Mintos Exit 2021: Warum ich Mintos (vorläufig) verlassen werde!

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2020 ist für den P2P Sektor in vielerlei Hinsicht ein augenöffnendes Jahr gewesen.

Investoren mussten erkennen, dass die Risiken von P2P Investments real sind und das es bei einem unkontrollierten Diversifikationswahn, vor dem ich schon 2019 gewarnt habe, zu Totalausfällen kommen kann. Gleichzeitig war es auch eine gute Möglichkeit, um sich selbst, seine eigene Risikotoleranz und die Gewichtung von P2P Krediten im Gesamtportfolio zu hinterfragen.

Auch im Publishing Bereich (Blogger und YouTuber) konnte man schön mitverfolgen, wo die Gier nach Provisionen einigen scheinbar komplett den Verstand vernebelt hat. Die einen haben von oben herab die Gefahrenlage verherrlicht (rationale Grüße!), andere haben sich komplett verabschiedet und sind von der Bildfläche verschwunden. Ich hoffe, dass man sich genau gemerkt hat wer sich zu dieser Zeit verkrümelt hat als es kritisch geworden ist und wer jetzt auch teilweise wieder aufgetaucht ist.

Am Ende bleiben die P2P Plattformen selbst. Auch hier sind einige Masken gefallen und man konnte genau erkennen wo und bei wem die Schuhe ganz besonders gedrückt haben.

Auch beim selbsternannten „Marktführer“ Mintos hat sich einiges getan, worüber ich auf diesem Blog mehrmals und auch ausführlich berichtet habe. Im Zuge meines P2P Kredite Jahresrückblicks 2020 (kommt nächste Woche online!), habe ich alles nochmal Revue passieren lassen und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich mindestens im Jahr 2021 – wahrscheinlich aber auch darüber hinaus – mein Investment bei Mintos nicht mehr aufnehmen werde. Welche Gründe mich dazu bewogen haben, darum geht es im heutigen Beitrag!

Bitte beachte, dass es sich hierbei um keine Anlageberatung handelt. Auf diesem Blog schreibe ich lediglich über meine persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen, weshalb ich keine Garantie für die Richtigkeit der Informationen oder für zukünftige Entwicklungen einer P2P Plattform übernehmen kann. Mehr dazu im Haftungsausschluss.

Das Mintos Geschäftsmodell: Stärke und Schwäche zugleich

Mintos hat sich innerhalb weniger Jahre als Marktführer für die Vermittlung von Privatkrediten in Europa etabliert. Der Hauptgrund ist dafür beim extrem stark skalierbaren Geschäftsmodell zu suchen.

Da Mintos selbst keine Kredite vergibt, sondern ein Marktplatz für internationale Nicht-Banken Kreditgeber ist, kann das Kreditvolumen durch jeden weiteren Kreditgeber in vermeintlich unendliche Höhen getrieben werden. Vom Start im Jahr 2015 bis Ende 2020, sind es insgesamt 5,9 Mrd. Euro an vermittelten Krediten gewesen. Dass diese Form des Geschäftsmodells aber in vielen Ländern außerhalb Lettlands verboten ist, sei an dieser Stelle nur eine Randnotiz.

Fakt ist: Zieht man allein das Kreditvolumen als Maßstab für die Marktführerschaft heran, besitzt Mintos in Europa aktuell einen Markanteil von zwischen 40 und 45 Prozent.

Doch die durchaus als außergewöhnlich zu bezeichnenden Umstände im Jahr 2020, hat die Schwachpunkte und Problemstellen von Mintos schonungslos offen gelegt. Dass ich mich jetzt dazu entschieden habe vorläufig nicht mehr bei Mintos zu investieren (Investment seit März 2020 bereits pausiert), ist nicht nur auf einen, sondern auf mehrere Gründe zurückzuführen.


1. Schlechte und ungenügende Due Diligence der Kreditgeber

Es gibt gute Kreditgeber und es gibt schlechte Kreditgeber. Diese zu unterscheiden ist – auf Kreditgeber-Ebene – der wichtigste Job von Mintos. Wie hat Mintos hier im letzten Jahr abgeschnitten?

2020 sind 14 Kreditgeber auf Mintos ausgefallen oder wurden vom Marktplatz suspendiert. Dadurch befinden sich zum Ende des Jahres 2020 ca. 95 Mio. Euro an Krediten im Rückgewinnungsprozess, was 24 Prozent des aktuell ausstehenden Kreditportfolios entspricht.


Ist die Corona Pandemie eine Entschuldigung für Mintos?

Aber trifft Mintos dabei überhaupt eine Schuld? Sind die Ausfälle nicht vielmehr der Corona-Pandemie und damit einer höheren Gewalt geschuldet?

Persönlich würde ich diese Argumente nur sehr geringfügig gelten lassen.

Meiner Ansicht nach sollte Mintos deutlich stärker in der Lage sein die Risiken zu steuern und zu kontrollieren. Zum Beispiel durch folgende Einblicke / Maßnahmen:

  • Wie gut ist der Kreditgeber finanziell aufgestellt?
  • Wie ist Marktumfeld des Kreditgebers einzuschätzen (Wettbewerb / Regulierungen)
  • Wie entwickelt sich beim Kreditgeber die Performance des Kreditportfolios?
  • Auf welche Sicherheiten kann man ggf. zurückgreifen? (Pledged Assets)

Auch Special Purpose Vehicles (SPVs) sind im Finanzbereich und im Kreditsektor keine Neuheit. Warum setzt Mintos Instrumente wie diese nicht ein, um noch mehr Kontrolle auszuüben und die Risken für Investoren zu minimieren?

Von meiner Logik her hat Mintos entweder:

a) nicht genügend Ressourcen, um das Thema effektiv und flächendeckend nachzuverfolgen, oder

b) das falsche System, beziehungsweise die falschen Personen dafür eingestellt. 


Inaktivität und inkonsequentes Handeln riskiert Anlegerkapital

Aber auch die Inaktivität und Inkonsequenz von Mintos, wenn die Probleme offensichtlich und für das Unternehmen bekannt sein sollten, stellen aus meiner Sicht ein Problem dar. Ein gutes Beispiel ist dafür der armenische Kreditgeber Varks.

Noch bevor es zum Lizenzentzug im März 2020 kam, hatte Mintos bereitwillig Cashback Kampagnen und Forward Flows mit armenischen Krediten von Varks beworben, wohlwissend um die Abhängigkeiten von Varks Finanzierungen durch Mintos Investoren (2018: +95 Prozent) und die gebrochenen Schuldenklauseln (debt covenent) mit Mintos. Mintos hatte hierbei ab Ende 2018 eine Eigenkapitalquote von +20 Prozent und ein Cash-Buffer Verhältnis von +5 Prozent eingefordert.

Und obwohl die Werte deutlich darunter gelegen haben (Eigenkapitalquote: 13,76 Prozent; Cash-Buffer Ratio: 1,33 Prozent), hat Mintos am 23. April 2019 eine Verzichtserklärung unterschrieben, sodass der Wirtschaftsprüfer sein Siegel unter den Geschäftsbericht setzen konnte.

Wenn Mintos – wohlwissend um die finanzielle Performance von Varks – dennoch über die Nichteinhaltung hinwegsieht, später dann aber den schwarzen Peter 

  • der Zentralbank Armeniens,
  • dem Bürgerkrieg in Armenien 
  • oder der Corona Pandemie

zuschieben will, empfinde ich das als zu plump und zu wenig selbstkritisch.


2. Wackelige Performance – Wie hoch ist die Rendite bei Mintos tatsächlich?

Laut Mintos ist die Rückgewinnung ausstehender Kredite eine der Top 3 Prioritäten für 2021. Das lässt natürlich für Investoren auf bessere Zeiten hoffen, sofern Mintos im Rahmen der Möglichkeiten auch Taten folgen lässt.

mintos-exit-2021-schlechte-renditeDoch was bereits jetzt absehbar scheint, ist, dass früher oder später ein Teil der sich in Verzug befindenden Kredite (aktuell ca. 95 Mio. Euro) als uneinbringliche Forderungen abgeschrieben werden müssen.

Ob das 30, 50 oder sogar 70 Prozent sein werden, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Insofern sollte man bereits jetzt auf sein Kreditportfolio schauen und mal durchrechnen wie hoch die tatsächlich erzielte Rendite bei Mintos sein wird.

Wer stärker bei einzelnen schlecht performenden Kreditgebern aktiv gewesen ist oder erst seit kürzerer Zeit bei Mintos dabei ist, den wird die Realität bei der Rendite sicherlich umso härter treffen.

Meine persönliche Gesamtrendite liegt nach fast dreieinhalb Jahren bei 11,90 Prozent.

2020 sind es immerhin noch 10,34 Prozent gewesen, allerdings ohne die Berücksichtigung jeglicher Ausfälle.

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Sollten sich alle meine aktuellen Ausfälle in Höhe von +1.300 Euro realisieren, würde sich meine Gesamtperformance auf ca. 6,5 Prozent reduzieren.

Das bedeutet im Worts Case zwar immer noch besser als Sparbuch, erfüllt allerdings nur bedingt den persönlichen Anspruch meiner Erwartungen an ein P2P Investment.


3. Interessenskonflikte auf Gesellschafter-Ebene zwischen Mintos und Kreditgebern

Wer macht im Hintergrund mit wem Geschäfte und welche Rolle spielen Gesellschafterüberschneidungen im Kreditgeschäft?

Dass es zwischen Mintos und seinen Kreditgebern Überlappungen gibt, ist schon länger bekannt gewesen. Doch wie sich 2020 so manche Kreditgeber von der Bildfläche verabschiedet haben, wirft ein äußerst ungünstiges und dunkles Licht auf Mintos.

Varks kann hierfür erneut als ein gutes Beispiel herhalten, da sich die Eigentümer beider Unternehmen stark überschneiden. Ist die Inaktivität und die Inkonsequenz von Mintos vielleicht genau auf diesen Umstand zurückzuführen gewesen?

Wir können aber auch über die Finko Gruppe sprechen, den Mutterkonzern von Varks. Dieser war im Frühjahr noch, mit einem ausstehenden Kreditportfolio von +100 Mio. Euro, der größte Kreditgeber auf Mintos.

Ein Jahr später bleibt von dem Konzern nicht vielmehr als eine leere Hülle übrig, nachdem dieser systematisch aufgelöst und teilweise abverkauft wurde – und natürlich an ein Unternehmen, deren Gesellschafter in beiden Unternehmen vertreten sind.

Von der auf Mintos stark beworbenen Rückkaufgarantie, die Mintos mittlerweile marketinggerecht in eine Rückkaufverpflichtung umbenannt hat, ist schon nach dem ersten Sturm nichts mehr zu sehen gewesen.

Auch hierbei hat Mintos seinen vermeintlichen Teil dazu beigetragen, dass man – anstatt Versprechen einzuhalten – die Investoren lieber an der langen Leine hält und irgendwie auf selbstständige Rückzahlungen der Kreditnehmer hofft.

Dass die Gesellschafter mit ihrem Eigenkapital am Ende aber die Leittragenden des Zerfalls sein sollen, so wie von Mintos CEO Martins Sulte im Interview behauptet, würde ich so nicht stehen lassen.

Unter anderem habe ich bei der Varks Affäre nachgewiesen, dass das Kapital der Investoren teilweise abgeschöpft und an andere Gesellschaften (Related Parties) übertragen wurde. Wer dem Prinzip „follow-the-money“ folgt, der sollte nicht zu lange Mitleid mit den Gesellschaftern dieser Unternehmen haben.

Und die Sichtweise des Mintos CEOs, der im Interview zum Jahresabschluss behauptet hat, dass Gesellschafterüberlagerungen tatsächlich positiv und vorteilhaft im Hinblick auf die Rückgewinnung der offenen Forderungen sind – was einer sehr speziellen Logik folgt – lässt mich noch heute innerlich mit dem Kopf schütteln.


4. Grenzwertiges Verhalten und fragwürdige Entscheidungen

Der Grund warum Mintos im Oktober 2019 angefangen hat eine Zeitplanverlängerung einzuführen, ist aus meiner Sicht nachvollziehbar gewesen. Was Mintos daraus allerdings im Verlauf des März 2020 gemacht hat, hingegen nicht mehr.

Konnten Investoren sich zu Beginn noch selbst via Auto Invest für oder gegen die 3 x 30 Tage Zeitplanverlängerung entscheiden und waren davon nur neu hinzukommende Kredite betroffen, weitete Mintos das Konzept kurzerhand in sechs Intervalle aus und nahm zusätzlich noch ältere UND verspätete Kredite mit hinzu.

Um das Wohl und die Liquidität strauchelnder Kreditgeber zu sichern, legte Mintos die Nutzungsvereinbarungen für sich aus – schließlich agierte man damit ja im Interesse seiner Investoren.

Spätestens im März 2020 wurde also schon deutlich auf welch wackligen Beinen viele Kreditgeber gestanden haben mussten. Dass die Investoren effektiv keine Wahl hatten außer diesen Umstand zu akzeptieren, zeigt wie wichtig es für Mintos wäre bei solchen Vorgehen von einer Aufsichtsbehörde kontrolliert zu werden.

Dass dieses Vorgehen in einem regulierten Umfeld möglich gewesen wäre, darf stark bezweifelt werden. Daher verspricht in dieser Hinsicht zumindest die für 2021 anstehende Regulierung als Investment Brokerage Firm eine gewisse Verbesserung.

Auf der anderen Seite sind auch die im August 2020 neu eingeführten AGB und Nutzungsbedingungen ein Schlag in die Magengrube der Investoren. Unter anderem behält Mintos sich jetzt das Recht vor, dass in Rechtsstreitigkeiten sich auch die jeweilig betroffenen Investoren partiell beteiligen müssen. Mintos kassiert also vorneherum Gebühren für eine schlechte Due Diligence und hintenraus müssen die Investoren auch noch dafür haften. Geht’s noch?


5. Wohin mit dem Geld? Qualitativ gute Kreditgeber fehlen!

Wer nach den von mir genannten Punkten immer noch nicht die Flinte ins Korn geworfen hat, der wird sich sicherlich mit der Frage beschäftigen bei welchen Kreditgebern man am besten investieren sollte. Genau hier zeigt sich gleich das nächste Problem.

Entweder man betreibt maximale Diversifikation auf Kreditgeber-Ebene – was insbesondere Mintos freuen würde – oder man versucht gezielt vorzugehen und sich die besten Rosinen herauszupicken. Aber wie findet man diese Kreditgeber und rechnet sich auch der Zeitaufwand mit dem Ertrag?

Fakt ist, dass sich die besseren Mintos Kreditgeber, die keine Gesellschafterüberschneidungen mit Mintos besitzen, sich zunehmend eigene P2P Plattformen (Kviku Finance, Creditstar mit Lendermarket) oder Strukturen aufbauen (Placet Group mit Moncera). Was bleibt ist eine Kreditgeberauswahl mit überschaubarer Qualität.

Selbst wenn man also bereit wäre wieder bei Mintos zu investieren, sehe ich aktuell keinen vernünftigen Weg das auch zu tun.


Mintos Exit 2021 – Mein Fazit

Mintos ist immer noch der größte Kreditmarktplatz für Privatpersonen in Europa, keine Frage. Aber muss man deshalb auch beim Marktführer investieren? Nein!

Am Kreditvolumen und an dem Zulauf neuer Investoren merkt man, dass das Wachstum von Mintos stagniert ist und dass man durch diverse Ereignisse im Jahr 2020 massiv an Vertrauen bei den Investoren verloren hat.

Mintos ist dabei nicht als ein übergeordnetes Phänomen und für einen allgemeinen Rückgang an Vertrauen zu sehen. Beispiele wie EstateGuru, TWINO und PeerBerry, die deutlich stärker aus der Krise hervorgekommen sind, haben bewiesen, dass es momentan bessere und vertrauensvollere Alternativen im Vergleich zu Mintos gibt.

Ohne kategorisch auszuschließen, dass ich in Zukunft vielleicht doch wieder anfangen werde bei Mintos zu investieren, ist die Tür für mich persönlich jedoch bis mindestens Ende 2021 geschlossen.


Meine Video Stellungnahme zum Mintos Exit 


Mintos Exit 2021 – FAQ zum Artikel

✅ Was ist Mintos?

Mintos ist ein lettischer P2P Marktplatz, am Markt aktiv seit Januar 2016, auf dem Investoren in eine Vielzahl von Darlehen weltweiter Kreditgeber investieren und dabei eine Rendite von ca. 12 Prozent erzielen können. Bedingt durch sein stark skalierbares Geschäftsmodell ist Mintos, gemessen am vermittelten Kreditvolumen, die aktuell größte P2P Plattform in Europa.

✅ Warum mein Mintos Exit in 2021?

Es gibt nicht den einen Grund. Vielmehr ist es eine Ansammlung von Ereignissen aus dem Jahr 2020, die mich zu diesem Schritt bewogen haben. Zu den Gründen zählen u.a. die schlechte und ungenügende Due Diligence der Kreditgeber, die zu hinterfragende Rendite (bedingt durch noch nicht realisierte Ausfälle), die Interessenskonflikte zwischen Mintos und seinen Kreditgebern oder die fragwürdigen Entscheidungen im letzten Jahr (Zeitplanverlängerung, Anpassung AGB).

Weitere Ausführungen zu meinem Mintos Exit 2021 gibt es in diesem Artikel.

✅ Wird es in Zukunft ein Comeback bei Mintos geben?

Ich will es aktuell nicht ausschließen. Bis Ende 2021 werde ich aber auf jeden Fall keine Investments bei Mintos tätigen.

✅ Welche Alternativen gibt es zu Mintos?

In meinem P2P Portfolio kannst Du einsehen, auf welchen P2P Plattformen ich überall investiere. Zu den stärksten Alternativen gehören für mich aktuell EstateGuru, TWINO, VIAINVEST und PeerBerry,


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

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