Analyse des Geschäfts- und Monetarisierungsmodells von Mintos

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Kein Thema wurde seit der P2PConeference in Riga so häufig und strittig diskutiert, wie die Einführung des neuen Anlageproduktes Mintos Invest & Access. Auch ich habe meine Einschätzung dazu bereits abgegeben und versucht die Hintergründe dieser Entscheidung zu beleuchten.

Das Feedback zum neuen Produkt ist durchaus geteilt. Manche freuen sich, dass es eine ähnliche Alternative zu Bondora Go & Grow mit einer höheren Verzinsung gibt, andere wiederum Bemängeln die Handhabung des neuen Tools und den nicht vorhandenen Einfluss bei der Kreditauswahl.

Dass die Einführung von Invest & Access allerdings eine absehbare Konsequenz des Geschäftsmodells von Mintos ist, werde ich Dir in diesem Beitrag verdeutlichen. Dafür werfe ich einen Blick auf den Geschäftsbericht für 2018 und analysiere das Geschäfts- und Monetarisierungsmodell von Mintos.   


Warum Mintos aktuell der größte P2P-Marktplatz in Europa ist

Bevor wir dazu kommen, möchte ich zum besseren Verständnis einen Blick auf Mintos aus der Vogelperspektive werfen. Der lettische P2P-Marktplatz hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung hinter sich und ist aktuell der europaweit größte und am schnellsten wachsende Marktplatz für die alternative Kreditvergabe zwischen Privatpersonen.

Im Mai 2019 konnte ein Kreditvolumen von 230 Mio. Euro über den Marktplatz vermittelt werden. Zum Vergleich: Der estnische Platzhirsch Bondora hat in den letzten elf Jahren, seit Bestehen des Unternehmens, insgesamt nur ein Kreditvolumen von 224 Mio. Euro an Privatinvestoren vermittelt. Ein unfairer Vergleich, da die Geschäftsmodelle grundlegend zu unterscheiden sind. Aber die Dimensionen sind dennoch beachtlich.

Woran liegt das? Bondora ist als ein „klassischer P2P-Anbieter“ anzusehen. Das bedeutet, dass Bondora sich selbst um die Akquise und die Bonitäts-Bewertung seiner Kreditnehmer kümmert. Mintos besitzt hingegen ein Marktplatzmodell, bei dem die Akquise von externen Kreditgebern (Darlehensanbahnern) im Vordergrund steht. Der Prozess der Kreditvergabe wird somit outgesourct. Unter anderem aus diesem Grund hat die britische Aufsichtsbehörde FCA Mintos seinerzeit die Erlaubnis regulierter Kreditvergabetätigkeiten in Großbritannien untersagt. Was beide Anbieter gemein haben, ist die Neugewinnung von Investoren.  


Ein Blick auf die Monetarisierungsmodelle der P2P-Anbieter

Insgesamt gibt es drei Quellen, aus denen sich P2P-Anbieter finanzieren: Privatanleger, Kreditgeber (Darlehensanbahner) und Kreditnehmer. Diese drei Quellen können sich nochmal in unterschiedliche Bereiche unterteilen, jedoch sind immer nur maximal zwei Quellen pro Anbieter möglich.

Bondora finanziert sich in erster Linie durch Gebühren beim Kreditnehmer. Auf der Landing Page kann man erkennen, dass Bondora unter anderem eine Vertragsgebühr von 5,95 Prozent des Darlehensbetrags berechnet. Hinzu kommt eine jährliche Verwaltungsgebühr von 4 Prozent. Der Service B-Secure ermöglicht für 10 Euro monatlich flexible Rückzahlungsmodalitäten.

Auf den ersten Blick sieht das zwar teuer aus, doch wenn man sich überlegt, dass von meinen 5.285 Kreditbeteiligungen ca. 50 Prozent der Kreditnehmer wiederholt ein Darlehen bei Bondora aufgenommen haben, scheint die Leistung im Markt als nicht so unverhältnismäßig wahrgenommen zu werden.  

Der lettische Anbieter Twino, der Kredite über seine Tochterfirmen vergibt, finanziert sich hingegen durch die Zinsdifferenz zwischen Kreditnehmer und Privatanleger. Wenn man so will, hat Twino ein klassisches Arbitrage-Modell. Man finanziert Darlehen zum Prozentsatz X und vermittelt es zu Zinssatz Y an seine Investoren weiter. Die Zinsdifferenz Z bleibt der Gewinn des Unternehmens.

Weitere Beispiele von Monetarisierungsmodellen der P2P-Anbieter findest Du auch in meinem Buch „Geldanlage P2P-Kredite: Grundlagen – Risiken – Investitionsstrategien“.

Wie funktioniert das Geld verdienen bei Mintos?


Wie Mintos Geld verdient – Ein Blick auf die Geschäftszahlen von 2018

Ein Blick auf den Jahresbericht für 2018 verrät, dass Mintos einen Umsatz von ca. 4,65 Mio. Euro generiert hat. Dieser unterteilt sich in drei Kategorien:

  1. Service Fee – Loan Originators: 4,3 Mio. Euro, beziehungsweise 92,6 Prozent des gesamten Umsatzes, entsteht bei Mintos durch die „Dienstleistungsgebühr“, die den externen Kreditgebern für die Vergabe der Darlehen auf Mintos berechnet wird.
  2. Connection Fee Income: Auch diese Gebühr, die 2018 einen Umsatz von 181.358 Euro generierte, wird den Kreditgebern berechnet. Was sich dahinter verbirgt, ist eine Art initiale Kooperationsgebühr für die Zusammenarbeit mit dem Marktplatz.
  3. Foreign Currency Exchange Commissions: Mittlerweile kann man sein Geld auf Mintos in elf unterschiedlichen Landeswährungen umtauschen und investieren. Durch die daraus entstehenden Gebühren konnte man durch Privatanleger in 2018 immerhin 163.872 Euro erwirtschaften.
Auszug aus dem Geschäftsbericht 2018 von AS Mintos Marketplace

Man sieht also, dass Kreditgeber den zentralen Anteil am Umsatz bei Mintos ausmachen. Um die Dimensionen noch ein bisschen besser zu verstehen und einzuordnen, hier ein paar kleine Rechenbeispiele:

Anfang des Jahres 2018 besaß Mintos 27 Kooperationen mit Kreditgebern. Ende 2018 waren es hingegen schon 58. Wenn wir daraus einen Mittelwert für das Jahr 2018 und die weiteren Berechnungen bilden, kommen wir auf durchschnittlich 42,5 Kreditgeber.

Entwicklung bei der Anzahl der Kreditgeber auf Mintos

Wenn jetzt der Umsatz durch Kreditgeber (4,3 Mio. Euro; Connection Fee Income ausgenommen) durch die durchschnittliche Anzahl an Kreditgebern (42,5) dividiert wird, kommt ein Umsatz von 101.215 Euro im Jahr pro Kreditgeber heraus. Teilt man diesen Wert durch 12, entsteht für Mintos ein monatlich durchschnittliches Einkommen pro Kreditgeber von 8.434 Euro.

Würde man diesen Wert mit der aktuellen Anzahl der Kreditgeber (61) multiplizieren, entsteht ein monatlicher Umsatz von 514.511 Euro. Eine halbe Million Euro. Jeden. Monat.

Ich denke das hier deutlich wird, wie schön skalierbar das Geschäftsmodell von Mintos ist. Selbst wenn mal ein oder zwei Kreditgeber ausfallen sollten, was sich natürlich keiner wünscht, kann der Umsatz stabil gehalten und von Mintos aufgefangen werden.

Es wird aber noch besser für Mintos:

Das Kreditvolumen für 2018 betrug 1,044 Mrd. Euro. Wird dieser Wert erneut durch die 2018 durchschnittlichen 42,5 Kreditgeber geteilt, entsteht ein jährliches Kreditvolumen von 24,5 Mio. Euro pro Kreditgeber.

Teilt man diesen Wert wiederum durch die jährliche Gebühr von 101.215 Euro pro Kreditgeber, ergibt das einen Wert von 0,41 Prozent. Das bedeutet also, dass Kreditgeber von dem durchschnittlich auf Mintos vermittelten Kreditvolumen prozentual nur 0,41 Prozent als Gebühr an Mintos abgeben müssen.

Keine Ahnung, ob das ein marktkonformer Wert ist. Aber es zeigt aus meiner Sicht das ungeheure Potenzial von Mintos und das man bei Bedarf durchaus die Schraube noch weiter anziehen kann.     


Der WAHRE Grund für die Einführung von Mintos Invest & Access

Genau in diesen Zahlen liegt auch die Wahrheit versteckt, warum Mintos nun Invest & Access eingeführt hat. Die zentrale Herausforderung, von der das weitere Wachstum von Mintos abhängig ist, liegt in den Kooperationen mit den Kreditgebern.

Das Problem: Die Kreditgeber bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Sei es bei den Kreditarten, den Kreditnehmerländern oder der Rückkaufgarantie. Die größte Herausforderung liegt jedoch bei den unterschiedlich angebotenen Zinssätzen auf dem Marktplatz.

Man erinnere sich nur an das Rückkaufprogramm des Kreditgebers Mogo in 2018, welches dazu führte, dass ein großer Anteil der hoch verzinsten Darlehen von der Plattform verschwand und viel Kapital der Investoren nicht investiert auf der Plattform lag. Hier konnte man deutlich erkennen, dass sehr viele Anleger mittlerweile an die Zinssätze zwischen 12 bis 14 Prozent konditioniert gewesen sind. Als Konsequenz zogen manche Investoren sogar ihr Kapital ab und investierten es auf anderen Plattformen.

Im Kern wird es für Mintos also darum gehen, zukünftig auch Kreditgebern eine Perspektive auf dem Marktplatz anzubieten, die niedriger verzinste Darlehen haben und die sonst nur sehr schwer über Mintos vermittelt werden können.

Einen ersten Versuch in diese Richtung hat Mintos bereits im April 2018 unternommen. Damals führte der lettische P2P-Marktplatz drei automatisierte Anlagestrategien ein, bei der das Unternehmen sich um die Auswahl der geeigneten Darlehen kümmert.

Viele Anleger haben den Braten natürlich gerochen und vermuteten, dass Mintos eher unbeliebtere und geringer verzinste Kredite in die Portfolios der Investoren unterzubringen. Auf Nachfrage im Invest & Access Q&A mit Mintos CEO Martins Sulte konnte mir dieser kein genaues Verhältnis nennen, wie sich die Gewichtung zwischen individuellen Auto-Invest Einstellungen und den Mintos-Anlagestrategien verteilt hat.

Die Antwort wäre meiner Meinung nach aber sehr deutlich ausgefallen. Dafür gab es eine andere aufschlussreiche Antwort, die meinen Verdacht weiter bestätigt. Angesprochen darauf, wann man mit der Idee und Umsetzung von Invest & Access begann, nannte mir Martins den Zeitraum Ende 2018 / Anfang 2019. Damit wäre das ca. ein halbes Jahr nach der Einführung der Mintos-Anlagestrategien gewesen, die vermutlich nicht gezündet haben.

Die Vermarktung und Umsetzung von Mintos Invest & Access ist hingegen sehr clever gelöst worden. Durch Bondora Go & Grow hat man erkannt, dass Investoren einen großen Wert auf Liquidität legen. Das Kreditvolumen stieg bei Bondora innerhalb eines Jahres von 1,8 Mio. Euro bis auf 10,8 Mio. Euro im April 2019 an. Das entspricht dem sechsfachen Faktor. Und: 63 Prozent entfielen dabei auf Kredite, die durch Go & Grow vergeben worden sind. 

Mintos vereint nun mit Invest & Access die beiden Komponenten Diversifikation und Liquidität, um somit das perspektivische Problem zunehmender Zusammenarbeiten mit Kreditgebern zu lösen.

Waren die Anlagestrategien von Mintos noch optional, werden neue Kredite nun als erstes via Invest & Access vergeben. Aufgrund der möglichen Folgen für Investoren mit Vorliebe für die Auto-Invest Einstellungen (geringere Kreditverfügbarkeit und weniger Diversifikationspotenzial), wird Invest & Access sich wohl wie ein Sog verhalten und zukünftig wird die deutliche Mehrheit an Darlehen über Invest & Access vergeben werden.

Auch im neuen Look des Dashboards zeigt sich die zukünftige Priorität von Mintos. Gab es früher noch den Reiter „Auto Invest“, wo man sich zwischen Mintos-Anlagestrategien und persönlichen Auto-Invest Konfigurationen entscheiden konnte, gibt es heute nur noch den Reiter „Investieren“, der alle Anlageprodukte vereint. Nach alphabetischer Reihenfolge ist man in jedem Fall nicht gegangen. Als erstes erscheint: Invest & Access.


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