In der zweiten Folge von P2P Unscripted habe ich zusammen mit Jakub von P2P Empire über fünf aktuelle Themen gesprochen, die Investoren im P2P Kredite Marktumfeld beschäftigen: Das makroökonomische Umfeld, der Fall Nera Capital auf Mintos, die Situation rund um Debitum und LFDF, den Mehrwert von Plattformbesuchen sowie Empfehlungen von P2P-Investitionen im Freundes- und Familienkreis.
Hier geht’s zum kompletten Gespräch auf YouTube:
Lust auf eine kurze Zusammenfassung? Hier sind die wichtigsten Aussagen aus dem Video.
Das makroökonomische Umfeld: Grund zur Panik?
Die aktuelle Energiekrise und die hohe Inflation bereiten vielen P2P-Investoren Sorgen. Wir sehen die Lage jedoch etwas gelassener. Wir haben die Covid-Pandemie, den Ukraine-Krieg und andere Verwerfungen miterlebt und bauen auf die Erfahrungen aus dieser Zeit. Auch die P2P Plattformen selbst berichten, dass die früheren Krisen, insbesondere die Pandemie, weitaus größere operative Auswirkungen hatten als das derzeitige Marktumfeld.
Laut Jakub gibt es klare Risikogruppen: Kreditnehmer in Schwellenländern und Kreditnehmer aus dem Niedriglohnsektor wären am stärksten von den steigenden Kosten betroffen. Wer sein Risiko senken möchte, der sollte Investitionen daher bei neu gestarteten Kreditgebern aus den Emerging Markets, die über einen nur begrenzten Erfahrungsschatz verfügen, reduzieren oder ganz meiden.
Persönlich sehe ich die eigentliche Gefahr weniger im konjunkturellen Abschwung als in einem möglichen Liquiditäts-Schock: Wenn Investoren in Massen Kapital abziehen, geraten Kreditgeber unter Refinanzierungsdruck und schwächelnde Geschäftsmodelle werden sichtbar. Deshalb gilt es auf Geschäftsmodelle mit nachhaltiger Profitabilität zu setzen und transparente Loan-Book-Performance. An diesen Maßstäben sollten Kreditgeber gemessen und bewertet werden.
Geopolitisches Risiko: Angriff auf die Baltischen Staaten?
Eine Frage aus der Community: Wie gut sind baltische Plattformen auf einen möglichen Konflikt mit Russland vorbereitet? Die ehrliche Antwort: Nicht sehr.
Erfahrungen aus der Ukraine haben gezeigt, dass Geldtransfers und der Betrieb unter Kriegsrecht erheblich eingeschränkt werden können. Besonders hoch ist das Risiko bei Plattformen, deren finanzierte Assets – etwa Immobilien oder Konsumentenkreditportfolios – in der Baltischen Region verortet sind. Dort könnten Rückforderungen durch nicht funktionierende Gerichte extrem langwierig und unsicher werden.
Auch meine persönlichen Investitionen bei PeerBerry, TWINO und Debitum wurden damals durch den Ukraine-Krieg blockiert. PeerBerry zahlte das Kapital innerhalb von drei Jahren zurück, Twino konnte die Situation schrittweise auflösen und Debitum (Motor Finance) bleibt noch immer ungelöst.
Der Fall Nera Capital auf Mintos: Droht ein Millionen-Verlust?
Nera Capital ist ein Kreditgeber auf Mintos, der Anwaltskanzleien in sogenannten “No Win, No Fee”-Fällen finanziert. Der britische Regulator prüft aktuell die Solvenz mehrerer dieser Kanzleien, woraufhin deren Zinszahlungen an Nera Capital – und damit auch an Mintos-Investoren – ausgeblieben sind. Nun droht auch die Rückzahlung der Hauptforderung ins Stocken zu geraten.
Das ausstehende Portfolio auf Mintos beläuft sich auf ca. 61 Mio. Euro, potenziell der größte Kreditgeberausfall in der Geschichte der Plattform. Der Mintos-Risk-Score für Nera Capital lag zuletzt bei etwa 7,1 bis 7,6, also eher im sicheren Bereich. Das wirft die Frage auf, wie aussagekräftig solche Scores tatsächlich sind.
Das Hauptproblem: Litigation Finance ist ein komplexes Geschäftsmodell, das kaum zu durchleuchten ist. Viele Investoren wurden wohl vor allem durch Cashback-Aktionen auf diesen Kreditgeber aufmerksam gemacht, ohne das zugrunde liegende Risiko vollständig zu verstehen.
Ungeachtet dessen sollten Investoren auch Eigenverantwortung übernehmen und Mintos nicht als alleinige Due-Diligence-Instanz betrachten. Die Plattform ist seit Jahren unprofitabel, besitzt keine Ressourcen für tiefgreifendes Risikomanagement in allen Märkten und selbst im Basisprospekt wird offen auf die unterschiedlichen Risiken hingewiesen.
Debitum und LFDF: Offene Fragen bleiben
Fünf Monate nach der ersten Folge hat sich meine Einschätzung zu Debitum / LFDF gewandelt. Ich sehe mittlerweile ein erhöhtes Risikoprofil und habe meine Investitionen daher vorübergehend pausiert. Der Kern des Problems: Öffentliche Vorwürfe zu überhöhten Kaufpreisen, fehlende Kaufverträge und eine Reaktion des Unternehmens, die mehr auf Cashback-Aktionen und Vor-Ort-Besuche setzt als auf konsequente Transparenz.
Mein Appell: Investoren sollten kritische und öffentlich zugängliche Informationen nicht als “alte Nachrichten” abtun, sondern Plattformen weiter zu mehr Transparenz drängen. Regulatoren, sei es in Lettland oder anderswo, werden das nicht übernehmen.
Plattformbesuche: Nützlich, aber kein Ersatz für harte Fakten
Vor-Ort Besuche bei P2P Plattformen können ein nützlicher Teil der Due Diligence sein. Sie vermitteln ein Bild von den Menschen hinter dem Unternehmen und Ermöglichen einen direkten Dialog mit dem Management oder den Gesellschaftern. Manchmal erhält man dabei auch Informationen, die öffentlich nicht zugänglich sind. Ich sehe darin einen sinnvollen Baustein, aber keinen tragenden Pfeiler einer zahlen- und datengetriebenen Analyse.
Im Fall von Debitum/LFDF wurde mir angeboten die Landflächen vor Ort zu besichtigen. Reise und Unterkunft auf Kosten des Unternehmens. Grundsätzlich ist das eine noble Geste. Aber bei hunderten von Kaufverträgen lässt sich in ein oder zwei Tagen keine fundierte Einschätzung treffen. Wer nach einem solchen Besuch pauschal “Daumen hoch” signalisiert, tut Investoren damit keinen Gefallen. Für eine ernsthafte Bewertung braucht es KI-gestützte Dokumentenanalyse.
P2P-Empfehlungen im Freundes- und Familienkreis
Im privaten Umfeld werde man hin und wieder auf das Thema P2P Kredite angesprochen. Meistens aus Neugier, was ich eigentlich mache, seltener aus echtem Investitionsinteresse. Wenn es konkret wird, empfehle ich P2P Kredite als kleine Beimischung, niemals als Kerninvestment. Meine Frau hat letztes Jahr begonnen, in einige Plattformen zu investieren. Nach einem ausführlichen Gespräch über die Risiken und mit einem sehr überschaubaren Betrag.
Was ich dabei beobachte: Sobald man anfängt, die Risiken zu erklären, schalten viele ab. Und genau das ist das Problem. Wer P2P bequem und passiv behandelt, wird von Entwicklungen wie dem Nera-Capital-Fall kalt erwischt. Für meine Frau bedeutet das in der Praxis: Ich behalte die Entwicklungen im Blick und informiere sie, wenn Handlungsbedarf besteht.
Meine Empfehlung für den Einstieg: Zuerst einen globalen Indexfonds als Basis, dann – wer möchte – eine kleine, bewusst gewählte P2P-Position. Und wer nicht bereit ist, gelegentlich einen längeren Artikel zu lesen oder eine Entwicklung kritisch einzuordnen, sollte das Kapital lieber woanders lassen.
Fazit: Eigenverantwortung bleibt Pflicht
P2P-Investitionen sind kein passives Buy-and-Hold-Instrument. Wer sich auf Marketingversprechen, Cashback-Aktionen oder Plattform-Risiko-Scores verlässt, ohne das Geschäftsmodell dahinter zu verstehen, der läuft Gefahr böse überrascht zu werden.
Der Basisprospekt, so trocken er auch sein mag, ist oft die ehrlichste Informationsquelle überhaupt. Und mit KI-Unterstützung lässt er sich heute in kurzer Zeit auf die wesentlichen Risiken herunterbrechen. Wer das nicht leisten will oder kann, der sollte sein Kapital lieber anderswo anlegen.
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Hi, ich bin Denny! Auf diesem Blog, den ich im Januar 2019 gestartet habe, helfe ich Investoren dabei kluge und gut informierte Investitionsentscheidungen im Bereich der Geldanlage P2P Kredite zu treffen. Dafür beschäftige ich mich ausführlich mit den tagesaktuellen Geschäftsentwicklungen und dem übergeordneten Rendite- und Risikoprofil der einzelnen P2P Plattformen.
Mein Bestseller „Geldanlage P2P Kredite“ gilt in Fachkreisen als das beste deutschsprachige Finanzbuch zum gleichnamigen Thema.
