ist zunächst erstmal nicht ungewöhnlich, da ich Anfragen wie diese in letzter Zeit immer häufiger bekomme.

Klar, mit zunehmender Reichweite im P2P Kredite Umfeld, sei es auf meinem YouTube-Kanal (+4.500 Abonnenten) oder hier auf dem Blog (August 2020: +50.000 Seitenaufrufe), wird mein Projekt für Werbetreibende und P2P Plattformen, immer interessanter. I get it.

Die meisten Anfragen lehne ich aber schon aus Prinzip ab. Meistens, weil ich darin keinen effektiven Mehrwert für die Leser und Zuschauer meiner Inhalte sehe.

„Hast Du Lust über P2P Kredite in Malysia zu berichten?“. Ähm, nein. Nicht wirklich.

Zudem fokussiere ich mich lieber auf die wenigen Anbieter, die sich auch in meinem persönlichen P2P Portfolio befinden.

Hin und wieder sind aber dennoch interessante Anfragen dabei, die zumindest eine Überlegung wert sind. In erster Linie, weil ein gewisser Teil der P2P Kredite Community dort auch selbst investiert ist.


Anfrage von Viventor – Wie alles begann!

So bekam ich am 21.09.2020 eine Nachricht von Algimantas Padegimas, dem Marketingchef von Viventor. Auch hier lief die Anfrage darauf hinaus, ob ich nicht etwas über den lettischen Kreditmarktplatz publizieren könne.

Da ich selbst KEIN Investor bei Viventor bin, da für mich abseits des Themas „P2P Plattformkonzentration“ auch einige Fragen ungeklärt im Raum standen, habe ich ein gesponsortes Interview angeboten, bei dem ich die Themen und Fragen frei wählen durfte. Das Interview selbst hätte mit dem CEO Andrius Bolšaitis stattgefunden.

Nachdem auf meine Nachfrage hin die Mehrheit der Facebook Community (82%) und der YouTube Community (66%) keine Probleme mit einem gesponsorten Inhalt hatte, stand dem Interview – auch nach Zusage von Viventor – nichts mehr im Weg.

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Feedback auf YouTube bzgl. eines gesponsorten Beitrags zu Viventor

Die einzige Bedingung von Viventor war, dass man die Fragen im Vorfeld sehen wollte, um sich vorzubereiten. Ein fairer Vorschlag, den ich angenommen habe.

Nachdem ich meine Recherchen zur P2P Plattform ausgeweitet habe, übermittelte ich die Fragen am 06.10.2020. Das Interview hätte zwei Tage später stattfinden sollen.

Tags darauf kam aber schon die Absage, da es „ungeplante Umstände gebe und Andrius morgen nicht verfügbar sei“. Der Termin stand zwar schon seit mehr als einer Woche fest, aber gut. Das Tagesgeschäft geht natürlich vor.

In der Folge fragte ich nochmal nach einem neuen Termin an, wurde allerdings wieder nur vertröstet. Dass das Interview jetzt nochmal stattfinden wird, darf zu diesem Zeitpunkt stark bezweifelt werden.

Damit mein Aufwand aber nicht umsonst gewesen soll, zeige ich euch hier einen Auszug meiner kritischsten Fragen an Viventor und welche Baustellen mich aktuell von einem Investment abhalten.


Neue Eigentümerstruktur und Besitzverhältnisse bei Viventor

  • Was sind die Ursprünge von Viventor gewesen? Wer hat die P2P Plattform damals gegründet und was war die Hintergrundgeschichte dazu?

Im Juni 2020 wurde bekannt, dass sich die Eigentümerstruktur von Viventor geändert hat. Für einen Betrag, der öffentlich nicht bekannt gegeben wurde, verkaufte die Prestamos Prima Group 100% der SIA Viventor Anteile an eine niederländische Investmentgesellschaft namens Lotus 597.

  • Warum hat die Prestamos Prima Group, die zu 100 Prozent einer zyprischen Offshore-Gesellschaft gehörte und an welcher auch der russische Investor Oleg Boyko beteiligt war, beschlossen, Viventor zu verkaufen?
  • Lotus 597 ist eine niederländische Investmentgesellschaft, die zur Gielen-Gruppe gehört. Worin besteht deren Interesse beim Kauf der P2P Plattform Viventor?
  • Wie wird sich der Einfluss des neuen Anteilseigners auf die strategischen und operativen Aktivitäten von Viventor auswirken?

Mangelnde Skalierung des Geschäftsmodells

Nachdem Viventor nun seit fünf Jahren am Markt aktiv gewesen ist, konnten über den Marktplatz Kredite im Wert von 130 Millionen Euro von aktuell 7.500 registrierten Investoren finanziert werden. Betrachtet man Mintos, die eine vergleichbare Geschichte und ein vergleichbares Geschäftsmodell besitzen, erscheinen die Zahlen äußerst gering.

  • Wie kommt es, dass Viventor in den letzten Jahren nicht in der Lage war sein Geschäft in größerem Umfang zu skalieren und auszubauen?

Transparenz

Die Bereitschaft, öfter und transparenter mit seinen Investoren zu kommunizieren, ist in den vergangenen Monaten definitiv bei Viventor zu erkennen gewesen. Allerdings fehlen nach wie vor entscheidende Informationen wie zum Beispiel wirtschaftsgeprüfte Finanzberichte.

  • Warum ist das so und wird sich das in Zukunft ändern?
  • Welche Informationen können über die finanzielle Performance von Viventor kommuniziert werden?

Für die Zahlungsabwicklung ist Viventor im September 2019 von der Swedbank zur UAB Via Payments gewechselt. Obwohl diese eine EMI-Lizenz besitzt, ist sie keine Bank als solche.

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  • Warum wurde diese Änderung vorgenommen?
  • Kann auf diese Weise eine Trennung zwischen Anleger- und Unternehmenskapital gewährleistet werden?

Im September 2020 wurde bekannt, dass Viventor den Kreditgebern zu hohe Verzugsgebühren in Rechnung gestellt hat. Anstatt die verspätete Rate eines Kredits als Grundlage zu verwenden, berechnete Viventors System die Verzugsgebühren auf der Grundlage des verbleibenden Kapitalbetrags. Infolgedessen mussten die Gelder an die Kreditgeber zurückgezahlt werden, wodurch die Investoren a) eine niedrigere Gesamtrendite erhalten und b) Steuern auf Zinsen zahlen mussten, die nicht ihre tatsächlichen Erträge widerspiegeln.

  • Wie hoch ist der Gesamtbetrag der Verzugsgebühren, die jetzt zurückgezahlt werden müssen?
  • Wie konnte dieser Umstand 5 Jahre lang unbemerkt bleiben und wie geht Viventor jetzt mit der Situation um?

Eine weitere Frage zum Thema Transparenz:

  • Ist geplant, dass Investoren in Zukunft Zugang zu allen Daten erhalten können, um eigene Berichte über die Qualität des Kreditportfolios zu erstellen?

Regulierung: IBF Lizenz für Viventor

Viventor befindet sich aktuell im Stadium, eine IBF-Lizenz von der lettischen Finanzaufsichtsbehörde FCMC zu erhalten. Im Juli 2020 wurde auf dem Blog geschrieben, dass man die Lizenz spätestens im Herbst 2020 bekommen werde.

  • Ist dieser Zeitplan noch aktuell und was wird sich konkret nach dem Erhalt der IBF-Lizenz auf der P2P Plattform ändern?

Mein Fazit zu Viventor

In der Vergangenheit hat es mich nicht wirklich gereizt bei Viventor zu investieren und weitere P2P Kredite Erfahrungen zu sammeln. Zum einen, weil ich meine P2P Investments im Zweifel lieber konzentriere als diversifiziere, zum anderen, weil es in dem Segment der lettischen P2P Marktplätze mit Mintos und PeerBerry deutlich größere und bessere Alternativen gibt.

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Auch in der aktuellen Phase und mit den jüngsten Viventor Erfahrungen, sind definitiv keine neuen Anreize für mich entstanden. Im Gegenteil.

Neben den offenen Fragen, der Intransparenz und weiteren Ungereimtheiten, scheint mir auch der Grad an Professionalität etwas fragwürdig zu sein. Wenn ich aktiv nach Reichweite suche und Vereinbarungen treffe, dann aber nicht bereit bin mich auch unangenehmen oder kritischen Fragen zu stellen, welchen Eindruck soll das hinterlassen?

Ich wünsche Viventor nur das Beste und hoffe, dass man die aktuellen Herausforderungen in den Griff bekommt. Sofern man in Zukunft wieder gesprächsbereit sein sollte, reiche ich die Beantwortung meiner Fragen natürlich nach.

Bis dahin werde ich mich sowohl bei der Berichterstattung als auch mit dem Investieren bei Viventor zurückhalten!


Viventor – Viele Fragen, keine Antworten


FAQ – Was ist los bei Viventor?

✅ Was ist Viventor?

Viventor ist ein lettischer P2P Marktplatz, auf dem Investoren in eine Vielzahl von unterschiedlichen Konsumkrediten investieren und dabei eine jährliche Rendite von 13,6% erzielen können (Angabe der Plattform).

✅ Wo ist das Problem?

Viventor wollte auf Eigeninitiative einen gesponsortes Interview mit mir durchführen, sagte den Termin kurzfristig ab und blieb daher Antworten zu den neuen Eigentümerverhältnissen, der Intransparenz, der IBF-Lizenz, dem Bankenwechsel oder den Rückerstattungen von Verzugsgebühren schuldig. Welche Fragen ich an Viventor gehabt hätte, kannst Du auf dem Blog nachlesen.

✅ Ist Viventor noch sicher?

Sicher ist im Leben nur eins: Nämlich der Tod. Auf Viventor bezogen, sehe ich aktuell insgesamt zu viele Baustellen, offene Fragen und Ungereimtheiten, weshalb sich zum Investieren in P2P Kredite eher andere Alternativen anbieten.

✅ Welche Alternativen gibt es?

Mit Mintos und PeerBerry gibt es aktuell zwei Alternativen aus Lettland, die das gleiche Geschäftsmodell verfolgen jedoch deutlich größer und etablierter sind. Beim P2P Plattformen Vergleich kannst Du die 15 besten P2P Anbieter aus Europa direkt miteinander vergleichen.

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