EstateGuru im Interview: Marktturbulenzen, Coronavirus und eine mögliche Rezession

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Wie reagiert EstateGuru auf die aktuellen Marktturbulenzen, das Coronavirus und eine mögliche Rezession? Ich habe diese Fragen an Kadri Akk gestellt, die deutsche Investoren Community Managerin bei EstateGuru. Hier sind ihre Antworten:


Wie und wann hat EstateGuru auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert?

Die ersten März-Wochen waren für uns im Baltikum und auch in Finnland, wo wir unsere vier Büros haben und die Teams arbeiten, ganz normal. Wir haben die Nachrichten und Entwicklungen immer verfolgt, aber keine Auswirkung auf unser Tagesgeschäft oder das Investoren- und Kreditnehmerverhalten bemerkt.

Im Baltikum ging alles ziemlich plötzlich los, ab 13.03. wurden fast von heute auf morgen die Schulen zugemacht, die Eltern mussten sich schnell auf Heimarbeit umstellen und seit dem 16.03. arbeitet auch das ganze EstateGuru-Team von zuhause aus. Das ist ein großer Vorteil für ein Online-Unternehmen.


Inwiefern haben sich seitdem die internen Geschäftsabläufe verändert?

Alle Kundengespräche und Teambesprechungen werden online durchgeführt und der tägliche Vertrieb, das Marketing, Risiko- und Schuldenmanagement, IT/Operations, Rechtsabteilung etc. werden wie vorher unverändert fortgeführt.

Unser COO kümmert sich darum, dass unser Team sich an die Heimarbeit gewöhnt und sich damit wohlfühlt. Wir konnten alles, was wir fürs effiziente Arbeiten benötigen, aus dem Büro mitnehmen – damit meine ich Bildschirme, Stühle, Tastatur etc., sodass alle einen gemütlichen Arbeitsplatz zuhause einrichten konnten.

Wir haben alle Geschäftsreisen verschoben und sind auf Online-Gespräche ausgewichen, damit weiterhin wichtige Geschäftsentwicklungen und -entscheidungen besprochen werden können. Das ist eben jetzt auch eine neue Realität und mit der Technologie von heute muss man eigentlich fast keine Abstriche machen.

Das einzige, was wir nicht online erledigen können, sind die Notartermine – diese sind für unsere Mitarbeiter wichtig, damit sie mit dem Kreditnehmer die Verträge abschließen können.

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Wie schätzt EstateGuru die wirtschaftlichen Konsequenzen ein, speziell im Hinblick auf den Immobilienmarkt?

Wir sehen derzeit keine großen Änderungen auf dem Immobilienmarkt und unsere Analyse zeigt eher eine kurzfristige Wirkung, die sich schnell wieder stabilisieren wird. Unsere eigene Risikoabteilung analysiert täglich die Marktauswirkungen und Anzeichen, daher können wir auch sehr schnell und falls nötig noch konservativer unsere Kreditentscheidungen treffen. Unsere Beleihungsquote (LTV) liegt durchschnittlich bei 60 % und wir haben so genug Raum für die Anpassung an die Marktänderungen.

Als Letztes möchte ich betonen, dass Immobilieninvestitionen immer eine sehr gute Wahl sind und ein gutes Gleichgewicht zwischen Risiko und Einnahmen darstellen.


Denkt man aktuell darüber nach, Veränderungen bei der Risikobewertung vorzunehmen und ggf. den Immobilienwert konservativer einzuschätzen?

EstateGuru’s interne Risikobewertung ist sehr gut durchdacht und hat sich in den Jahren auch schon bewiesen. Immobilienbewertungen werden immer von externen Immobiliengutachtern durchgeführt und unsere Risikoabteilung trifft die Entscheidungen immer weiterhin vorsichtig, was an unserer niedrigen Beleihungsquote ersichtlich ist. Wir bleiben konservativ und werden jedes Projekt mit voller Verantwortung beurteilen.


Wie sieht die aktuelle Finanzierungsstruktur bei Immobilienprojekten aus? Wie teilt sich hier die Finanzierung zwischen institutionellen Investoren und Privatanlegern auf?

Erstens investieren alle institutionellen Investoren unter gleichen Bedingungen wie die Privatinvestoren. Dass heißt, wenn der Kredit mit einer erstrangigen Hypothek besichert ist, werden alle Investoren gleich behandelt und einen entsprechenden prozentualen Anteil an der erstrangigen Grundschuld haben.

Zweitens gilt, wenn ein institutioneller Investor in einen bestimmten Kredit investieren möchte, wird der Kredit nie vollständig von ihm finanziert, sondern wir reservieren immer einen Teil der Kreditsumme für unsere Privatinvestoren.


Warum will man den Anteil institutioneller Investoren ab 2020 erhöhen? Kannst Du verraten, welche Gesellschaften das sind und wie das Engagement im Detail aussieht?

Im Jahr 2019 ist der Anteil der institutionellen Investoren 10 % gewesen, im Jahr 2020 möchten wir ihn auf 30-40 % erhöhen. Für uns ist aber der Anteil der Privatinvestoren ein sehr wichtiger Baustein und private Investoren haben keine schlechtere Position gegenüber den institutionellen.

Der Grund für die Erhöhung des Anteils institutioneller Investoren ist die Tatsache, dass wir für unser geplantes Wachstum auch größere Projekte finanzieren werden. Unabhängig davon, dass sich der Anteil institutioneller Investoren erhöhen wird, steigt auch der Anteil der Privatinvestoren für 2020 um den Faktor 1,5 im Vergleich zu 2019.

Einer der institutionellen Investoren, deren Namen ich nennen darf, ist die Varengold Bank. Andere Gesellschaften und auch die Vertragsdetails darf ich leider nicht bekanntgeben.

Wie aber schon gesagt, institutionelle und private Investoren haben bei uns Zugang zu einem geteilten und gleichwertigen Anteil der Investition.


Wie entwickelt sich aktuell das finanzierte Kreditvolumen? Gibt es einen sinkenden Trend, wie er auch bei anderen Anbietern zu beobachten ist?

Im Geschäftsalltag ist es immer wichtig, ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu finden und das gleiche gilt auch für uns. Durch die Jahre schwankt es immer zwischen weniger Investoren und mehr Krediten oder weniger Krediten und mehr Investoren.

Die jetzige Marktsituation hat schon andeutungsweise gezeigt, dass die Kreditanfrage steigen wird und erlaubt uns auch, den Investoren höhere Zinsen anzubieten. Derzeit gibt es sehr viele Projekte mit 12 % Rendite.

Es ist verständlich, dass es einige Investoren gibt, die derzeit einen Blick auf den Aktienmarkt werfen und einige, die derzeit etwas passiver sind. Darüber hinaus gibt es aber auch sehr viele Investoren, die das Investieren als ein langfristiges Unterfangen sehen und sich nicht von den Turbulenzen beeinflussen lassen. Anleger sollten sich auf jeden Fall daran halten, einen bestimmten Teil ihres Portfolios in besicherten und stabilen Anlageklassen diversifiziert zu haben und auch zu behalten.


Wie gut sieht sich EstateGuru auf eine mögliche Phase der Rezession vorbereitet?

Für 2020 haben wir ein aggressives Wachstum geplant, aber entschieden, einige geschäftliche Investitionen zu verschieben und konzentrieren uns derzeit mehr auf den baltischen und finnischen Markt, damit wir dort die KMU besser unterstützen können.

Wie unser CEO Marek Pärtel auf unserem Blog geschrieben hat: „Alles begann 2008 während der letzten großen Finanzkrise. Sie war vielleicht nicht mit der gegenwärtigen vergleichbar, was ihre Reichweite und Auswirkungen weltweit betrifft, hatte aber dennoch weitreichende Folgen für die Finanzwelt und die Art und Weise, wie die Finanzierung funktioniert. Ich habe diese Krise sehr tief und persönlich erlebt.“

Rund fünf Jahre nach der Krise von 2008 war die Idee ausgereift und EstateGuru wurde gegründet. Das EstateGuru-Management hat einen Notfallplan für eine mögliche Phase der Rezession vorbereitet.

Falls unsere Einnahmen sinken sollten, sind wir bereit für die schnelle Implementierung dieses Notfallplans. Da wir die ersten Monate des Jahres Rekorde erzielt hatten, erlaubt unsere Situation es uns, relativ einfach unsere Kostenbasis um 30 % bis 40 % zu reduzieren, ohne Mitarbeiter entlassen zu müssen.

Da wir sehr fest dran glauben, dass die Situation sich bald wieder verbessern wird, müssen derzeit keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden.

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