Im April 2025 ist Nauris Bloks als neuer CEO der Twino-Plattform installiert worden. Knapp ein Jahr später lässt sich festhalten, dass die Plattform unter seiner Führung einen extrem positiven Wandel vollzogen hat.
So bekommen Investoren wieder regelmäßige und transparente Einblicke zur Entwicklung der P2P Plattform. Sei es über das „CEO News“-Format, welches über den hauseigenen Blog und via Newsletter ausgespielt wird, oder aber über die „CEO Notes“-Reihe, welche über das persönliche LinkedIn-Profil geteilt werden.
Dass Twino wieder deutlich aktiver, transparenter und ehrlicher in der Kommunikation mit seinen Investoren ist, wird gekoppelt mit objektiven und messbaren Fortschritten. Dazu gehört die vollständige Rückzahlung der ausgefallenen Kredite aus den Philippinen, der Verkauf der ersten Immobilie aus dem Twino-Properties Portfolio oder aber die Möglichkeit seine ausstehenden Russland-Forderungen an den Mutterkonzern zu übertragen.
Transparenz, Kontinuität und Fortschritt. Mit diesen drei Attributen hat Nauris Bloks der Twino-Plattform einen neuen Anstrich verpasst.
In diesem Artikel werden sämtliche Themenfelder beleuchtet, die Twino-Investoren aktuell betreffen oder aber im Blick haben sollten. Es geht um die Philippinen, Vietnam, Russland, Polen, Twino Properties und die Agenda für die kommenden Monate und Jahre.
Weitere Informationen zur Plattform gibt es in meinen Twino Erfahrungen auf dem Blog.
Personalwechsel bei Twino und deren Einfluss auf die P2P Plattform
Armands Broks ist der Gründer und der alleinige Gesellschafter von Twino. Sein Wort ist Gesetz und die Entscheidungen über den Kurs der Plattform laufen in der Regel über seinen Tisch.
Dennoch lässt sich in den letzten Jahren ein interessantes und wiederkehrendes Muster erkennen. Denn wenn man sich die Performance von Twino etwas genauer ansieht, dann ist die Entwicklung der Plattform sehr häufig an das Personal im operativen Management gekoppelt.
Hierzu eine kurze Übersicht:
Armands Broks (August 2015 – Juli 2019)
In den ersten Jahren, seit der Gründung der P2P Plattform, war der alleinige Twino-Gesellschafter Armands Broks auch als CEO tätig. In seiner Zeit erfolgte eine aggressive Expansions-Strategie, welche die Plattform finanziell stark belastet hat.
In Zahlen bedeutet das ein abgeschriebener Verlust im zweistelligen Millionenbereich (12,2 Mio. Euro), 11 von 13 Märkten mit Verlusten und negatives Eigenkapital in Höhe von 6,5 Mio. Euro.
Anastasija Oleinika (Juli 2019 – August 2022)
Die Konsolidierung der Twino-Gruppe erfolgte maßgeblich unter der Führung von Anastasija Oleinika. Sie wurde bereits Ende 2017 als Chefin im Finanzbereich installiert, bevor diese im Sommer 2019 die Position als CEO übernommen hat. Unter ihrer Führung konnte sich Twino seiner Altlasten entledigen und mit einer finanziell stabilen Basis in die Zukunft gehen. Auch aufgrund ihrer Führung während der Corona-Pandemie hat Twino die Ausnahmesituation gut überstanden. Mein Artikel damals: Trendwende geschafft!
Helvijs Henselis (November 2022 – April 2025)
Helvijs Henselis ist ein angenehmer Zeitgenosse, den ich auch persönlich in Riga getroffen habe. Seine zweieinhalb Jahre bei Twino sind jedoch eher von Stillstand und Rückschritten geprägt gewesen. Auf die Krisensituationen in den Philippinen und in Vietnam wurde erst viel zu spät mit einem Exit reagiert und auch bei den ausstehenden Russland-Forderungen gab es keine erkennbaren Lösungsansätze.
Einzig die Twino Properties wurden auf den Weg gebracht (August 2023), die mittlerweile jedoch wieder eingestellt worden sind. Dass Helvijs häufiger die Hände gebunden gewesen sind, aufgrund der Vorgaben des Gesellschafters, wurde mir in persönlichen Gesprächen bestätigt.
Nauris Bloks (Seit April 2025)
Mit Nauris Bloks gibt es seit April 2025 einen neuen Kandidaten an der Spitze des operativen Managements bei Twino. Dass dieser bereits über Stallgeruch verfügt (von September 2016 bis Juli 2022 bei Twino), ist sicherlich kein Nachteil. Wohl auch, weil er im Vorfeld klare Bedingungen an den Twino Gesellschafter gestellt habe, unter welchen Bedingungen er bereit sei die neue Position anzunehmen (mehr Autonomie und Gestaltungsfreiheit), konnten sich in den letzten Monaten, seit seiner Übernahme, deutliche Fortschritte und positive Entwicklungen erkennen lassen.
Wie diese konkret aussehen und wie Twino die einzelnen Baustellen abarbeiten will, folgt in den kommenden Abschnitten.
Twino findet Käufer für Philippinen-Kredite und zahlt 70K aus eigener Tasche!
Im Rahmen des Joint Ventures mit Viainvest, um gemeinsam den asiatischen Markt zu erobern, wurde 2020 das Unternehmen „Vamo Lending Inc.“ (CS20200000915) in den Philippinen registriert. Knapp drei Jahre später, im September 2023, sind dann auch die ersten Kredite aus dem philippinischen Markt auf der Twino Plattform angeboten worden.
Mit umgerechnet 855.0000 Euro ist die maximale Portfoliogröße auf Twino jedoch vergleichsweise überschaubar gewesen. Dennoch musste Twino, seit der offiziellen Exit-Ankündigung im April 2024, darum kämpfen eine ordnungsgemäße Abwicklung der ausstehenden Forderungen zu gewährleisten.
Der Abwicklungsprozess wurde anschließend in enger Abstimmung mit lokalen Partnern und im Einklang mit den regulatorischen Anforderungen durchgeführt. Gemäß der Aussagen von Twino CEO Nauris haben die Verhandlungen mit einem potenziellen Käufer bereits vor seiner Zeit begonnen. Der Prozess soll sich über ca. 9 Monate erstreckt haben.
Am 14. Januar 2026 konnte Twino offiziell bestätigen, dass alle mit den Philippinen verbundenen Investitionen vollständig zurückgezahlt werden konnten, einschließlich des eingesetzten Kapitals sowie aller aufgelaufenen Zinsen.
Die offenen Forderungen, im Wert von 655.000 Euro, wurden dabei mit einem ca. 10% Abschlag von einem zypriotischen Unternehmen gekauft, welches über vereinzelte Geschäftstätigkeiten in Asien verfügen soll. Twino hat demnach rund 70.000 Euro aus der eigenen Tasche dazugezahlt, um zu einem versöhnlichen Abschluss für die Investoren zu kommen.
Twino-Investoren droht 1,6 Mio. Euro Verlust in Vietnam
Deutlich schwieriger gestaltet sich die Situation in Vietnam. Das Unternehmen „Hoang Kim Nhat Company Limited”, welches im Juni 2019 gegründet wurde und im August 2021 die ersten Kredite auf Twino angeboten hatte, besitzt derzeit noch ausstehende Forderungen von umgerechnet 1,6 Mio. Euro gegenüber den Investoren.
Ursache für die Problematik sei laut Twino, dass chinesische Anbieter den Payday-Markt mit ihren aggressiven Geschäftspraktiken destabilisiert hatten. In der Folge gab es ab 2023 eine strengere Gesetzgebung und regulatorische Veränderungen im vietnamesischen Nichtbanken-Kreditsektor. Insbesondere bei Nichtbanken-Kreditunternehmen aus dem Ausland soll es auch zu Razzien und Inhaftierungen gekommen sein. Es scheint daher nachvollziehbar, dass dadurch auch die lokalen Teams verunsichert und die operativen Abläufe stark beeinträchtigt gewesen sind.
An dieser Stelle muss sich Twino den Vorwurf gefallen lassen, dass das Risiko-Management nicht funktioniert hat. Denn während die Kreditgeber von der Aventus Gruppe und der Robocash Gruppe die richtigen Schlüsse gezogen und den vietnamesischen Markt im Mai 2023 verlassen haben, erfolgte diese Entscheidung seitens Twino erst ein Jahr später (März 2024).
Auch persönlich habe ich den Aventus / Robocash Exit als Anlass genommen, um daraufhin proaktiv meine vietnamesischen Kredite auf dem Sekundärmarkt zu verkaufen. Hier zeigt sich einmal mehr, warum es sich lohnt stets aktiv informiert zu sein und dass es kein passives Einkommen mit P2P Krediten gibt. Folgt daher gerne meinen Community-Channels auf Telegram oder WhatsApp, um solche Informationen in Zukunft nicht mehr zu verpassen.
Wenn es um die „Schuld-Frage“ in Vietnam geht, dann trifft diese sowohl das lokale Management vor Ort, welche die Situation zu lange falsch bewertet hat, als auch den in Lettland ansässigen Vorstand, welcher ebenfalls keine Notwendigkeit sah die Kreditvergabe einzuschränken oder sogar einzustellen.
“TWINO continued to list VN loans based on reports from local lending operations team which outlined negative sentiment, but no immediate risks up till Q1, 2024. TWINO board at that time didn’t take any decisions to limit or put some restrictions VAMO VN listing.”
Erst am 22. März 2024 informierte VAMO Vietnam darüber, dass die Kreditvergabe infolge einer neuen Auslegung der lokalen Gesetzgebung durch vietnamesische Behörden einzustellen sei und man sich stattdessen ausschließlich auf das Inkasso konzentrieren solle. Eine Entscheidung, die deutlich zu spät kam. Viele Kreditnehmer haben die Rückzahlungen bereits komplett eingestellt und auch die lokalen Inkassounternehmen besitzen keinerlei Interesse das nahezu wertlose Kreditportfolio abzukaufen.
Gibt es noch zu verkaufende Vermögenswerte von dem sich mittlerweile in der Insolvenz befindlichen Unternehmens? Für diese Frage arbeitet Twino aktuell mit der BDO und anderen lokalen Beratern zusammen. Allerdings wurde mehrfach betont, dass die Rückgewinnungsaussichten aus dem vietnamesischen Markt nur sehr begrenzt sind und dass in absehbarer Zeit keine weiteren Zahlungen erwartet werden.
“Nevertheless, recovery prospects from the Vietnam market remain very limited, and no additional payments are expected in the foreseeable future.”
Was etwas verwundert ist die Tatsache, dass Viainvest deutlich unbeschadeter aus der Situation hervorgekommen ist. Nach meinen Informationen deckte die VIA SMS Group sämtliche operativen Tätigkeiten ab, das lokale Personal und das Risikomanagement. Twino stellte hingegen die Finanzierungsplattform, das Kreditvergabesystem und die technologische Infrastruktur bereit.
Für 20% Kapitalverlust: Twino bietet Rückkauf russischer Kredite an!
Deutlich vielversprechender sehen aktuell die Fortschritte im Hinblick auf die ausstehenden Forderungen aus Russland aus. Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine, im Februar 2022, steckten ca. 6,8 Mio. Euro an Investorengelder in Russland fest, die aufgrund der internationalen Zahlungseinschränkungen nur schrittweise zurückgezahlt werden konnten (ca. 100.000 Euro pro Monat).
Zwischendurch gab es seitens Twino häufiger Andeutungen, dass man mit möglichen Käufern des Russland-Portfolios in Kontakt stehe. Wie ernsthaft und konkret diese Gespräche verlaufen sein sollen, kann jedoch nicht beurteilt werden.
Fest steht hingegen, dass sich die offenen Forderungen bis Ende Januar 2026 auf ca. 1,9 Mio. Euro reduziert haben. Weil die SIA Finno (früher SIA TWINO, Mutterkonzern der P2P Plattform) aktuell ca. 200.000 Euro an nicht verwendeten Cash-Reserven besitze, habe man betroffenen Investoren die Möglichkeit angeboten ihre Forderungsrechte an Finno zu übertragen.
Dafür erhalten diese 80% des ausstehenden Kapitals sowie 100% der bis zum Wirksamkeitsdatum des Abtretungsvertrags aufgelaufenen Zinsen auf die betroffenen Forderungsrechte. Eine Beantragung war hierfür noch bis zum 27.02.2026 möglich oder aber bis das genehmigte Volumen von 200.000 Euro erreicht werde.
Gemäß Twino CEO Nauris Bloks sei die tatsächliche Nachfrage jedoch deutlich höher gewesen (zwischen 800.000 Euro und 1 Mio. Euro) als die ursprünglich zur Verfügung gestellte Cash-Position. Man sei diesbezüglich positiv gestimmt, dass man eine Lösung für alle Investoren finden werde.
Abwicklung von Twino Properties: Noch 1,8 Mio. Euro offen!
Ein weiteres Twino-Projekt, welches sich mittlerweile in der Abwicklung befindet, sind die Vermietungen von Wohnimmobilien. Hierfür hatte man im März 2023 das lettische Unternehmen „AS TWINO Properties“ gegründet (40203477150), welches bereits im August 2023 die ersten Projekte auf Twino angeboten hat.
Ursprünglich gedacht als Produkt zur Diversifikation, haben die Performance als auch die Marktbedingungen nicht mehr den internen Erwartungen von Twino hinsichtlich der langfristigen Renditen und der strategischer Ausrichtung entsprochen. Infolgedessen habe man sich dazu entschieden das Mietprojekt abzuwickeln und sich aus dem lettischen Wohnimmobiliensegment zurückzuziehen.
“Over time, performance and market conditions did not meet TWINO’s internal expectations for long-term returns and strategic alignment.”
Insgesamt hat Twino zehn Immobilien über Twino Properties finanziert. Die erste davon konnte bereits am 22. Januar 2026 verkauft werden (ISIN LV0000200145 und LV0000200152). Die jährliche Rendite lag hier bei ca. 5%. Den neun ausstehenden Wohnimmobilien steht ein ausstehendes Kapital von ca. 1,8 Mio. EUR gegenüber (ca. 200.000 Euro pro Immobilie).
Die verbleibenden Wohnungen sollen gemäß der Marktsituation verkauft werden, wobei das interne Ziel darin bestehe eine Immobilie pro Quartal abzugeben. Die Renditeerwartung schätze man mit maximal 2% ein. Ursprünglich lag die beworbene Renditeerwartung bei 5% bis 7%, wobei man hierfür auch von einem Zeitraum von zehn Jahren ausgegangen ist.
Polen stark wie nie: Aber Bedrohung durch CCD2?
Wenn bei Twino etwas in den letzten Jahren funktioniert hat, dann ist der polnische Konsumkredite-Markt, in dem man mittlerweile schon seit 2011 aktiv ist. Obwohl Polen historisch betrachtet viele regulatorische Veränderungen durchlaufen hat, siehe hierfür meine Analyse vom polnischen Kreditmarkt aus 2021, ist das polnische Unternehmen Fincard (Marke: Netcredit) etablierter und profitabler als je zuvor.
In meinem Kreditgeber-Vergleich besitzt der polnische Twino-Kreditgeber, basierend auf den letzten Finanzkennzahlen, eine Top5-Bewertung im Hinblick auf die finanzielle Stabilität.
| Kreditgeber | Jahr | Geprüft | Gewinn | GK-Rendite | EK-Quote | Verschuldung | Liquidität | Portfolio | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fincard | 2024 | BDO | EUR 7,91M | 5,3% | 36,5% | 1,74 | 1,61 | 9,6% | 83 |
Das ausstehende Portfolio liegt derzeit bei ca. 40 Mio. Euro (davon 32 Mio. Euro auf Twino), wobei man dieses Jahr um ca. 20 Mio. Euro wachsen will (davon 12 bis 15 Mio. Euro auf Twino).
Allerdings gibt es auch in diesem Jahr wieder neue regulatorische Herausforderungen, nämlich in Form der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie 2023/2225 (CCD2). Das neue EU-Gesetz, welches eine Stärkung und Harmonisierung des Verbraucherschutzes im Kreditwesen beabsichtigt, soll die bestehende Richtlinie von 2008 ersetzen und nun auch „Buy Now, Pay Later“ (BNPL)-Dienste, Kredite mit bis zu 100.000 Euro sowie kurzfristige Finanzierungen regulieren.
Hier sind zusammengefasst die wichtigsten Aspekte und Auswirkungen der CCD2:
- Strengere Bonitätsprüfungen: Kreditgeber sind verpflichtet vor jedem Kreditvertrag die finanzielle Leistungsfähigkeit des Verbrauchers zu prüfen, um Überschuldung zu vermeiden.
- Erweiterter Anwendungsbereich (BNPL): Rechnungskäufe und klassische BNPL-Angebote fallen jetzt unter das Verbraucherkreditrecht, wodurch umfangreiche Informations- und Prüfpflichten für Händler entstehen.
- Digitale Standards: Informationsanforderungen werden an die digitale Welt angepasst, um Transparenz auf mobilen Endgeräten sicherzustellen.
- Schutz vor Überschuldung: Die Vorschriften erfassen nun auch zinsfreie Kredite, kurzfristige Rückzahlungen (unter 3 Monaten) sowie geringfügige Gebühren.
In Polen selbst soll die polnische Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde “UOKiK” einen Fahrplan vorgelegt haben, wonach im März 2026 die Bestimmungen der Verordnung zur abschließenden Diskussion veröffentlicht werden sollen. Es wird erwartet, dass das polnische Parlament diese bis Ende Juni 2026 verabschiedet und dass das Inkrafttreten für November 2026 vorgesehen ist.
Für Fincard selbst ist eine Anpassung des Geschäftsmodells unausweichlich. Den größten Einfluss werden dabei voraussichtlich die neuen Zins- und Nichtzins-Obergrenzen haben, welche es schwieriger machen werden das bisherige Rentabilitätsniveau zu halten. Dennoch gehe man aktuell davon aus, dass man weiterhin profitabel bleibe und eine gesunde Gewinnmarge erzielen werde. Anpassungen von Bonitätsprüfungen, die auf Grundlage der CCD2 strenger definiert werden, sollen hingegen keine Probleme hervorrufen.
“On the profitability side, it will leave some impact, because most likely some caps will be introduced as well as other limitation which could make it more complex to reach same level of profitability. With that said business model still is expected to be profitable with healthy profit margin.”
Wie immer bei neuen und schärferen Regulierungen wird es sehr wahrscheinlich auch dieses Mal zu einer Marktkonsolidierung in Polen kommen. Dass mehrere Wettbewerber den polnischen Markt aufgrund der strengeren Vorschriften verlassen könnten, scheint derzeit nicht unwahrscheinlich. Twino sieht daher, trotz sinkender Profitabilität, eine steigende Wachstumschance für das regulierte Kreditkartenprodukt. Demnach könnte es auch zu einem erhöhten Finanzierungsbedarf auf der Twino-Plattform kommen.
„Fincard anticipates that due to CCD2 market consolidation will happen. Several market players will exit market due to stricter ruling and Fincard sees that as a opportunity to grow with regulated credit card product. As a result Fincard plans to keep growing portfolio quite rapidly in 2026, which would also increase need for funding.”
Ausblick 2026
Abseits der bisherigen Themenfelder, was können Twino-Investoren in den kommenden Monaten und Jahren an Neuerungen erwarten?
Ist „FLEXI“ das bessere Bondora Go & Grow?
Dass Liquidität ein wichtiges Thema in 2026 werden würde, hatte ich bereits mehrfach in meinen Inhalten angedeutet. Auch bei Twino arbeitet man schon seit einiger Zeit an einem neuen und liquiden Produkt, welches sich „FLEXI“ nennt.
Dahinter verbirgt sich ein Ansatz, welcher starke Parallelen zu Bondora Go & Grow aufweist: Nämlich eine jährliche Verzinsung von 6%, sowie die Möglichkeit täglich über seine Gelder zu verfügen. Die Basis bilden hierfür die polnischen Asset-Backed Securities, die auf der Plattform – je nach Laufzeit – auch mit bis zu 12% Verzinsung angeboten werden.
Seitens der lettischen Finanzaufsicht wurde die Genehmigung für das „FLEXI“-Produkt bereits erteilt, sodass es im März bereits zu internen Tests beim neuen Produkt kommen werde.
Im Gegensatz zu Bondora Go & Grow wäre „FLEXI“ somit das erste Produkt seiner Art, welches unter einem regulatorischen Schirm (MiFID II) eingeführt werden würde. Entsprechend werden auch andere Voraussetzungen und Aufsichtsvorschriften gelten. Laut Twino werde es zunächst nur möglich sein bis zu max. 10.000 Euro in das neue Produkt zu investieren.
Neue Märkte
Polen dient für Twino als Basis in Europa. Gleichzeitig will man sich auch geografisch wieder neu orientieren. Die neuen Zielmärkte sollen dabei die Tschechische Republik als auch Rumänien sein.
Das Problem: Auch hier gilt es zunächst die Umsetzung der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) abzuwarten und welche neuen Bestimmungen in diesen Ländern gelten werden. Sollte es zu einem Markteintritt kommen, was aufgrund der Passporting-Lizenz als Zahlungsinstitut relativ einfach funktionieren sollte, würde es aber nochmal 6 bis 9 Monate dauern, bis die ersten Kredite auch auf der Twino-Plattform landen würden.
Realistisch betrachtet ist daher erst ab 2027 wieder mit neuen Kreditnehmerländern auf Twino zu rechnen.
Kryptowährungen
Aktuell plane man bei Twino zudem die Investmentbroker-Lizenz mit einer MiCA-Lizenz (Market in Crypto Assets) zu erweitern. Das Ziel sei dabei aber nicht eine Krypto-Börse wie Binance oder Kraken zu werden. Stattdessen möchte man einen sicheren und lizenzierten Weg für neue Investoren anbieten, die einen Zugang zu Krypto-Assets erhalten wollen.
Die Motivation sei wohl auch darin begründet neue Synergien zu schaffen. Von dem neuen Angebot verspreche man sich eine neue Investoren-Klientel zu erschließen, die dann auch für P2P Kredite Investitionen empfänglich sei.
Zusammenfassung und Fazit: Persönliches Investment-Comeback?
Twino befindet sich Anfang 2026 in einer Transformationsphase, die klar vom CEO-Führungswechsel im April 2025 geprägt ist. Unter Nauris Bloks hat die Plattform sichtbar an Transparenz, Kommunikationsqualität und operativer Konsequenz dazugewonnen.
Die vollständige Rückzahlung der ausgefallenen Philippinen-Kredite, inklusive 70.000 Euro aus eigener Tasche, sind ein starkes Signal gewesen. Auch beim Russland-Portfolio wurden konkrete Lösungen angeboten, anstatt weiterhin auf ungewisse externe Käufer zu hoffen.
Vietnam bleibt hingegen ein strategischer Fehler, der zu einem realen Kapitalverlust für einige Investoren führen wird. Das zu späte Reagieren auf regulatorische Risiken hat Schwächen im Risikomanagement offenbart, wofür sowohl das lokale Management, insbesondere aber die damalige Führung in Lettland, Verantwortung trägt.
Operativ ist Polen heute das klare Fundament der Plattform. Fincard zählt zu den finanziell stabileren Kreditgebern im P2P-Markt. Die Umsetzung der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie (CCD2) wird zwar sehr wahrscheinlich die Gewinn-Margen belasten, jedoch könnte der polnische Kreditgeber auch von einer Marktkonsolidierung profitieren.
Mit FLEXI plant Twino zudem erstmals ein reguliertes Liquiditätsprodukt auf den Markt zu bringen, welches sich als Alternative zu Bondora Go & Grow positioniert. Das neue Produkt macht deutlich, dass Twino die Zeichen der Zeit erkannt hat und sein Angebot an die Bedürfnisse und die Nachfrage des Marktes ausrichtet.
Nach einer längeren Beobachtungsphase und vielen Gesprächen mit dem neuen Twino-CEO, habe ich mich dazu entschieden mein persönliches Investment bei Twino wieder aufzunehmen. Nicht aus blinder Euphorie, sondern weil sich die strukturellen Rahmenbedingungen verbessert haben: Mehr Transparenz, klare und nachhaltige Kommunikation, aktive Problemlösung und ein operativ starkes Kerngeschäft in Polen.
Dennoch ist die Plattform für mich weiterhin kein Selbstläufer. Wer bei Twino investiert, der sollte die Risiken realistisch einschätzen und versuchen die Entwicklungen aktiv zu begleiten.
Hi, ich bin Denny! Auf diesem Blog, den ich im Januar 2019 gestartet habe, helfe ich Investoren dabei kluge und gut informierte Investitionsentscheidungen im Bereich der Geldanlage P2P Kredite zu treffen. Dafür beschäftige ich mich ausführlich mit den tagesaktuellen Geschäftsentwicklungen und dem übergeordneten Rendite- und Risikoprofil der einzelnen P2P Plattformen.
Mein Bestseller „Geldanlage P2P Kredite“ gilt in Fachkreisen als das beste deutschsprachige Finanzbuch zum gleichnamigen Thema.



