Warum ich in einer Rezession keine Buy & Hold Strategie mit P2P Krediten verfolge

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Das Coronavirus besitzt einen großen Einfluss auf unser gesellschaftliches Leben und Miteinander. Die wirtschaftlichen Folgen, die durch COVID-19 entstehen, sind aktuell noch nicht absehbar. Nur eines scheint dabei klar zu sein: Je länger die Pandemie und der damit verbundene Lockdown anhält, desto größer der erwartete Schaden.

Auch Privatanleger machen sich dieser Tage viele Gedanken, wie man sein Geld in diesen Zeiten sinnvoll investieren und anlegen kann. Besonders im Hinblick auf eine Rezession, ergeben sich ebenso viele Chancen wie auch Risiken.

Ist es zum Beispiel sinnvoll, wenn man im aktuellen Marktumfeld in P2P Kredite investiert?

Ich behaupte, dass es das nicht ist. In diesem Artikel erkläre ich Dir meine drei Gründe, warum ich aktuell nur sehr selektiv in P2P Kredite investiere und warum ich glaube, dass man in einer rezessiven Phase keine Buy-and-Hold Strategie mit P2P Investments verfolgen sollte.


P2P Investments in Zeiten einer Krise

Bevor ich auf meine Gründe eingehe, schauen wir mal wie andere Privatanleger in P2P Kredite aktuell reagieren.

60 Prozent der befragten P2P-Anleger setzen aktuell auf Buy & Hold

Am 23. März habe ich eine Umfrage in meiner Facebook Community gestartet, wie die Investoren jetzt mit ihren P2P Investments umgehen. Von den 96 Abstimmungsergebnissen, hat sich mit 60 Prozent die Mehrheit klar für eine Buy & Hold Strategie ausgesprochen, bei welcher die Einnahmen reinvestiert werden.

Wenn man die Ergebnisse in offensiver Umgang, also reinvestieren oder aufstocken, und defensiver Umgang, Investments stoppen und oder abziehen einteilt, bevorzugen 63,5 Prozent den „Weiter geht‘s“-Ansatz und 36,5 Prozent den „Ball flach halten“-Ansatz.

Danke an alle, die sich an der Umfrage beteiligt haben. Für mich interpretiere ich die Aussagen so, dass die Mehrheit der Abstimmungen für Buy & Hold darauf hindeuten, dass viele Anleger davon bereits eine gute Asset-Allocation besitzen und sich diesbezüglich nicht verrückt machen lassen. Dass wohl möglich gewisse Risiken verklärt werden, schätze ich eher als gering ein.

Buy & Hold scheint also das Mantra zu sein, an dem sich viele Anleger orientieren. Dennoch glaube ich, dass sich das Chancen-Risiko-Verhältnis in einer Rezession deutlich verschiebt und man daher auch dynamischer bei seinen P2P Investments vorgehen sollte.

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Was ist Buy & Hold und was bedeutet diese Strategie?

Buy & Hold, im deutschen „Kaufen und Halten“, ist eine passive Anlagestrategie, welche darauf abzielt, Geldanlagen langfristig zu betrachten.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“

Diese Investmentphilosophie, die zum Beispiel sehr stark durch André Kostolany vertreten wurde, folgt einem unaufgeregten Ansatz, welcher sich von der gegenüber stehenden Strategie des Tradings, auch als Spekulation bezeichnet, oder dem Arbitragegeschäft, abgrenzt.

Auch wenn man eine Buy & Hold Strategie auf alle Anlageklassen anwenden kann, wird diese jedoch meistens mit dem Aktienmarkt in Verbindung gebracht. Das Ziel ist dabei nicht die maximale Rendite, sondern die Sicherheit und Berechenbarkeit. Bei einer breiten Diversifikation und über einen längeren Zeitraum hinweg, bei der auch Schwankungen und Rezessionen mit dazu gehören, kann man historisch betrachtet Renditen von sechs bis sieben Prozent erzielen.

Während ich diesen Ansatz für den Aktienmarkt als legitim erachte, glaube ich, dass P2P Investments jedoch aktuell mit einem anderen Risikoprofil einhergehen und daher deutlich aktiver verwaltet werden sollten.


Chancen- und Risikoverhältnis von P2P Krediten in einer Rezession

Sehen wir uns das Chancen-Risikoverhältnis von P2P Krediten in einer Rezession an, beginnend bei den Chancen.

Chancen

1. Steigende Nachfrage auf Kreditnehmerseite (Unternehmen, Verbraucher)

Unbestreitbar werden wirtschaftlich schwierige Zeiten besonders den Vorteil besitzen, dass die Nachfrage auf Kreditnehmerseite deutlich anstiegen wird. Sowohl bei den Verbrauchern als auch bei den Unternehmen. Alternative Kreditgeber, die besonders stark auf Digitalisierung und Automatisierung setzen, können dabei schnellere Entscheidungen treffen und die Nachfrage schneller bedienen als klassische Banken.

Die Frage und zentrale Herausforderung wird dabei sein, wie man es schafft die vermeintlich solventesten Kreditnehmer auszuwählen, die es auch schaffen werden, den Kredit langfristig zurückzubezahlen.

Eine positiv zu erkennende Entwicklung ist dabei, dass Nicht-Banken Kreditgeber teilweise gezielt mit staatlichen und oder europäischen Förderungsprogrammen ausgestattet werden, um diese Mittel an in wirtschaftlich in Schieflage geratene Unternehmen weiterzuleiten.

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Risiken

Auf der anderen Seite erkenne ich aktuell drei Risikofaktoren.

1. Größere Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten

Der erste und sicherlich naheliegendste, ist die erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten.

Lassen wir dabei ruhig die Selektion neuer Kreditnehmer außen vor. Vielleicht schaffen es manche P2P Plattformen ja, dass man jetzt auch klassische Bankenkunden gewinnen kann. Konzentrieren wir uns stattdessen auf die bestehende Kreditforderungen, die bereits jetzt in Gefahr sind.


Stundungen von Kreditrückzahlungen

In sehr vielen europäischen Ländern, darunter Deutschland, Spanien, Litauen, Lettland oder Russland, werden die Kreditrückzahlungen auf Verbraucher- aber auch auf Unternehmensebene, für drei Monate gestundet. Diese Maßnahmen erfolgen mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 zu mindern. Teilweise spricht man hierbei von einer Erholungsphase (Recovery Period), beziehungsweise von Krediturlaub (Credit Holidays), welcher explizit von den Kreditnehmern beantragt werden muss, mit den Nachweis, dass die Rückzahlungen als Folge von COVID-19 vorübergehend nicht mehr geleistet werden können.

Während dieses Zeitraums müssen von der Kreditrate lediglich die Zinsen bedient werden. Der Zeitraum der Kreditlaufzeit verlängert sich entsprechend um drei Monate.

Während diese Maßnahmen bei Crowdestor in Eigenregie und zum Schutz aller Parteien durchgesetzt wurde, hat man bei der französischen P2P Plattform October zunächst die Investoren für diese Entscheidung mit ins Boot geholt. Nachdem sich 93 Prozent der Privatanleger und institutionellen Investoren für den Plan des Managements ausgesprochen haben, ist die Fristverlängerung auch hier ab April 2020 aktiv.

Aus meiner Sicht sind das gute Maßnahmen, die den Verbrauchern und Unternehmen Zeit geben, um sich auf die veränderte Situation einzustellen. Eine Maßnahme die Zeit kauft, aber wohl möglich nicht die finale Konsequenz eines Kreditausfalls verhindern kann.


Situation bei Konsumkrediten in Deutschland

Besonders alarmierend fand ich in diesem Zusammenhang auch die Zahlen, die in diesem Zusammenhang am 11. April 2020 für deutsche Verbraucherkredite veröffentlicht worden sind.

Nach Angaben des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), haben allein die Sparkassen bislang 80.000 Zins- und Tilgungsleistungen von Kreditnehmern ausgesetzt.

Bei der Commerzbank wurden hingegen, zum Stichtag 6. April 2020, bisher 1,5 Prozent des Gesamtbestandes der Verbraucherkredite gestundet. Man gehe davon aus, dass die Menge der Anträge noch zwischen 10 und 20 Prozent aller Konsumkredite betragen werde.

Wenn man sich allein diese Zahlen für Deutschland vor Augen führt, einem der wohlhabendsten Länder dieser Welt, dann möchte man sich nicht ausmalen, wie eng diese Situation erst in den anderen europäischen Ländern aussieht, wo ein überwiegender Großteil der P2P Investments hin geflossen ist.


2. Kreditgeber kommen an wirtschaftliche Grenzen

Als zweiten Faktor sehe ich viele Kreditgeber, welche durch ein unprofitables und stark gehebeltes wirtschaften, auch in Verbindung mit einem Fremdwährungsrisiko, jetzt ins Taumeln geraten.

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In einem vergangenem Artikel bin ich bereits darauf eingegangen, dass die fehlende Liquidität aktuell einen sehr starken Einfluss auf die steigenden Zinssätzen bei vielen P2P Plattformen und Marktplätzen besitzt.

Investoren sollten sich dabei folgende zwei Fragen stellen:

Erstens: Sind die steigenden Zinsen ein Indikator dafür, dass der Kreditgeber ein großes und nachhaltiges Wachstum erfährt, dieser deshalb mehr finanzielle Mittel benötigt, um somit sein Kreditgeschäft schneller skalieren zu können?

Oder zweitens: Werden die Zinsen deshalb angehoben, weil der Kreditgeber jetzt das Kapital an die Schuldner zurückzahlen muss, dafür aber über keine liquiden Mittel verfügt? Weil zum Beispiel die Rückzahlungen ausbleiben, kein neues Kapital ins Unternehmen kommt, jetzt aber die Löcher gestopft werden müssen?

Sind beispielsweise die Zinssätze vom russischen Kreditgeber Dozarplati, welcher mit 27 Prozent den Primärmarkt auf Mintos aktuell anführt, rational zu erklären, wenn sich der durchschnittliche Zinssatz auf Mintos fast verdoppelt hat? Oder bei SOS Credit, wo der Hilferuf bereits im Namen steckt, und die durchschnittlichen Zinssätze von 11,8 auf 27 Prozent angehoben werden?

Für mich sind das deutliche Alarmzeichen, dass es sich hierbei weniger um vermeintliche „Schnäppchen“, sondern eher um einen Tanz auf der Rasierklinge handelt.

Wenn euch solche Zusammenhänge interessieren, dann empfehle ich euch meinen letzten Artikel, wo ich die starke Abhängigkeit vom armenischen Kreditgeber Varks zu Mintos aufgezeigt habe.


 3. P2P Plattformrisiken

Zu guter Letzt ist für mich auch das Plattformrisiko selbst nochmal enorm gestiegen. In wirtschaftliche guten Zeiten, in denen das Geld fließt und das Wachstum floriert, lassen sich deutlich seltener Probleme erkennen, beziehungsweise einfacher kaschieren.

Jetzt, da der P2P Sektor extrem unter Druck steht, finden gleich zwei Feuerproben gleichzeitig statt.

Zum einen offenbaren sich durch die Vorfälle wie bei Envestio, Kuetzal oder Grupeer, wie dringend eine einheitliche Regulierung für die Online-Kreditvergabe zwischen Privatpersonen benötigt wird, um gegen Scams und Betrugsfälle vorzubeugen.

Auf der anderen Seite können auch die ökonomischen Auswirkungen einen Einfluss auf die P2P Plattformen besitzen, die am Ende des Tages eben auch nur klassische Wirtschaftsunternehmen sind, deren Geschäftsmodelle besser oder schlechter in einer Rezession performen.

Wenn Du dich mit anderen Privatanlegern vernetzen und austauschen willst, um somit noch smartere Anlageentscheidungen treffen zu können, dann werde jetzt Mitglied in der re:think P2P Community auf Facebook!

Fazit: Eignen sich P2P Kredite für eine Buy & Hold Strategie in der Krise?

Nimmt man alle Faktoren zusammen, also die erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten, die wirtschaftlich auf Kante genähte Situation bei vielen Kreditgebern, sowie die Plattformrisiken auf regulatorischer und wirtschaftlicher Ebene bei vielen P2P Plattformen, dann sind das für mich besonders in wirtschaftlich undurchsichtigen Zeiten, bei denen der IWF (Internationale Währungsfonds) mit der schwersten globalen Rezession seit fast einhundert Jahren rechnet, keine günstigen Voraussetzungen, um bei P2P Krediten an einer Buy & Hold Strategie festzuhalten.

Natürlich darf diese Einschätzung nicht als ein Pauschalurteil verstanden werden. Es wird auch genügend P2P Plattformen und Kreditarten geben, für welche sich diese sich anbahnende Rezession als eine große Chance und Möglichkeit für Wachstum herausstellen wird.

Geht es um einen übergeordneten Trend wäre ich allerdings vorsichtig und würde meine P2P Investments nur sehr gezielt einsetzen.


Willst Du wissen wo ich investiere und welche Anlageentscheidungen ich treffe?

Wenn Du Einblicke in mein persönliches Depot bekommen möchtest, dann trage Dich bitte in meinen kostenlosen Newsletter ein, wo ich aktuell noch auf monatlicher Basis meinen Investmentstatus bei den einzelnen P2P Plattformen verrate.

Ich werde zwar bestimmt auch in meinen Videos immer mal wieder meinen Investment-Status durchblicken lassen, langfristig möchte ich meine Investitionsentscheidungen allerdings den Investoren vorbehalten, die mit einer Crowdfinanzierung via Steady mein Projekt auch finanziell unterstützen.

Dazu sei gesagt, dass mir Transparenz seit Tag 1 enorm wichtig war, um die Glaubwürdigkeit meiner Inhalte zu unterstreichen. Aus meiner Sicht wurde diese Transparenz auch sehr positiv wahrgenommen.

Gleichzeitig sind dadurch aber auch einige Nebeneffekte eingetreten. So hatte ich vermehrt den Eindruck, dass ich persönlich unter Rechtfertigungsdruck gekommen bin, warum ich manchmal bei Plattform X investiert, bei Plattform Y aber kein Geld anlegt habe. Dass diese Nachfragen in den Kommentaren sehr häufig gestellt wurden, weiß ich als Würdigung für meine Ansichten zu schätzen. Gleichzeitig haben sich viele Diskussionen aber auch nur dazu konzentriert. Meine Investments standen teilweise mehr im Mittelpunkt als das Thema an sich. Zumindest kam es mir so vor.

Aktuell denke ich, dass ich mein Projekt nur dann langfristig, frei und unabhängig in meiner Berichterstattung fortführen kann, wenn ich mich von der größten Einnahmequelle löse, die oftmals auch einen Interessenskonflikt für viele Blogger bedeutet – nämlich den Affiliate-Einnahmen.

Natürlich ist es mir lieber fünf Mal über ein Investment zu sprechen das ich positiv bewerte als ein Mal über die Gründe, warum ich die Finger von Plattform X lasse. Dadurch entsteht jedoch eine Eindimensionalität, der ich langfristig aus dem Weg gehen möchte. Erst recht, da es so viele Themen gibt, die es wert sind, genauer analysiert zu werden.

Um diesen Wechsel zu schaffen, benötige ich die finanzielle Unterstützung der Investoren, die bereit sind für meine Inhalte und mein Wissen zu bezahlen. Deshalb möchte ich meine Investitionsentscheidungen in erster Linie mit diesen Personen teilen. Mit den Abonnements auf Steady gibt es außerdem noch weitere Möglichkeiten, die ich als Anreiz für die finanzielle Unterstützung vorbereitet habe. Schaut bitte rein und entscheidet euch für ein Abo, wenn ihr mich und meine Arbeit unterstützen wollt.


Video: P2P Kredite mit Buy & Hold Strategie in der Krise?

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