Mintos Geschäftsbericht 2020: 1,7 Mio. Euro Steuerschulden?

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Mintos hat in der letzten Woche den Geschäftsbericht für das Jahr 2020 veröffentlicht. In diesem Artikel geht es um die darin präsentierten Zahlen und wie ich einige der wichtigsten Kennzahlen bewerte.


Die wichtigsten Ergebnisse

Hier sind die wichtigsten Ergebnisse aus dem Management Report:

20202019
Finanziertes Kreditvolumen1,56 Mrd. Euro (-45,64%)2,87 Mrd. Euro
Ausstehendes Kreditportfolio387,6 Mio. Euro (-28%)542,1 Mio. Euro
Neue Investoren128.380 (-6%)136.310
Verdiente Zinsen53,38 Mio. Euro (+19%) 44,91 Mio. Euro
Anzahl Mitarbeiter 161177
Umsatz10,19 Mio. Euro (+11%)9,19 Mio. Euro
Ergebnis(1.967.200 Euro) (-102%)(973.746 Euro)

Laut Mintos haben sich im Jahr 2020 viele Risiken materialisiert. Dazu gehören das Kreditnehmerausfallrisiko, das Kreditgeber-Risiko, regulatorisches Risiken, das Wechselkursrisiko und das allgemeine Länderrisiko.

Mintos habe sich bemüht die verschiedenen Situationen, die sich aus diesen Ereignissen ergeben haben, zu managen.

Da man strukturell jedoch nicht optimal aufgestellt gewesen sei, habe man das Risikoteam durch die Einstellung eines Chief Risk Officers gestärkt und ein neues Team gebildet, das sich ausschließlich mit Rückforderungen beschäftigt.

“Overall, during 2020, we saw many risks materializing: borrower default risk, lending company risk, regulatory risk, exchange rate risk, and overall country risk. Our team put a lot of effort into managing different situations that arose from these events. We strengthened our risk team by hiring a Chief Risk Officer, and formed a new team dedicated exclusively to working with recoveries.”

Schade, dass diese Erkenntnis / Einsicht erst relativ spät kam und eingesetzt hat.


Die Gewinn- und Verlustrechnung

1) Wie hat Mintos 2020 Geld verdient?

2020 hat Mintos einen Umsatz von 10,19 Mio. Euro erzielt, was einer Steigerung von 11% zum Vorjahr entspricht. Den größten Anteil haben dabei erneut die Dienstleistungsgebühren bei den Kreditgebern mit 91,8% ausgemacht (2019: 95,26%).

Interessant und aufschlussreich sind die 2020 neu eingeführten Sekundärmarktgebühren für die Investoren, die zu einem Umsatz von 400.970 Euro geführt haben. Bei einer 0,85 prozentigen Transaktionsgebühr, bedeutet das, dass Anleger im letzten Jahr 47,17 Mio. Euro an Krediten vorzeitig über den Mintos Marktplatz verkaufen wollten.


2) Warum ist Mintos nicht profitabel gewesen?

In absoluten Zahlen ist der Umsatz um 1 Mio. Euro gestiegen. Wo sind also die Ausgaben gestiegen, sodass Mintos 1 Mio. Euro mehr Verlust als im Vorjahr erzielt hat?

20202019
Ausgaben Mitarbeiter(5.876.096 Euro)(4.206.186 Euro)
Abschreibungen (1.160.330 Euro)(484.779 Euro)
Administrative Gebühren(4.757.819 Euro) (5.433.372 Euro)
Wertminderungen(595.321 Euro)(122.096 Euro)

Bei den administrativen Gebühren könnte man ca. 1 Mio. Euro bei den Akquise-Kosten neuer Investoren einsparen (2020: 948.952 Euro; 2019: 1.942.237 Euro).

Besonders auffällig sind die Gehälter für die Mitarbeiter. Denn obwohl man Ende des Jahres 16 vollbeschäftigte Mitarbeiter weniger hatte, sind die Ausgaben für das Mintos Team um mehr als 1,6 Mio. Euro zum Vorjahr angestiegen. Durchaus ungewöhnlich, selbst wenn man mehr als 200 Mitarbeiter in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 berücksichtigt.


Die Bilanz

Ende des Jahres 2020 hat Mintos, historisch betrachtet, die schlechteste Bilanz seit der Gründung.

Die Eigenkapitalquote und der Verschuldungsgrad befinden sich noch in einem normalen Rahmen. Zumindest fallen diese, im Vergleich zu anderen P2P Plattformen, weder positiv noch negativ auf.

Einen genaueren Blick verdienen der Liquiditätsgrad und die immateriellen Vermögenswerte


Der Liquiditätsgrad

Der Liquiditätsgrad berechnet sich aus dem Verhältnis von kurzfristigen Vermögenswerten zu kurzfristigen Verbindlichkeiten. Im Idealfall sollte dieser Wert größer als 1 sein. Das bedeutet, dass liquide Mittel oder kurzfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen die, die kurzfristig auftretenden Forderungen bedienen können.

Deutet ein Wert von 0,47 auf ein mögliches Liquiditätsproblem hin?

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind um ca. 1,7 Mio. Euro auf 3,59 Mio. Euro angestiegen. Fast der gleiche Wert findet sich auch bei dem Posten „Steuern und staatliche Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung“ wieder.

Der Note 21 kann entnommen werden, dass Mintos bei den gesetzliche Sozialversicherungsbeiträgen und der Einkommenssteuer, scheinbar Rückstände von mehr als 1,5 Mio. Euro beim Finanzamt besessen hat.

Die offenen Steuerzahlungen setzen sich aus den monatlich laufenden Steuerverpflichtungen zusammen und den latenten Steuerverbindlichkeiten für die Zahlungen, die ursprünglich im Jahr 2020 fällig gewesen wären.

Der mit dem Finanzamt vereinbarte Tilgungsplan der aufgeschobenen Zahlungen wurde über das Jahr 2021 verteilt und die Rückzahlung war aus dem operativen Cashflow geplant. Aufgrund einer zusätzlichen Kapitalerhöhung zu Beginn des Jahres 2021, womit auf die Mintos Crowdfunding Kampagne angespielt wird, wurde jedoch zusätzliches Kapital aufgenommen, sodass alle latenten Steuerverbindlichkeiten im Februar 2021 vorzeitig getilgt werden konnten.

“The year end balances of tax payments constitute of current monthly tax obligations and deferred tax payables for the payments originally due throughout year 2020. The repayment schedule of deferred payments agreed with the State Revenue Service was spread over year 2021 and repayment was planned from operational cash flow. However, along with additional capital raised in the beginning of year 2021 (see Note 17), all deferred tax payables have been repaid in February 2021 ahead of the schedule.”

Interessant wäre herauszufinden, ob Mintos die Steuerzahlungen aufschieben musste, weil schlicht kein Geld mehr zur Verfügung stand, oder ob man die Zahlungen aufschieben konnte, weil es aufgrund von Covid-19 einen gesetzlichen Rahmen dafür gegeben hat.


Immaterielle Vermögenswerte

Die immateriellen Vermögenswerte sind bei Mintos (erneut) auffällig hoch gewesen. Diese machen auf der Aktiva-Seite 2,35 Mio. Euro aus, was mehr als 40% der gesamten Bilanz entspricht (2019: 26%). Verglichen mit Bondora (3,93%), Twino (6,69%) oder VIAINVEST (1,33%), scheint dieser Wert extrem hoch zu sein.

Immaterielle Vermögensgegenstände umfassen in der Regel Dinge wie Marken, erworbene Lizenzen, selbst entwickelte Software oder Internet-Domain-Namen. Bei Mintos werden 1,83 Mio. Euro der immateriellen Vermögenswerte, also gut zwei Drittel, der internen Software-Entwicklung zugeteilt.

Das bedeutet, dass Mintos einen Teil seiner Ausgaben für die IT-Mitarbeiter (auf der Aktiva-Seite) als Vermögensgegenstand festgeschrieben und nicht bei den Ausgaben für die Gehälter allokiert hat.

Kann man das machen? Ja, aus Bilanzierungssicht ist das durchaus möglich. Allerdings kann sowas auch zur Folge haben, dass man die Bilanz auf der Aktiva-Seite dadurch künstlich aufbläht und die tatsächlichen Kosten kaschiert werden.


Mintos im Vergleich zu anderen P2P Plattformen


Fazit

Mintos hat aus meiner Sicht ein katastrophales Jahr hinter sich! Und nein, das hat nichts mit dem aktuellen Geschäftsbericht zu tun. Die Zahlen, die dort präsentiert worden sind, sind nur das Ergebnis einer Politik, welche a) die Interessen der Gesellschafter über die der Investoren gestellt hat und b) die ein Ausdruck mangelnder Qualität bei der Auswahl und Kontrolle der Kreditgeber gewesen sind.

Natürlich konnten die Ereignisse in 2020 nicht vorhergesehen werden. Aber genau dieser Umstand hat die Schwachpunkte bei Mintos gnadenlos offengelegt. Und dass man finanziell auch gestärkt aus einer solchen Ausnahmesituation hervorgehen kann, zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse, die Bondora erst jüngst präsentiert hat.

Akute Schnappatmung müssen aktive Mintos Investoren jetzt aber dennoch nicht bekommen, denn durch die Crowdfunding-Kampagne im letzten Jahr, wodurch eine Kapitalerhöhung von ca. 6,5 Mio. Euro vorgenommen werden konnte, besitzt der Marktplatz wieder deutlich mehr Luft zum Atmen. Zudem soll dieses Jahr noch ein weiteres Venture Capital Funding im zweistelligen Mio.-Bereich anstehen, nachdem man die Lizensierung als Investment Brokerage Firm abgeschlossen hat.

Die Frage, inwieweit die Crowdfunding-Kampagne wirklich ein Dankeschön für die Treue und die Loyalität der Investoren gewesen ist oder ob man dadurch nicht einfach die dringend benötigten Mittel auftreiben wollte, um somit die finanziellen Löcher zu stopfen, beantwortet sich jetzt schon etwas eindeutiger.

Interessierst Du dich für Mintos? Dann lies Dir jetzt meine umfangreichen Mintos Erfahrungen auf dem Blog durch!

Mintos Geschäftsbericht 2020: Meine Analyse als Video


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

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