Mintos reagiert: Wie die Auseinandersetzung mit der FCA bewertet wird

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Die Tatsache, dass die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA eine Beantragung von Mintos, zur Ausübung regulierter Tätigkeiten in Großbritannien abgelehnt hat, zeigt deutlich, dass auch bei Mintos nicht alles Gold ist, was glänzt. Der lettische P2P-Anbieter wächst, primär durch die Vielzahl an Kooperationen mit ext. Darlehensanbahnern, so schnell wie kein anderes P2P-Unternehmen in Kontinentaleuropa.

Bei meinem Artikel, der die Hintergründe dieser Entscheidung näher beleuchtet und auch versucht die Auswirkungen für Mintos und deren Anleger zu bewerten, gab es auch eine Reaktion von Mintos, die jedoch erst kurz vor der Veröffentlichung des Artikels in meinem E-Mail Postfach landete.

Die Antworten sind zwar im Artikel eingearbeitet, allerdings konnte ich die Aussagen nicht mehr bewerten und einordnen. Dafür soll es in diesem Beitrag vier Fragen zum Thema Mintos vs FCA geben, der auch die Reaktionen des lettischen Unternehmens berücksichtigt.

Außerdem wurde ich darauf hingewiesen, dass CEO Martins Sulte sich auch auf einem anderen Blog zu Fragen dieser Art geäußert hat. Die Antworten werde ich deshalb auch hier berücksichtigen, um ein möglichst breites Meinungsbild abzugreifen.    


1. Welche Motivation (warum?) steckte hinter der Beantragung einer Regulierung durch die FCA in Großbritannien?

Die allererste Beantragung von Mintos datiert vom 14. März 2016. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Unternehmen gerade erst in seinem zweiten Geschäftsjahr und die Brexit-Entscheidung lag noch drei Monate entfernt.

Aus Sicht von Mintos ist die Motivation, einen Geschäftssitz im Vereinigten Königreich zu besitzen, mehr als nachzuvollziehen. Großbritannien besitzt eine gewachsene Historie im Bereich Crowdlending (u.a. ist das UK-Unternehmen Zopa der weltweit erste P2P-Anbieter gewesen) und hat das dritthöchste Kreditvolumen weltweit. Hinzu kommen etablierte Strukturen gesetzlicher Natur, die durch die FCA festgelegt worden sind. Alles in allem also ein spannendes Umfeld für aufstrebende P2P-Unternehmen.

Mintos sieht sich selbst als einen globalen Marktplatz, der durch einen Beitritt in Großbritannien seine Operationen erweitert und die internationalen Ambitionen bestätigt.

Extending our operations to the United Kingdom is something that makes perfect sense”

Dabei stellt Mintos fest, dass das UK-Business ein autarkes Umfeld darstellen soll, unabhängig von den anderen Ländern. Ohne Währungsumtausch sollen britische Investoren in der Lage sein, in Kredite aus dem Vereinigten Königreich zu investieren.

“the UK can become a self-sustaining marketplace where local investors are able to fund loans originated locally in the UK“

Bis es die ersten Kredite aus Großbritannien gab, dauerte es bei Mintos allerdings bis Anfang 2018. Erst am 26. Februar 2018 trat der britische Darlehensanbahner 1pm der Plattform bei (immerhin Mintos-Rating A), bevor mit peachy, Ende 2018, dann der zweite Kreditgeber folgte.


2. Gab es bei Mintos die Absicht, sich ausschließlich auf den UK-Markt zu fokussieren?

Im Schreiben der FCA heißt es:

„Mintos later clarified that only UK investors and borrowers could use its platform.“

Auf den ersten Blick sieht das natürlich nicht gerade prickelnd für kontinentaleuropäische Investoren aus, die gerne auf Mintos investieren. Allerdings liegt hier der Teufel im Detail. Die Beantragung bei der FCA hatte Mintos mit der Mintos Marketplace Ltd vorgenommen. Diese ist eine separate Geschäftseinheit der Mintos Group, die extra für die Mintos Operationen in Großbritannien gegründet worden war.

„a separate legal entity within Mintos group that was established for operations in the UK“

Zum Thema Regulierung ging Martins Sulte später nochmal auf dieses Thema ein:

“At Mintos, we view the UK market as a separate unit that has a specific regulatory environment when it comes to crowdlending.”


3. Welche regulatorischen Hürden hätte Mintos mit einem Beitritt nach Großbritannien gehabt?

Bei diesem Punkt betont Sulte, dass jedes Land seine eigene Gesetzgebung hat und Mintos sich somit auf jedes Land neu einstellen müsse – sowohl von Seiten der Darlehensanbahner, aber auch bei den Investoren.

“When we talk about Latvian regulation we also have to take into account that it will cover only investors and loan originators in Latvia. Once the Latvian regulation is finalized we will still have to look at each country separately. Us having a necessary license in Latvia will play a little role when considering our operations in, for example, Mexico, South East Asia or Russia, or even in other countries of EU.”

Auch in Bezug auf den Brexit, sieht Sulte aktuell noch keine Veränderungen bei den regulatorischen Auswirkungen auf Mintos zukommen, da jedes Land für sich betrachtet werden müsse.

“each and every country has their own approach to regulating crowdlending, which means that for instance having the FCA permissions for working in the UK would not really affect our operations in other countries, even in EU. Only when the European Commission’s proposal for a regulation on European crowdfunding services providers come into place we might see that licenses are passportable across the EU and then in that light, the Brexit certainly would more of a consideration. For now, we have to look at each country separately.”


4. Wie sieht die Zukunft von Mintos in Großbritannien aus?

Zum Abschluss bleibt die Frage, wie es für Mintos in Großbritannien weitergehen soll. Sulte scheint es in seinen Aussagen sehr sportlich zu sehen und antwortet eher diplomatisch darauf:

“The UK has different and specific legislation, and the FCA notice serves us as valuable feedback for adjusting our processes and procedures to fit the UK specificities for our future steps toward the UK market. At the moment, we are in no rush when it comes to entering the UK market, as we are all aware of the many uncertainties regarding the Brexit issue. Anyway, our growth and expansion goals are unwavering, and entering the UK market will remain in the scope of our interest. We will continue working with our legal and regulatory advisors and will take into account the FCA’s feedback when considering our next steps with respect to the UK.”


Fazit

Meine abschließende Bewertung zu dem Thema sieht so aus, dass es schon erstaunlich ist, mit welchen Anforderungen sich P2P-Plattformen in individuellen Ländern befassen müssen. Die Attraktivität des britischen Marktes kommt nicht von ungefähr und der Preis dafür scheint zu sein, dass man sich auch sehr stark an die Spielregeln des dortigen Marktes anpassen muss. Zumindest mehr, als das für Mintos bis jetzt in vielen anderen Ländern der Fall war.

Es zeigt aber auch, dass man den kritischen Blick bei Mintos nicht aus den Augen verlieren sollte, wobei die Entscheidung der FCA sicherlich keine Auswirkungen und oder schwerwiegende Konsequenzen für deutsche Mintos-Anleger haben sollte.

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