So verdienen P2P Plattformen Geld! [Mintos, Bondora & Co.]

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Wie verdienen P2P Kredite Plattformen Geld? Welche unterschiedlichen Geschäftsmodelle gibt es? Und welche Einnahmequellen besitzen zum Beispiel Bondora, Mintos, EstateGuru & Co.?

Diese Fragestellungen sind fundamental, wenn man sich genauer und ausführlicher mit der Analyse einer P2P Plattform befassen möchte.  

Denn auch wenn man von außen betrachtet manchmal den Eindruck bekommt, dass sich die meisten dieser Unternehmen nur marginal und hauptsächlich in ihrem Kreditangebot unterscheiden, so sind die Geschäftsmodelle und damit auch die Wege wie P2P Plattformen Geld verdienen, sehr unterschiedlich und individuell.


Drei primäre Einnahmequellen für P2P Plattformen

Im Kern gibt es – in Abhängigkeit zum Geschäftsmodell – insgesamt drei primäre Einnahmequellen:

  • Den Kreditnehmer,
  • den Kreditgeber,
  • oder den Privatanleger
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Das magische Dreieck: So verdienen P2P Plattformen Geld!

Bevor ich näher auf die einzelnen Ausprägungen eingehen werde, noch ein paar kurze Vorbemerkungen:

1. Aufgrund der unterschiedlichen Geschäftsmodelle, können bei einer P2P Plattform immer nur maximal zwei von drei Primärquellen auftreten. Das ist in erster Linie auf die Unterscheidung zwischen klassischen P2P Plattformen (direkte Kreditvergabe, daher keine Monetarisierung via Kreditgeber) und P2P Marktplätzen (keine Monetarisierung via Kreditnehmer) zurückzuführen.

2. Jede Primärquelle kann sich nochmal in unterschiedliche Bereiche aufteilen. Vom Kreditnehmer könnte beispielsweise eine direkte Gebühr für die Kreditvermittlung anfallen als auch eine Gebühr für die Verwaltung des Darlehens.

3. Auch außerhalb der drei Primärquellen kann es weitere Einkommensströme geben, welche in die Bilanz einer P2P Plattform mit aufgenommen werden können.

Auf Basis dieser Annahmen folgt nun ein Blick auf die individuellen Umsatzquellen der einzelnen P2P Plattformen.


1. Der Kreditnehmer

Beim Kreditnehmer ist die Vielfalt an Einnahmequellen mit Abstand am höchsten. Bevor ich näher auf die heutigen Ausprägungen eingehen werde, sollte aus Sicht der Kreditnehmer zunächst der Umstand gewürdigt werden, dass sich die Gebühren mittlerweile sehr stark an den auch tatsächlich in Anspruch genommenen Leistungen orientiert. Das war nämlich nicht immer so.

Als Privatkredite gerade erst dabei waren sich zu etablieren, war es für Kreditnehmer nicht unüblich teilweise schon bei der Registrierung bis zu 95 Euro zu bezahlen. Eine Garantie, dass man im Anschluss auch einen Kredit bewilligt bekommt, gab es hingegen nicht.

Bei der deutschen P2P Plattform auxmoney wurden noch bis zum Jahr 2013 Gebühren für die Registrierung veranschlagt, sowie für die Erstellung einer Bonitätsbewertung des antragstellenden Kreditnehmers.

Heute sind die Registrierung, die Kreditanfrage und auch die Bonitätsbewertung bei der deutschen P2P Plattform, aber auch bei allen anderen mir bekannten Unternehmen, kostenlos.

Die Tendenz, dass manche Unternehmen früher auch im Vorfeld Gebühren von den Kreditnehmern verlangt haben, hing größtenteils mit dem administrativen und dem manuellen Aufwand zusammen, der heutzutage komplett online und automatisiert abläuft.


Direkte Provisionen und Gebühren für die Kreditvermittlung

Die am häufigsten vorkommende Einnahmequelle entsteht durch direkte Provisionen oder Gebühren für die Kreditvermittlung. Diese wird meistens sofort nach der Ausstellung des Kredits berechnet und damit sofort einbehalten.

Hier sind einige ausgewählte Provisionsgebühren:

Diese Zahlen sollten nicht verallgemeinert, sondern im Kontext zum jeweiligen Kreditsegment und dem Kreditvolumen betrachtet werden. 

Einen etwas anderen Ansatz wählt die litauische P2P Plattform NEO Finance. Hier können dem Kreditnehmer 4,9% bis 9,9% der Kreditsumme berechnet werden. Diese berechnet das Unternehmen allerdings nur partiell mit den Rückzahlungen und nicht schon im Vorfeld. Dadurch verschiebt sich nicht nur der Umsatz nach hinten, das Unternehmen hat dadurch die gleichen Interessen wie die Investoren, dass der Kredit auch zurückgezahlt wird. Mehr zum Geschäftsmodell von NEO Finance.


Das Arbitrage Modell

Auch Nicht-Banken Kreditgeber wie TWINO oder VIAINVEST verdienen beim Kreditgeschäft einen Großteil des Umsatzes durch die Kreditnehmer. Dieser wird allerdings primär durch ein Arbitrage-Modell bei den Kreditnehmerzinsen erzielt.

Das funktioniert so, dass während man ein Darlehen für einen Zinssatz X beim Kreditnehmer finanziert, man das Darlehen anschließend für einen Zinssatz Y zur Querfinanzierung an die Privatanleger weiterleitet. Die Zinsdifferenz Z (X -Y) ist dann die Gewinnmarge des Unternehmens.

Die APR (Engl.: annual percentage rate), also die tatsächlichen Kosten ein Kredits (inkl. Gebühren), können je nach Kreditart und Kreditnehmerland stark variieren. Nichts selten liegen diese Werte bei kurzfristigen Konsumkrediten, den sogenannten PayDay Loans, im hunderter und manchmal auch im niedrigstelligen tausender Prozentbereich.


Verwaltungsgebühren und sonstige Umsatzquellen

Die Verwaltungsgebühr eines Darlehens zählt ebenfalls zu den häufiger vorkommenden Einnahmequellen. Bei Bondora beträgt diese zum Beispiel jährliche vier Prozent der ursprünglichen Kreditsumme. Gemäß dem Geschäftsbericht für das Jahr 2019, war dieser Posten mit 31,9 Prozent (6,51 Mio. Euro) der zweigrößte Umsatztreiber. EstateGuru verlangt bei der Verwaltung hingegen eine jährliche Gebühr von zwei Prozent für die Administration der Dokumente und die Bewerbung der Objekte.

Darüber hinaus gibt es bei den P2P Plattformen aber auch sehr individuelle Gebühren, die den Kreditnehmern berechnet werden können. Dazu zählen zum Beispiel Mahnungsgebühren bei Rückzahlungsschwierigkeiten oder wenn Kreditnehmer im Austausch gegen eine Gebühr die Rückzahlungsmodalitäten flexibel anpassen wollen.


2. Der Privatanleger

Privatanleger werden in der Regel nur sehr selten und wenn, dann eher mit einem geringen Betrag zur Kasse gebeten. Das ist insofern auch einleuchtend und nachvollziehbar, da das Kapital der Investoren erst dazu beiträgt, dass die Kredite finanziert werden können. Daher sind die Kostenfaktoren für die Investoren eher gering und überschaubar.

Stattdessen sind viele P2P Plattformen sogar bereit dazu Geld für die Anmeldung neuer Investoren zu bezahlen, sodass diese einen kleinen Zusatzanreiz bekommen sich anzumelden und zu investieren.

Zu den wenigen Gebühren zählen für die Investoren am häufigsten noch die Abhebungsgebühren. Diese gibt es zum Beispiel bei Bondora Go & Grow, bei EstateGuru oder bei Debitum Network und betragen meistens nicht mehr als 1 Euro. Die Absicht der P2P Plattformen besteht weniger darin sich darüber zu monetarisieren als vielmehr die dadurch entstehenden Verwaltungskosten weiterzugeben.

Weitere Kosten können für die Investoren bei der Nutzung eines Sekundärmarktes entstehen, auf welchem man bereits finanzierte Kredite kaufen oder verkaufen kann. Die Ausstellung bestimmter Dokumente oder die Nutzung eines Währungsumtausches auf der P2P Plattform kann zu weiteren Umsatzeinnahmen für die Unternehmen führen.


3. Der Kreditgeber

Abschließend bleiben noch die Kreditgeber als letzte größere Säule der Monetarisierung übrig. Diese kommt insbesondere bei P2P Marktplätzen wie Mintos, PeerBerry oder Debitum Network zu tragen, bei denen man sich über die angeschlossenen Kreditgeber finanziert – im Austausch für die Bereitstellung der Finanzierungsquelle.

Hierzu eine kleine Milchmädchenrechnung zum P2P Marktplatz Mintos: Das Unternehmen hatte im Jahr 2019 durchschnittlich 54 Kreditgeber auf dem Marktplatz vertreten (39 zu Beginn des Jahres, 68 zum Ende des Jahres). Im Geschäftsjahr 2019 konnte Mintos dadurch (Service Fee Loan Originators) einen Umsatz von 8,75 Mio. Euro erzielen. Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis, ergibt sich dadurch eine durchschnittliche Monatsgebühr von ca. 13.500 Euro pro Kreditgeber

Gehen wir noch einen Schritt weiter: 2019 lag das auf Mintos finanzierte Kreditvolumen bei 2,86 Mrd. Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen Kreditvolumen von 53,05 Mio. Euro pro Kreditgeber. Die Gebühr von Mintos macht also, bei einem Jahresbetrag von ca. 162.000 Euro pro Kreditgeber, ungefähr 0,3 Prozent des finanzierten Kreditvolumens pro Kreditgeber aus.

Natürlich sind das alles nur sehr vereinfacht dargestellte Rechenbeispiele. Diese sollen aber dennoch eine ungefähre Dimension vermitteln, wie sich P2P Marktplätze über die Kreditgeber monetarisieren.


Die Vor- und Nachteile einzelner Geschäftsmodelle

Man sieht, dass es teilweise doch erhebliche Unterschiede gibt, wie P2P Plattformen Geld verdienen. Das größte Unterscheidungskriterium ist dabei das zugrunde liegende Geschäftsmodell

Beim P2P Marktplatzmodell gibt es, im Hinblick auf die Monetarisierung, den großen Vorteil der Diversifikation. Sofern es zu einem Totalausfall bei einem Kreditgeber kommt, wird der Umsatz durch andere Kreditgeber aufgefangen. Je mehr Kreditgeber es gibt, desto geringer der Einfluss auf den Umsatz bei einem Ausfall. So zumindest die Theorie. Die Stärke liegt bei diesem Geschäftsmodell also insbesondere bei der Diversifikation der Umsatzquellen, selbst wenn diese im Kern die gleiche ist. 

Klassische P2P Plattformen, mit direkter Kreditvergabe, monetarisieren sich in erster Linie durch den Kreditnehmer. Auch hier kann man die Vielzahl der Kreditnehmer als eine Form der Diversifikation ansehen. Zudem bestehen für diese Unternehmen deutlich mehr Möglichkeiten die Einnahmen durch die Kreditnehmer auf unterschiedliche Arten und Weisen zu verteilen – losgelöst von den klassischen Provisionseinnahmen für die Kreditvermittlung. 

Das Arbitrage-Modell scheint auf den ersten Blick zwar am profitabelsten zu sein, allerdings entstehen hierbei auch deutlich mehr Abhängigkeiten von den Kreditnehmermärkten und den jeweiligen Regulierungen im Kreditsegment. Siehe beispielhaft die Einführung von Kreditregulierungen 2019 in Lettland.


Wie einzelne P2P Plattformen Geld verdienen

Abschließend möchte ich noch einen kurzen Blick auf einige ausgewählte P2P Plattformen werfen und wie sich diese monetarisieren.


So verdient Mintos Geld

Mintos verdient sein Geld durch drei unterschiedliche Einnahmequellen:

  • Fixe Dienstleistungsgebühren bei Kreditgebern
  • Einmalige Transaktionsgebühren bei Kreditgebern 
  • Provisionen bei Fremdwährungswechseln

Durch diese drei Säulen konnte Mintos im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 9,19 Mio. Euro erzielen.

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Mehr zum Geschäftsmodell kannst Du in meinen Bondora Erfahrungen auf dem Blog nachlesen.


So verdient Bondora Geld

Bondora besitzt aktuell sechs unterschiedliche Umsatzquellen. Basierend auf dem Geschäftsbericht für das Jahr 2019, sind die größten Posten dabei die Provision für die Kreditvermittlung (8,38 Mio. Euro | 41%), die Verwaltungsgebühr (6,51 Mio. Euro | 32%) und die Gebühren für die Schuldeneintreibung (3,18 Mio. Euro | 16%).

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Mehr zum Geschäftsmodell kannst Du in meinen Bondora Erfahrungen auf dem Blog nachlesen.


So verdient EstateGuru Geld

EstateGuru finanziert sich vorwiegend durch Gebühren bei den Kreditnehmern. Dazu gehören eine Vermittlungsgebühr in Höhe von 2,5% bis 4%, sowie eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0% bis 2%. Die Verwaltungsgebühr hat im Jahr 2019, mit einem Umsatz von 1,73 Mio. Euro, einen Anteil von 73% des Gesamtumsatzes ausgemacht.

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Mehr zum Geschäftsmodell kannst Du in meinen EstateGuru Erfahrungen auf dem Blog nachlesen.


So verdient TWINO Geld

Twino besitzt, gemäß dem konsolidierten Geschäftsbericht für 2019, aktuell drei große Säulen bei der Monetarisierung. Die größte Säule besteht aus den Gebühren und Provisionseinnahmen (39,9 Mio. Euro | 48,02%), gefolgt von den Zinseinnahmen (38,99 Mio. Euro | 46,93%) und anderen operativen Einnahmen (4,2 Mio. Euro).

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Mehr zum Geschäftsmodell kannst Du in meinen TWINO Erfahrungen auf dem Blog nachlesen.


So verdient VIAINVEST Geld

Die VIA SMS Group, Mutterkonzern der P2P Plattform VIAINVEST, besitzt laut Geschäftsbericht 2019 insgesamt neun unterschiedliche Umsatzquellen. Die  Provisionseinnahmen für die Kreditvermittlung haben dabei mit 20,21 Mio. Euro einen Anteil von 73 Prozent vom Gesamtumsatz ausgemacht. Danach folgen die Gebühren für die Kreditverlängerung (2,32 Mio. Euro) und Online Banking Gebühren bei VIALET (2,06 Mio. Euro).

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Mehr zum Geschäftsmodell kannst Du in meinen VIAINVEST Erfahrungen auf dem Blog nachlesen.


Wie P2P Kredite Plattformen Geld verdienen – Mein Fazit

Persönlich finde ich es sehr beeindruckend, wie unterschiedlich P2P Plattformen Geld verdienen und sich monetarisieren. Hoffentlich konnte ich Dir damit einen neuen Einblick in das Themenfeld der P2P Kredite verschaffen und Du kannst ein paar Aspekte in Deine zukünftigen Investitionsentscheidungen mit aufnehmen.

In meiner Artikelübersicht findest Du weitere Inhalte zu den Grundlagen von P2P Krediten. Wenn Du dich für einzelne Analysen interessierst, schau Dir meine umfangreichen P2P Kredite Erfahrungen zu den einzelnen P2P Plattformen an.


Video: Wie verdienen P2P Plattformen Geld?


FAQ – Wie verdienen P2P Plattformen Geld?

✅ Wie verdienen P2P Plattformen Geld?

In Abhängigkeit zum Geschäftsmodell gibt es insgesamt drei primäre Einnahmequellen, mit denen P2P Plattformen Geld verdienen: Den Kreditnehmern, den Kreditgebern oder den Privatanleger. Jede Primärquelle kann dabei unterschiedliche Ausprägungen besitzen.

✅ Was sind Vor- und Nachteile einzelner Geschäftsmodelle?

P2P Plattformen mit Marktplatzmodell besitzen, im Hinblick auf die Monetarisierung, den Vorteil der Diversifikation durch viele Kreditgeber. Fällt einer davon aus, wirkt sich das eher gering auf die Umsatzentwicklung aus. Bei P2P Plattformen mit direkter Kreditvergabe liegt der Fokus hingegen bei den Kreditnehmern. Diese können jedoch über unterschiedliche Wege zum Umsatz beitragen.

Das Arbitrage-Modell scheint auf den ersten Blick zwar am profitabelsten zu sein, allerdings entstehen hierbei auch deutlich mehr Abhängigkeiten von den Kreditnehmermärkten und den jeweiligen Regulierungen im Kreditsegment.

✅ Wie verdient Bondora Geld?

Bondora besitzt, gemäß dem Geschäftsbericht für 2019, aktuell sechs unterschiedliche Umsatzquellen. Die größten Posten sind dabei die Provision für die Kreditvermittlung (8,38 Mio. Euro | 41%), die Verwaltungsgebühr (6,51 Mio. Euro | 32%) und die Gebühren für die Schuldeneintreibung (3,18 Mio. Euro | 16%).

✅ Wie verdient Mintos Geld?

Mintos verdient sein Geld durch drei unterschiedliche Einnahmequellen: Fixe Dienstleistungsgebühren bei Kreditgebern, einmalige Transaktionsgebühren bei Kreditgebern und durch Provisionen bei Fremdwährungswechseln. Durch diese drei Säulen konnte Mintos im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 9,19 Mio. Euro erzielen.


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

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