P2P Kredite Reise nach Bulgarien: Treffen mit Afranga, ITF Group und Credissimo

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Meine Investment-Entscheidungen basieren in erster Linie auf Zahlen und belastbaren Informationen, die dann zu einem risikoadjustierten Gesamtbild zusammengefügt werden.

Das Reisen zu einzelnen P2P Plattformen oder Kreditgebern hat mir dabei über die Jahre hinweg die Möglichkeit gegeben eine weitere und weniger quantifizierbare Facette hinzuzufügen. Persönliche Gespräche können im Online-Kontext zwar ebenfalls hilfreich sein, aber kaum ein Eindruck ist so nachhaltig prägend wie der Besuch vor Ort.

Nachdem ich seit 2018 fast ausschließlich in den baltischen Ländern unterwegs gewesen bin, folgte 2025 ein etwas exotischerer Ausflug zum indonesischen Kreditgeber Danarupiah in Jakarta.

Für 2026 habe ich mir unter anderem einen vor Ort Besuch in Bulgarien vorgenommen, nachdem mein P2P Portfolio zunehmend mit Kreditgebern aus dem Balkanstaat angewachsen ist. Zum Jahreswechsel besaß ich unter anderem fünfstellige Portfolios bei Stikcredit (via Afranga) und bei der ITF Group (via Income Marketplace).

Nachfolgend möchte ich einige Eindrücke und Ergebnisse meiner Treffen vor Ort für meine Community wiedergeben. Meine Absicht ist dabei nicht jedes einzelne Detail und jede neue Information zu kommunizieren, sondern nach Möglichkeit die Essenz der Treffen zusammenzufassen.

Disclaimer: Auch bei dieser Reise bin ich in keiner Form von den entsprechenden Unternehmen eingeladen worden. Alle Kosten für Transport und Unterkunft habe ich selbst getragen. Wenn ihr mich und den Blog unterstützen wollt, nutzt gerne einen meiner Affiliate-Links bei der Anmeldung auf einer neuen Plattform oder supportet mich via Buy Me A Coffee.


Montag: Erster Besuch der Afranga-Plattform in Bulgarien

Den Auftakt machte am Montag ein Besuch bei Afranga, wo ich die Möglichkeit besaß mit drei unterschiedlichen Mitarbeitern zu sprechen.

Der Geschäftssitz der P2P Plattform befindet sich im Süden von Sofia, nahe der Metro-Endstation Business Park. Ein Einzelfahrschein für die Metro kostet in der Stadt übrigens pauschal 0,80 Euro, was ich für einen gutes und faires Angebot halte.

Nach einem 10-minütigen Fußweg kommt man an einem Bürokomplex mit ca. 15 Etagen an, welcher links an ein größeres Hotel angeschlossen ist. Auf den außen angebrachten Schildern gibt es keine Hinweise auf Afranga oder die unterschiedlichen Kreditgeber. Auch an der Rezeption ist man zunächst irritiert als ich nach „Afranga“ frage. Die Situation löst sich ein paar Minuten später jedoch auf und ich darf in die 5. Etage fahren.

Nach einer kurzen Begrüßung finden die einzelnen Gespräche statt, die im Vorfeld mit 30 Minuten (+10 Minuten optionale Verlängerung) zugeteilt worden sind. Für mich persönlich sind solche „Speed-Datings“ zwar weniger zielführend, aufgrund der Unstimmigkeiten im Vorfeld (Personalwechsel und keine Verfügbarkeit von ausgesuchten Gesprächspartnern) versuche ich jedoch möglichst unvoreingenommen das Team hinter der Plattform besser kennenzulernen.

Eftim Eftimov | Head of Investor Services

Seit knapp einem Jahr arbeitet Eftim in der Investorenbetreuung bei Afranga. Einige Mitglieder der Telegram-Gruppe wird der Name daher sicherlich ein Begriff sein.

In unserem Austausch ging es um den Umfang seiner Arbeit, die häufigsten Fragen, Beschwerden und Missverständnisse seitens der Investoren und welche Fehler diese typischerweise auf der Plattform machen. Tatsächlich entstehen die meisten Probleme wohl auf technischer Seite. Sprich, Verifikation (via Lemonway) und Überweisung von Geldern.

Ivaylo Ivanov | Strategic Advisor

Ivaylo ist ein „alter Bekannter”, den ich bereits vor einigen Jahren beim AltFin Summit in Berlin getroffen und dort auch interviewt habe.

Die älteren Investoren sollten ihn noch als Gründer und CEO der iuvo-Plattform kennen. Nach dem Exit und dem Verkauf seiner Anteile an der bulgarischen P2P Plattform (Mai 2022), hat er im Sommer 2025 als “Strategic Advisor” (strategischer Berater) bei Afranga angeheuert. Konkret bedeutet das, dass er dabei hilft die Prozesse im Hintergrund aufzubauen. Sei es bei der Akquise neuer Kreditgeber oder aber bei der Gewinnung neuer Investoren.

Den Unterschied zwischen Afranga und der iuvo Group sieht er interessanterweise in der Lizensierung (nachvollziehbar) und in der technischen Infrastruktur, die es erlaube schneller neue Features zu integrieren. In diesem Zusammenhang bestätigte er nochmal, dass sowohl der Auto Invest als auch der Sekundärmarkt in den kommenden zwei Quartalen eingeführt werden sollen.

Noch spannender war aus meiner Sicht, dass man wohl ebenfalls an einem festverzinslichen Produkt wie Bondora Go & Grow oder Monefit SmartSaver arbeite. Damit reiht sich Afranga nahtlos in eine Liste von Plattformen ein, die sich dieses Jahr ebenfalls in diese Richtung entwickeln.

Meine abschließende Frage, ob er zukünftig der CEO der Afranga Plattform werde, hat er mit einem Lächeln quittiert.

Yonko Chuklev | Chief Compliance Officer

Yonko ist schon seit Januar 2021 bei Afranga mit dabei und somit ein Mitarbeiter der ersten Stunde. Entgegen seinem Arbeitsbereich ist er keineswegs ein trockener und von Theorie beladener Typ. Sein Charakter erinnerte eher an eine Balkanversion von The Wolf of Wall Street – was jedoch nicht negativ gemeint sein soll.

Der Weg in das P2P Marktumfeld sei von ihm bewusst gewählt worden, da er an etwas ähnlichem wie der iuvo Group mitarbeiten wollte („a big thing“). Mit großer Energie sprach er dann von den regulatorischen Rahmenbedingungen, in denen sich Afranga als ein ECSP-lizensiertes Unternehmen befinde, und wie schwierig es sei die unterschiedliche Anforderungen zu erfüllen.

Aktuell gebe es einen quartalsweisen Austausch mit der bulgarischen Finanzaufsicht. Dabei ging es zuletzt um die Performance der Plattform, die Einhaltung unterschiedlicher Richtlinien, den Währungswechsel oder das Thema der künstlichen Intelligenz.

Insbesondere aufgrund der starken Performance von Afranga (0% Ausfallquote) sollen die Gespräche mit dem Regulator bislang sehr entspannt und weniger von Erklärungsnot geprägt sein. Seiner Meinung nach trage auch das relativ leicht zu verstehende Geschäftsmodell der Plattform dazu bei, welches auf direkten Kreditvereinbarungen beruht. Abseits zukünftiger Nachhaltigkeits-Direktive sehe er in den kommenden zwei bis drei Jahren keine regulatorischen Risiken auf Afranga zukommen.


Mittwoch: Treffen mit Credissimo Verwaltungsrat-Mitglied George Roukov

In der Osteria Luce, die erst einen Monat zuvor eröffnet hatte, habe ich mich am Mittwoch zum Mittagessen mit George Roukov verabredet. Dort konnte ich mich zweieinhalb Stunden lang mit dem Verwaltungsrat-Mitglied von Credissimo austauschen.

Die etwas erfahrenen Investoren werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass Credissimo bereits für einige Jahre (2017 bis 2022) mit einem relativ kleinen Portfolio (max. 2 Mio. Euro) auf Mintos vertreten gewesen ist. P2P Kredite haben allerdings immer nur einen kleinen Teil der Credissimo-Finanzierungsstrategie ausgemacht (aktuell 60+ Mio. Euro Portfolio). Im Vordergrund standen die Markenbekanntheit und die Möglichkeit kurzfristiger Liquidität.

Auch George, der diesen Monat sein zehnjähriges Firmenjubiläum feiert, war in dieser Zeit schon mit dabei und aktiv involviert. Als angestellter Direktor für die internationale Expansion hat er unter anderem den Markteintritt in Kolumbien, Nordmazedonien und in Polen mitbegleitet.

Sein Know-How und sein Netzwerk bezüglich diverser Kreditgeber – sowohl in Europa als auch weltweit – ist dabei durchaus beeindruckend gewesen. Von daher schien es auch glaubwürdig für mich, welche P2P Plattformen in der Vergangenheit bereits bei ihm angeklopft und nach Unterstützung bei der internationalen Expansion angefragt haben sollen.


Donnerstag: Austausch mit Afranga-Gründer und CEO Svetlin Sabev

Am Donnerstag ging es zurück zu Afranga. Nachdem ich mehrmals persönlich bei ihm nachgesetzt hatte, ergab sich ein Zeitfenster von einer Stunde, wo ich dem Afranga-Gründer und CEO ein paar Fragen stellen konnte. Hier sind zusammengefasst drei kurze Einblicke aus dem Gespräch:

Objektivität bei Kreditgeber-Bewertung

Ein Großteil des Gesprächs drehte sich um die Kriterien, nach denen Afranga seine Kreditgeber prüft und auswählt. Eine in diesem Zusammenhang naheliegende und wichtige Frage ist, wie man dabei mögliche Interessenskonflikte vermeidet (Svetlin ist unter anderem Vorstandsmitglied bei Stikcredit sowie Mitgründer bei Tiberus und Lendivo).

Nach seiner Aussage gebe es keine Sonderbehandlung, da alle Kreditgeber nach dem gleichen Muster geprüft werden und denselben Prozess durchlaufen. Die Objektivität soll dabei durch ein internes und bereits im Vorfeld entwickeltes Bewertungs- und Kontrollsystem sichergestellt werden, welches von einer externen Person geprüft werde. Diese Person soll wohl über einen beruflichen Hintergrund bei einer der größten Kredit-Ratingagenturen verfügen und auch an der Entwicklung des Kreditgeber-Systems bei Afranga mitgearbeitet haben.

Basierend auf dem internen Kreditrating sollen Stikcredit als auch Credirect die beste Bewertung erhalten haben.

Portfolio-Qualität mit Cashflow Statement

In meinem Kreditgeber-Vergleich werden die Unternehmen im Hinblick auf deren finanzielle Stabilität überprüft. Auch die Portfolio-Qualität spielt dabei mit einer 20%-Gewichtung eine wichtige Rolle. Hier werden die erwarteten Kreditverluste (ECL) ins Verhältnis zum ausstehenden Kreditportfolio gesetzt.

Ein Ansatz, der das Thema Portfolio-Qualität noch besser sichtbar machen könnte, wäre ein Blick auf das Cashflow Statement. Während ECL eine Annahme ist, die auf Wahrscheinlichkeiten ausgelegt ist (Modellparameter), zeigt das Cashflow Statement die Realität und wie viel Geld aus dem Kreditbuch tatsächlich zurückfließt. Einfaches Beispiel: Wenn das Kreditportfolio stark wächst, der operative Cashflow aus Rückzahlungen aber schwach ist, dann wächst das Portfolio zwar bilanziell, performt aber cash-seitig schlecht.

Natürlich gibt es auch hierzu wieder unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen, zum Beispiel bei den Kreditarten. Kurzfristige Konsumkredite lassen sich nicht 1:1 mit kapitalintensiveren Kredittypen wie Immobiliendarlehen vergleichen. Insofern muss eine Integration auf dem Blog noch geprüft werden. Dennoch ein guter und berechtigter Input vom Afranga CEO.

Neue Kreditgeber und neue Produkte

Afranga will weiter wachsen und setzt die Hebel dabei in zwei Richtungen an.

Erstens: Es sollen weitere europäische Kreditgeber auf den Marktplatz hinzukommen. Und ja, auch außerhalb von Bulgarien und ohne Bezug zu den aktuellen Gesellschaftern. Aktuell befinde man sich in guten Gesprächen mit einem der größeren Kreditgeber auf Mintos, der dem Vernehmen nach wohl auch größer als Stikcredit sein soll.

Zweitens: Wie schon von Ivaylo angedeutet, entwickelt Afranga produktseitig eine festverzinsliche Lösung, die sich mit bereits etablierten Produkten wie Go & Grow und SmartSaver vergleichen lasse. Einfachheit und Liquidität sind demnach das Gebot der Stunde. Auch weitere Plattformen (die ich noch nicht kommunizieren kann) arbeiten bereits mit Hochdruck an ähnlichen „One-Click“-Lösungen. Ein Zeitrahmen und genaue Details zum Produkt sind allerdings nicht kommuniziert worden.

Deutlich konkreter ist er hingegen bei den Zielen der Plattform gewesen. Laut seiner Aussage sei es ein realistisches Ziel in den kommenden 5 Jahren ein Portfolio von 100+ Mio. Euro zu verwalten (aktuell sind es ca. 20 Mio. Euro).


Freitag: Treffen mit Juliana Muteva, Finanzchefin der ITF Group

Was bedeutet es Finanzdirektorin eines börsennotierten Unternehmens zu sein?

Diese Frage ging mir am letzten Tag meiner Bulgarien-Reise durch den Kopf, während ich mich auf dem Weg zur ITF Group gemacht hatte. Dort empfing mich Finanzdirektorin Juliana Muteva im achten Stockwerk vom SAP Center Sofia.

Etwas überraschend wohnte dem Treffen noch eine weitere Person bei. Nämlich Alexander Grozdanov, ein externer Dienstleister und Kommunikationsberater. Weil die ITF Group JSC seit 2022 ein an der Börse gelistetes Unternehmen ist, gibt es strenge Auflagen, wenn es um die externe Kommunikation mit Bloggern, Journalisten oder Influencern geht. Stichwort „Insider-Informationen“. Irgendwie logisch und nachvollziehbar, wenngleich ich das Thema im Vorfeld nicht wirklich auf dem Schirm hatte.

Die Konsequenz: Viele Aussagen sind eher allgemein gehalten worden und manche Antworten konnten nur mit großer Vorsicht oder aber nach Rücksprache gegeben werden.

Im Rahmen einer Präsentation habe ich zu Beginn ein paar Einblicke in die Historie und die Gesamtentwicklung des Unternehmens bekommen. Im Anschluss entwickelte sich ein Gespräch über die verschiedenen Finanzierungsquellen des Unternehmens, welchen Stellenwert P2P-Finanzierungen für das zukünftige Wachstum des Kreditgeschäfts besitzen werden, und welche Ziele das Unternehmen im Zusammenhang mit der kürzlichen Übernahme der bulgarischen P2P Plattform Klear Lending verfolgt.

Hierbei handelt es sich um eine bulgarische P2P Plattform, die sich auf die Finanzierung von KMUs spezialisiert ist. Während diese Sparte weiter bedient werden und auch das Branding unangetastet bleiben soll, plane man in Zukunft auch die Konsumkredite der Gruppe hierüber anzubieten.

Bedeutet das somit auch das Aus für ITF-Kredite auf Income Marketplace? Nein! Zumindest besitze man aktuell keine Absichten in diese Richtung, was aus meiner Sicht auch glaubwürdig erscheint.

Zum einen, weil das Volumen von 6,6 Mio. Euro (ausstehendes Portfolio auf Income Marketplace) nicht unerheblich ist (zu viel Volumen für Klear Lending allein), zum anderen, weil auch die anderen Finanzierungsquellen nicht unbedingt günstiger sind. Für Bankenkredite zahle man derzeit ca. 11% (ähnlich wie auf Income Marketplace), bei den Anleihen sollen es sogar um die 13% sein.


Fazit zur Bulgarien-Reise 2026

Jede Begegnung und jedes Gespräch hinterlässt einen Eindruck, der in meine persönliche Bewertung und in meine Berichterstattung mit einfließt. Von daher waren es ein paar wertvolle Einblicke und Eindrücke, die ich aus Sofia wieder mitnehmen werde. Zudem bin ich dankbar für die Möglichkeit, dass ich mich vor Ort mit einzelnen Teilnehmern aus dem Marktumfeld austauschen konnte.

Dennoch bleibt für mich am Ende ein unbefriedigendes Gefühl zurück, da die Reise nicht meinen vorherigen Erwartungen entsprochen hat. Woran liegt das?

Im Vorfeld habe ich meistens eine ziemlich klare Idee davon wen ich treffen und über welche Themen ich mit diesen Personen sprechen möchte. Am Ende muss ich festhalten, dass der mir zur Verfügung gestellte Zeitrahmen einfach nicht ausreichend gewesen ist und dass es teilweise auch nicht zu den von mir gewünschten Treffen kam.

Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur. Sei es die Kommunikation, die durch wechselnde Ansprechpartner in den letzten Wochen erschwert gewesen ist oder aber die „Willkommens-Kultur“ selbst, die ich im Baltikum oder in Indonesien als deutlich offener und freundlicher wahrgenommen habe.

Sollte es in Zukunft nochmal zu Besuchen von Plattformen oder Kreditgebern kommen, werde ich meine Ansprüche und meine Erwartungshaltung deutlicher kommunizieren müssen, um solche Szenarien in Zukunft zu vermeiden.


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

 

Hi, ich bin Denny! Auf diesem Blog, den ich im Januar 2019 gestartet habe, helfe ich Investoren dabei kluge und gut informierte Investitionsentscheidungen im Bereich der Geldanlage P2P Kredite zu treffen. Dafür beschäftige ich mich ausführlich mit den tagesaktuellen Geschäftsentwicklungen und dem übergeordneten Rendite- und Risikoprofil der einzelnen P2P Plattformen.

Mein Bestseller „Geldanlage P2P Kredite“ gilt in Fachkreisen als das beste deutschsprachige Finanzbuch zum gleichnamigen Thema.

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