AS TWINO mit 7,4 Mio. Euro Gewinn im Jahr 2020: Meine Analyse + Bewertung

Veröffentlicht von

Nachdem ich in diesem Jahr bereits die Geschäftsergebnisse von Bondora, Mintos, PeerBerry und EstateGuru für meine P2P Kredite Community ausgewertet und analysiert habe, folgt heute eine Bewertung der Geschäftszahlen von der AS TWINO Gruppe.

Dabei schaue ich mir sowohl die gängigen Zahlen aus der Bilanz an, der Gewinn- und Verlustrechnung und was mir sonst noch in dem 60 Seiten langen und umfangreichen Geschäftsbericht so aufgefallen ist.

Bevor es losgeht noch drei kurze Hinweise:

  • Falls Du dich noch ausführlicher mit der finanziellen Situation des Unternehmens befassen möchtest, empfehle ich Dir meinen im Dezember letzten Jahres veröffentlichten TWINO Deep Dive.
  • Möchtest Du hingegen eine umfangreiche 360 Grad Analyse zur Plattform, inkl. meiner Bewertung ein Einschätzung, schau Dir bitte meine TWINO Erfahrungen auf dem Blog an.
  • Wenn Du dich neu bei TWINO anmelden möchtest, dann bekommst Du über diesen Link ein 15 Euro Startguthaben, sofern Du mindestens 100 Euro investierst. Bitte beachte jedoch den Haftungsausschluss auf meiner Seite.

P2P Kredite Rating 2022: TWINO mit voller Punktzahl

Bevor es an das Eingemachte geht, zunächst ein Blick auf die formellen Angelegenheiten des Twino Geschäftsberichts. Wie aufmerksame Leser meines Blogs sicherlich wissen werden, gibt es in meinem P2P Kredite Rating, im Rahmen der finanziellen Stabilität, drei Punkte zu vergeben.

Twino hat sich mit dem aktuellen Geschäftsbericht alle drei Punkte für das Rating im nächsten Jahr gesichert, da der Abschlussbericht:

  • Von einem größeren Wirtschaftsprüfer erstellt wurde (hier: BDO),
  • die Rechnungslegung gemäß IFRS durchgeführt worden ist
  • und weil ein Gewinn für das abgeschlossene Geschäftsjahr (hier: 7,4 Mio. Euro) erzielt werden konnte.

Drei Nuggets aus dem Management Report

Im Management Report hat das Unternehmen die Möglichkeit die Highlights des letzten Jahres zu präsentieren und auf die wichtigsten Zahlen und Ergebnisse einzugehen. Da viele Informationen davon noch im späteren Verlauf vorkommen werden, habe ich mir drei interessante Ereignisse, beziehungsweise Ergebnisse herausgepickt:


43% der registrierten Anleger investieren nicht auf TWINO

2020 haben sich 7.020 neue Anleger bei TWINO angemeldet. Diejenigen, die sich danach noch identifiziert und auch ein Investment getätigt haben, waren allerdings nur noch 3.989 Investoren, was einem Wert von 43% entspricht. Den gleichen Prozentsatz gibt es übrigens auch bei der Gesamtstatistik: Von 41.284 Registrierungen haben nur 23.729 Anleger auch investiert. Wozu meldet man sich an, wenn man dann noch nicht investiert? Für mich persönlich ist es wenig verständlich, wie dieser Wert so hoch sein kann.


TWINO kauft Kredit-Vergleichsseite SIA Findup

Im Mai 2021 hat das Unternehmen die lettische Kredit-Vergleichsseite SIA Findup gekauft. Eine Domain scheint es dafür zwar noch nicht zu geben, dafür scheint TWINO Gesellschafter Armands Broks bereits 430.000 Euro an Eigenkapital eingezahlt zu haben. Ein durchaus interessanter Weg, um zukünftig einen weiteren Vertriebskanal für die Kreditnehmer-Akquise aufzubauen.


Einstellung der Kreditvergabe in Kasachstan

TWINO hat im letzten Jahr die Kreditvergabe in Kasachstan eingestellt. Zu den Gründen schreibt das Unternehmen, dass diese Entscheidung auf einen Wechsel bei der kasachischen Aufsichtsbehörde zurückzuführen sei und auf die während Corona neu von der Regierung eingeführten Beschränkungen bei der Eintreibung von Forderungen. Insgesamt aber wohl auch zu verschmerzen, da das TWINO Kreditportfolio sowohl 2019 als auch 2020 zu weniger als 1 Prozent aus kasachischen Konsumkrediten bestand.


Wie TWINO im Jahr 2020 Geld verdient hat

Ein Blick auf die Gewinn- und Verlustrechnung verrät uns wie TWINO im letzten Jahr seinen Umsatz erzielt hat. Dafür gibt es im wesentlichen zwei Säulen:

Zum einen die Nettozinserträge (zinsabhängige Kosten), welche von 47,3 Mio. Euro auf 61,6 Mio. Euro im Jahr 2020 angestiegen sind. Das entspricht einer Steigerung von ca. 30%. Hierbei handelt es sich um den Zins-Spread, also dem was die Kreditnehmer an Zinsen bezahlen müssen und dem, was Twino für die Finanzierung der Kredite an Zinsen ausgibt – zum Beispiel an die Twino Investoren.

Auf der anderen Seite gibt es die zinsunabhängigen Erträge, die von 17,3 Mio. Euro auf 10,1 Mio. Euro gesunken sind. Hierbei fällt insbesondere auf, dass die Gebühren und Provisionseinnahmen von 31,6 Mio. Euro auf 9 Mio. Euro gesunken sind. Das entspricht einem Delta von ca. 22 Mio. Euro, beziehungsweise einem Rückgang von 76%.


Neue Regelungen in Russland verändern die Einkommensstruktur

Ein Blick auf die Notes verrät, dass dieser Rückgang insbesondere auf die Erträge aus Verlängerungsprovisionen zurückzuführen ist. Twino benennt hierfür im Geschäftsbericht zwei Hauptfaktoren:

  • Zum einen, weil die Gruppe ihre Geschäftstätigkeiten in Kasachstan eingestellt hat (was aufgrund des geringen Anteils allerdings nicht wirklich ins Gewicht fallen sollte).
  • Zum anderen ist es gemäß der russischen Gesetzgebung seit 2020 nicht mehr erlaubt, dass den Kunden separate Gebühren für Kreditverlängerungen berechnet werden können.

Was bedeutet das konkret? Bis dato war es so gewesen, dass Kreditnehmer bei Verlängerungen eine Form der Provision bezahlen mussten, die sofort von Twino einbehalten worden ist. Dadurch wurde der Kredit entsprechend verlängert und es sind keine weiteren Zinsen fällig gewesen.

Die Änderung besteht nun darin, dass die Kreditnehmer ihre Darlehen erst dann verlängern können, wenn diese die bis dato aufgelaufenen Zinsen bezahlen, inkl. zusätzlicher Zinsen für die ausstehende Tilgung.

Konkret bedeutet das aus Sicht von Twino nichts anderes, als dass sich dadurch lediglich die Zuordnung der Umsatz-Quelle verändert hat. Mehr Zinsen, weniger Gebühren. Diese Gesetzesänderung bedeutet daher – finanziell betrachtet – weder eine positive noch negative Veränderung für das Unternehmen.


Fast 85% des Umsatzes kommt aus Russland

Bleiben wir bei Russland. Im TWINO Deep Dive habe ich bereits darauf verwiesen, dass die starke Abhängigkeit von Twino zum russischen Kreditmarkt beobachtet werden sollte. Auch wenn Twino aufgrund einer starken Marktposition eher zu den Gewinnern einer in der jüngeren Vergangenheit sich verschärfenden Kreditregulierung gehört hat, so könnten weitere Maßnahmen und Eingriffe sicherlich einen Einfluss auf die Profitabilität des Russland-Geschäfts besitzen.

Wie sich der geographischen Umsatzverteilung im Geschäftsbericht entnehmen lässt, hat sich die Situation hierbei nochmal verschärft.

Während Twino im Jahr 2019 einen Umsatz von 61,3 Mio. Euro in Russland erzielte, was einem Anteil von 77,5% vom Gesamt-Umsatz entsprach, ist dieser Anteil im Jahr 2020 auf einen Wert von 84,7% angestiegen (59,9 Mio. Euro Umsatz).


Die Ausgaben: Mitarbeiter, Marketing und Wertminderungsverluste

Schauen wir noch kurz auf die Ausgaben-Seite bei Twino und wie sich diese während der Corona-Pandemie entwickelt haben.

Die Ausgaben für die Mitarbeiter sind von 8,1 Mio. Euro auf ca. 7 Mio. Euro gesunken. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die durchschnittliche Anzahl an Mitarbeitern von 372 auf 346 gesunken ist.

Auch die sonstigen Ausgaben sind von 16,4 Mio. Euro auf 12,4 Mio. Euro gesunken. Ein Blick auf die Notes verrät, dass hierbei insbesondere die Kosten für Marketing und Werbung von 8 Mio. Euro auf 5,6 Mio. Euro gesunken sind.

Einen Anstieg gab es hingegen beim Posten der Wertminderungsverluste (Impairment Losses), welche von 32,6 Mio. Euro auf 40,2 Mio. Euro angestiegen sind.


Twino seit drei Jahren profitabel und mit deutlichen Gewinnen

Unter dem Strich erkennt man eine wirtschaftlich betrachtet sehr schöne Entwicklung bei Twino.

Nachdem man in den ersten beiden Jahren der Plattform leichte Verluste erlitten hatte, gefolgt von einem desaströs-gescheitertem Expansionskurs im Jahr 2017 – mit einem Verlust von fast 10 Mio. Euro – ist Twino in den letzten drei Jahren durchgehend profitabel gewesen und hat dabei teilweise sehr deutliche Gewinne eingefahren. 2020 lag der Gewinn bei 7,4 Mio. Euro, welcher somit zum Vorjahr (5,7 Mio. Euro) nochmal um knapp 29% gesteigert werden konnte.

ist-twino-profitabel
Die TWINO Gruppe zum dritten Jahr in Folge mit einem Gewinn.

Laut Twino wird der Gewinn zurückgestellt und für die weitere Entwicklung des Unternehmens verwendet.


Twino Bilanz 2020

Bevor es zum abschließenden Fazit kommt, zunächst noch ein Blick auf die Bilanz von Twino und wie sich die wichtigsten KPIs entwickelt haben. Grundsätzlich erkennt man bereits, dass sich die wichtigsten Kennzahlen, im Vergleich zum Vorjahr, kaum verändert haben.

twino-geschaeftsbericht-2020-bilanz
Die wichtigsten Kennzahlen der TWINO Bilanz haben sich zum Vorjahr kaum verändert.

Die Eigenkapital-Quote sieht nach wie vor sehr gut aus, der Liquiditätsgrad ist ok und hält sich stabil und auch der Verschuldungsgrad ist weiterhin überschaubar.

Was bei einem genaueren Blick auffällt, sind jedoch zwei andere Zahlen.

Zum einen konnten die Verbindlichkeiten von fast 45,7 Mio. Euro auf 36,6 Mio. Euro gesenkt werden. Das unterstreicht aus meiner Sicht einmal mehr, wie stark und wie gut Twino mit einer gesunden Konsolidierung in den letzten Jahren vorangekommen ist.

Zum anderen lässt sich aber auch beobachten, dass sich das Eigenkapital um ca. 4 Mio. Euro zum Vorjahr verringert hat. Ein Blick in den Geschäftsbericht verrät bei den Veränderungen des Eigenkapitals, dass Twino das eingelegte Stammkapital von 7,7 Mio. Euro auf eine halbe Million Euro herabgesetzt hat. Davon sind 6 Mio. Euro zum Abbau aufgelaufener Schulden der Twino Gruppe verwendet worden.

twino-geschaeftsbericht-2020-eigenkapital
Die TWINO Gruppe konnte Ende 2020 seine aufgelaufenen Schulden komplett abbauen.

Noch interessanter ist allerdings, dass mit der Berücksichtigung des Gewinns für das Jahr 2020 und abzüglich einer ausgezahlten Dividende an den Gesellschafter, die Twino Gruppe jetzt erstmals seit vielen Jahren wieder eine Gewinnrücklage in Höhe von 2,5M Euro ausweisen kann.


Fazit zum Twino Geschäftsbericht 2020

Die von der AS TWINO vorgelegten Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 sind sehr beeindruckend und nehmen das Fazit mehr oder weniger vorweg. Trotz der Corona-Pandemie ist 2020 ein – aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet – sehr erfolgreiches Jahr für die TWINO Gruppe gewesen.

Insofern sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen optimal, dass Twino auf Basis von diesem Fundament auch ein sehr erfolgreiches Jahr 2021 haben wird. Eine erste Indikation bietet bereits ein Vorausblick auf das aktuelle Jahr. Während im März und April des letzten Jahres 4,2 Mio. Euro mehr abgehoben als eingezahlt worden sind, lag dieses Verhältnis in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 bei positiven 2,1 Mio. Euro.


Mein Video zum TWINO Geschäftsbericht 2020


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.