Was der Zerfall von Finko über Mintos offenbart

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Nein, es ist definitiv kein gutes Jahr für Mintos! Lassen wir mal die sonderbedingte Situation durch Covid-19 außen vor, zeigt sich am Beispiel des Finko Konzerns und seiner Kreditgeber immer mehr, wie wenig Einfluss und Kontrolle Mintos ausübt, um die Interessen seiner Investoren zu schützen.

Aber als wäre das nicht schon traurig genug, steht eigentlich auch die Frage im Raum, ob dieses Vorgehen, bedingt durch Interessenskonflikte zwischen einigen Gesellschaftern, nicht sogar bewusst gefördert wird.

Nachdem ich mich im April sehr kritisch zu der Varks Affäre geäußert, Interessenskonflikte zwischen den Gesellschaftern offen gelegt und auch das Mitwissen von Mintos aufgezeigt hatte, gibt es nun wieder genug „Sprengstoff“, um die „Finko & Mintos Saga“ weiter fortzuführen.

Den Anlass bietet der jüngste Verkauf des moldawischen Kreditgebers Sebo Credit an Mogo Finance. Was es mit diesem Deal auf sich hat und warum Mintos Investoren kritischer als jemals zuvor auf den P2P Marktplatz schauen sollten, erfährst Du in diesem Artikel!  


Flashback: Mintos und die Finko Group

Bevor ich auf die aktuellen Ereignisse eingehen werde, ein kurzer Rückblick um den Kontext besser zu verstehen. Die Finko Group ist einer der größten Nicht-Banken Kreditgeber Europas, mit 366 Mio. Euro an finanzierten Krediten im Jahr 2019 und einem ausgewiesenen – aber nicht konsolidierten – Gewinn von 17,6 Mio. Euro im letzten Geschäftsjahr.

Im März 2020 war der Konzern, mit 97 Mio. Euro an gelisteten Krediten, sogar der größte Kreditgeber auf dem P2P Marktplatz Mintos.

„Finko Group currently is the largest loan provider on Mintos with more than €97 million worth of loans listed on the platform.”

Demnach handelt es sich hierbei also offensichtlich um einen großen, etablierten und finanziell gut aufgestellten Partner an der Seite von Mintos.


Die Finko Gruppengarantie

Es kommt also nicht von ungefähr das, um noch mehr Kredite via Mintos zu finanzieren, der Finko Konzern auch eine Gruppengarantie ausgesprochen hat, wonach für sämtliche Kreditausfälle einzelner Tochtergesellschaften gehaftet wird. Ein entsprechendes Abkommen wurde im März 2020 mit Mintos abgesprochen und schriftlich fixiert.

„JSC Finko Group, the ultimate parent company of the Finko Group companies, is fully obligated to fulfil any payments to Mintos investors related to loans issued by any of the Finko Group companies. The agreement between Finko Group and Mintos was signed at the beginning of March 2020.“

In der Folge wurde Mintos auch nicht müde, die Gruppengarantie als sicherheitsstiftendes Merkmal für Investoren zu präsentieren:

„Varks Forward Flows will start with a principal of € 5 000 – 100 000, a maturity of 12 months, and interest rates of up to 15%. They are backed by a group guarantee provided by Finko group.“ (13.03.20)

“Also, all liabilities of Finko AM towards investors are secured by JSC Finko Group corporate guarantee.“ (26.03.20)

Seitdem wurde, im Zusammenhang mit den Problemen rund um mehrere Finko Kreditgeber, nie wieder von einer Gruppengarantie gesprochen.


Die Finko Gruppe und seine Kreditgeber

Anfang des Jahres war der Finko Konzern mit seinen sieben Kreditgebern in fünf unterschiedlichen Ländern aktiv: Ukraine (Dinero, UkrPozyka), Georgien (Lendo), Russland (Kiva, Metrokredit), Armenien (Varks) und Moldawien (Sebo). Schauen wir mal, was sich im letzten Jahr bei den Unternehmen getan hat.


Russland: Metrokredit und Kiva

Metrokredit kam am 27. Juni 2018 neu auf den Mintos Marktplatz hinzu. Nachdem am 19. September 2019 die rechtliche Struktur bei Metrokredit angepasst wurde und man ankündigte, dass man innerhalb des nächsten Jahres zu den Top 3 der unbesicherten Konsumkreditgeber in Russland gehören will („The main goal for Metrokredit in the next six months to one year is to be in the top three market leaders in the unsecured consumer lending business in Russia.“), hat die russische Zentralbank nicht mal zwei Monate später bereits den Stecker ge- und die Lizenz entzogen.

Finko startete daraufhin einen neuen Versuch mit Kiva, welche seit dem 28. Februar 2020 auf Mintos aktiv sind. Auf dem Mintos Blog kündigte das Unternehmen an, dass man bis Ende des Jahres zu den Top 10 der Mikrofinanz-Institute in Russland gehören möchte.

„According to Finko, Kiva’s goal is to be among the top ten microfinance service providers in Russia by the end of 2020.“

Kein halbes Jahr später, am 08. Juli 2020, kündigte das Unternehmen jedoch die freiwillige Selbstaufgabe an, da man eine mangelnde Wachstumsperspektive erkannt habe.

„we have concluded on the lack of a future growth perspective in the market for Kiva and have decided to wind down the company“

Zu diesem Zeitpunkt waren noch 3,5 Mio. Euro bei Mintos Investoren offen.


Ukraine: Dinero und UkrPozyka

Um die beiden Kreditgeber Dinero und UkrPozyka halten sich hartnäckige Gerüchte, dass die Situation der beiden ukrainischen Kreditgeber alles andere als gut aussieht.


Georgien: Lendo

In Georgien ist die Finko Gruppe durch Lendo vertreten. Ein Kreditportfolio von insgesamt nur 4,8 Mio. Euro ist allerdings kaum der Rede wert.


Armenien: Varks

Bis zum Zeitpunkt des Lizenzentzugs Ende März 2020 war Varks, mit mehr als 30 Mio. Euro an ausstehenden Krediten, der größte Kreditgeber innerhalb von Finko. Über die dubiosen Umstände des Lizenzentzugs und die Mintos Kampagne mit den Forward Flows von Varks Krediten, hatte ich mich bereits geäußert.

Auch die Verstrickungen zwischen den Gesellschaftern und gebrochene Schuldenklauseln mit Mintos, waren bereits Thema auf dem Blog.

Statt Anwendung der Gruppengarantie, gab es stattdessen folgende Mitteilung:

„Finko AM (Varks), a part of Finko Group, has proposed a commitment to follow a repayment timeline to cover the amount due to investors on Mintos by the end of 2022.“

Im Klartext: Mintos und Finko haben sich auf einen Rückzahlungsplan der Varks Kredite bis Ende 2022 verständigt. Und ohne Gebühren, bedeutet das ein 30 monatiges und zinsloses Darlehen, gesponsort durch die Mintos Investoren. Aber ob es überhaupt zu einer Tilgung und damit zu einer Rückzahlung für die Investoren kommt, darf unabhängig davon ebenfalls bezweifelt werden.


Warum haftet Finko nicht mit der Gruppengarantie für Varks Kredite?

Mintos argumentiert, dass dieses Vorgehen, anstelle der Anwendung einer Gruppengarantie, im Interesse der Investoren sei. Denn dadurch würden Investoren schneller auf ihr investiertes Kapital zurückgreifen können.

„We have assessed that  Varks continuing to service the portfolio would lead to better recovery rates of the portfolio, opposite to the liquidation committee possibly appointing a third party to service the existing portfolio. We also believe that this proposal is in the interests of investors on Mintos, as it will lead to sooner recoveries of their invested funds.“

Der wahre Grund ist aus meiner Sicht aber ein anderer. Denn nachdem man die finanzielle Situation der Finko Gruppe bewertet habe, kam heraus, dass diese aktuell nicht in der Lage sind, die offenen Varks Kredite zurückzuzahlen.  

“After a thorough review of Finko Group’s financial standing, the group guarantee is not being exercised, as the group would not be able to cover Varks outstanding portfolio on Mintos in a single payment. Possible legal actions to enforce Finko Group guarantee at this moment would jeopardize the overall expected recovery amount both for Varks and other Group’s companies.”

In diesem Zusammenhang drängen sich daher ganz besonders zwei Fragen auf:

  1. Wieso spricht Mintos permanent von einer Finko Gruppengarantie als Sicherheit, wenn diese scheinbar nicht bedient und angewendet werden kann?
  2. Die Finko Gruppe hat im letzten Geschäftsjahr angeblich einen Gewinn von 17,6 Mio. Euro verzeichnet und scheint außerdem auch recht profitabel zu sein. Aber wie viel Kapital hat der Konzern jetzt tatsächlich zur Verfügung, um die aktuell noch ca. 11 Mio. Euro an rückständigen Krediten zu bedienen?

Auf beide Fragen ist Mintos bis heute eine Antwort schuldig geblieben.


Moldawien: Sebo

Damit sind wir beim letzten Land und dem letzten Kreditgeber von Finko angekommen. Nämlich Sebo Credit SRL. Sebo Credit ist ein seit 2017 in Moldawien tätiger Kreditgeber, der mehr als 100.000 aktive Kunden besitzt und der, gemessen an den Vermögenswerten, der fünftgrößte Nichtbanken Kreditgeber in Moldawien ist.

Wenn man so möchte, der letzte noch halbwegs profitable und aktive Kreditgeber in Reihen des Finko Konzerns. Wie am 13. Juli 2020 allerdings auf dem Mintos Blog verkündet wurde, hat Finko den moldawischen Kreditgeber, mit 100% der Stammaktien, für 2,9 Mio. Euro an die Mogo Finance Group verkauft. Das Netto Kreditportfolio in Höhe von 15,9 Mio. Euro (30. Juni 2020) wird durch Mogo konsolidiert und übernommen.

“Mogo Finance group will use part of the recently accumulated free cash by paying EUR 2.9 million to acquire 100% of Sebo Credit SRL common shares, hence Sebo and its Net Loan portfolio in the amount of EUR 15.9 million (as at 30 June 2020) will be fully consolidated within the Mogo Finance group as well as become one of the guarantors and pledgors according to the Terms and Conditions of the EUR 100m senior secured Eurobonds (XS1831877755).” 

Im Klartext: Die Gesellschafter und Mehrheitseigentümer der Finko Gruppe, welche in gleicher Position auch die Eigentümer bei Mogo Finance sind, haben sich das letzte Filetstück von Finko auf ein anderes ihrer Unternehmen übertragen.

“More than 50% from equity investors in Mogo Group and Sebo overlap, however according to IAS 24 both companies before transaction did not qualify as related parties.”


Was bedeutet der Deal für die Situation bei Finko?

Mit dem Verkauf von Sebo Credit an Mogo Finance, erinnert Finko nur noch an eine Hülle ohne Inhalt.

Angeblich soll ein Teil des Verkaufserlöses an die Mintos Investoren weitertransferiert werden, um die Rückkaufgarantie für die von Varks vergebenen Kredite abzudecken. Wie viel das sein wird und was davon letztlich wirklich ankommen wird, bleibt offen. Fakt ist, dass Varks noch 13 Mio. Euro an offen stehenden Krediten bei Mintos besitzt, wovon 11 Mio. Euro noch in Verzug sind. 

Mit Ausnahme der extern abgewickelten Varks Kreditforderungen, besitzt Finko nun kaum noch Vermögenswerte oder einen Cashflow, um die offenen Forderungen durch Varks zu bedienen. Daher scheint nach den jüngsten Vorfällen in diesem Jahr, der Weg in die Insolvenz keineswegs mehr ein unrealistisches Szenario zu sein.


Welche Rückschlüsse lassen sich daraus für Mintos Investoren ziehen?

Hätte Mintos dieses Szenario verhindern können, um dadurch die berechtigten Interessen seiner Investoren zu schützen? Natürlich besitzt Mintos keinen Einfluss darauf, welche Finanzunternehmen untereinander Geschäfte abschließen.

Aber da sich die Gesellschafter und die Begünstigten von der Mintos Holding (Grumpy Investments), der Finko Gruppe und von Mogo Finance überschneiden, ist davon auszugehen, dass Mintos hierbei nicht nur mit beiden Augen weggesehen, sondern stattdessen den Weg mit geebnet hat, warum Investoren am Ende wohl Geld bei ihren Investments bei Finko Kreditgebern verlieren werden.

Eine aus meiner Sicht beschämende Situation, die verdeutlicht, dass Mintos in erster Linie nicht die Interessen seiner Investoren, sondern die seiner eigenen Gesellschafter vertritt.

Neben weiteren fragwürdigen Maßnahmen in diesem Jahr, wozu auch die Einführung der Zeitplanverlängerung gehört, wirft das ein alles andere als gutes Licht auf Mintos.

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Was der Zerfall von Finko über Mintos offenbart – Jetzt als Video ansehen

7 Kommentare

  1. Hallo Denny,
    ich danke Dir für Deine gute Recherche. Selbst bin ich Betroffener, Mein Autoinvest investiert bei Varks-Kurzzeit-Krediten mit guter Bewertung und Cashback-Aktion. Danach keine Zinszahlungen und keine Auszahlungen mehr. Wenn jetzt noch Finko (absichtlich) in die Insolvenz geht, hat der PG-Schutzmantel von Finko überhaupt keinen Wert mehr. Meines Erachtens hilft hier nur gemeinsam bei Mintos Druck aufzubauen um die Interessen der Investoren zu schützen. Gibt es dafür schon einen blog?

    1. Hi Otto,
      tut mir leid das zu hören. Ich schätze, dass sowas leider zu den Erfahrungen beim Investieren mit dazu gehört. Wie konkret stelltst Du dir das mit dem Blog und dem „Druck aufzubauen“ vor? Fakt ist doch, dass Mintos in einem unregulierten Umfeld machen kann, was es will. Und selbst wenn es bei Finko / Mogo / Mintos Überschneidungen bei den Gesellschaftern gibt, am Ende ist der Sebo Deal einfach nur eine Transaktion zwischen zwei Finanzunternehmen. Wie soll man da Mintos angehen? Die Pille muss man aus meiner Sicht einfach schlucken und für sich überlegen, ob man dort noch weiter investieren möchte oder nicht.
      VG, Denny

  2. Hi, habe Kredte in Höhe von fast 9200 Euro bei Finko. Kein Buyback und kein Verkauf auf dem Sekundärmarkt mehr möglich. Habe Mintos angeschrieben mit der Frage wann damit zu rechnen ist, das Geld zurückzubekommen. Bislang keine Antwort (habe aber auch erst vor 1h geschrieben). Wie siehst Du die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes? Wäre schon sehr schmerzhaft und das bei der größten Kreditplatform die Mintos nun mal ist. Habe schon bei Wirecard Geld verloren (hätte auch keiner gedacht dass ein DAX Konzern mal eben Pleite geht). Anscheinend kann man sogar den Marktführern nicht mehr vertrauen…

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