Nie mehr +10% Rendite! Warum das Zinsniveau unten bleibt!

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Täglich grüßt das Murmeltier, dachte ich zunächst. Kaum hatte sich die Aufregung um den polnischen Kreditgeber Aforti Finance ein wenig beruhigt, sorgte der Abfall des Zinsniveaus auf Mintos gleich für den nächsten Aufreger. Wehmütiges Klagen, dass man bereits aus dem letzten Jahr gekannt hatte.

Als ich mir die Diskussionen zu diesem Thema ansah und die vielen Kommentare durchlas, dass viele Anleger als Konsequenz dessen nun ihr Geld abziehen und wahllos auf der nächsten P2P-Plattform anlegen werden, ging es ein bisschen mit mir durch. Warum investiert man überhaupt in P2P-Kredite, wenn man dieser Form der Geldanlage so skeptisch gegenübersteht? Ja, es gibt ein Chancen-Risiko Verhältnis, keine Frage. Jeder hat dabei seine eigenen Vorstellungen. Aber diese Impulsivität und Form des Aktionismus, kann ich wirklich nicht nachvollziehen.

Aus dieser Motivation heraus habe ich einige Stunde später folgendes Video aufgenommen:

Das Video ist für meine Verhältnisse schon fast „viral“ gegangen und ist aktuell das am zweit häufigsten aufgerufene Video von mir. Auch die Bewertung kann sich durchaus sehen lassen. Am meisten habe ich mich allerdings über die Kommentare gefreut. Viel Lob und Zustimmung, allerdings auch Kritik, die durchaus berechtigt war.

Als ich mir das Thema nochmal genauer angesehen habe merkte ich, dass es durchaus eine reelle Gefahr gibt, dass es sich bei der Zinsentwicklung nicht nur um ein temporäres Problem handeln könne. Tatsächlich halte ich es gar nicht mal für so unwahrscheinlich, dass sich Investoren auf Mintos zukünftig auf Renditen von unter zehn Prozent einstellen müssen. Warum das so ist, erkläre ich Dir in diesem Beitrag.


Angebot und Nachfrage auf Mintos

Zunächst ein Blick auf das Verhältnis von Angebot (Kreditverfügbarkeit) und Nachfrage (Investoren) bei Mintos, da das Prinzip der Marktwirtschaft in der Regel den Preis definiert. Nur das es in diesem Fall die Zinsen sind.

Die Angebotsseite, also das Kreditvolumen, lässt sich direkt auf der Statistik-Seite von Mintos entnehmen.

Wie den Zahlen zu entnehmen ist, wurden im September 2019 mit 269 Mio. Euro insgesamt 25 Mio. Euro weniger über Mintos vermittelt, als es noch im Vormonat August (294 Mio. Euro) der Fall gewesen ist.

Hier erkennt man auch sehr schön, warum die Zinsflaute dieses Jahr auch ein bisschen intensiver ausgeprägt gewesen ist, da die Differenz im Vorjahr lediglich 7 Mio. Euro betrug. Im Juli 2018 waren es noch 100 Mio. Euro, im August und September nur noch 93 Mio. Euro. Das ist ein Faktor, warum das abfallende Zinsniveau dieses Jahr etwas härter durchgeschlagen hat.

Auf der Nachfrage-Seite, also dem Investoren-Wachstum, habe ich leider keine genauen Zahlen von Mintos erhalten. Früher wurden diese Zahlen noch im Newsletter veröffentlicht. Demnach gab es 2019 im Januar 9.675 neue Investoren. Insgesamt waren es damals 108.220.

Ende September 2019 waren es ungefähr 190.000 angemeldete Investoren. Man kann also annehmen, dass Mintos durchschnittlich 10.000 neue Nutzer jeden Monat hinzu gewinnt.

Diese anhaltende Nachfrage wird, unter anderem aufgrund der Nullzinsen in Europa, auch in Zukunft sicherlich nicht geringer werden.

Man erkennt also markt-typische Muster, die den Abfall des Zinsniveaus erklären. Warum die Zinsen jedoch dauerhaft niedrig bleiben werden, dafür kommt ein noch viel bedeutenderer Faktor hinzu.


Invest & Access sorgt für Niedrigzinsen bei Privatanlegern

Invest & Access ist der primäre Grund dafür, warum es langfristig kaum noch automatisierte und diversifizierte Renditen von über zehn Prozent für Investoren geben wird. Bevor ich die Zusammenhänge erkläre, zunächst ein Blick auf die bereits erlangte Popularität dieses neuen Anlageprodukts von Mintos.

  • 69 Prozent der neuer Investoren, die sich nach der Einführung von Invest & Access angemeldet haben, haben bereits Invest & Access genutzt
  • 18 Prozent davon nutzen ausschließlich Invest & Access
  • Das durchschnittliche Investment bei Invest & Access beträgt ca. 4.000 Euro
  • 49 Prozent der Invest & Access Nutzer haben innerhalb von zwei Monaten mehr Geld hinzugefügt

Die Zahlen entstammen von durch Mintos bereitgestellten Informationen an sein Publisher-Netzwerk.

Was hat die Situation des Zinsniveaus mit Invest & Access zu tun?

Vor ein paar Monaten habe ich aufgezeigt, wie das Geschäfts- und Monetarisierungsmodell von Mintos funktioniert. Im Zentrum generiert der P2P-Marktplatz über 93 Prozent seines Umsatzes durch Gebühren bei den Kreditgebern. Nach meinen Berechnungen sollte der aktuelle Umsatz bei ca. einer halben Million Euro pro Monat liegen. Durch sein P2P-Marktplatzmodell hat sich Mintos ein stark skalierbares Geschäftsmodell geschaffen, bei dem auch der Verlust einiger Kreditgeber die Geschäftsentwicklung nicht weiter beeinflussen wird.

Damit Mintos weiterhin wachsen kann, benötigt das Unternehmen also weitere Kreditgeber. Das Problem, dass durch Mintos gelöst werden musste, war folgendes: Investoren nutzten die Auto Invest Konfiguration und suchten dabei meistens nach Krediten mit hoher Verzinsung.

Damit die Kreditgeber ihre Darlehen über Mintos finanzieren konnten, mussten diese sich an die Rendite-Erwartungen der Investoren anpassen und zusätzlich in den gegenseitigen Wettbewerb treten, um das Kapital der Investoren nutzen zu können. Eine Spirale, die natürlich die Zinssätze, sofern es möglich war, in die Höhe trieb.

Kreditgeber mit Firmen-, Factoring- oder Hypothekendarlehen, konnten dieses Zinskampf aufgrund kleinerer Margen häufig nicht mitmachen. Verbraucherkredite besitzen hingegen deutlich größere Margen. Hier konnten Kreditgeber ggf. reagieren und die Zinssätze nach oben korrigieren. Je nachdem, wie dringend man das Geld der Investoren benötigt hat.

Für Mintos entsteht dadurch das Problem, dass das Unternehmen deutlich schwieriger Argumente findet, um neue Kooperationen mit Kreditgebern zu schließen und diese von einer Zusammenarbeit zu überzeugen.

Die Lösung: Man launchte Invest & Acces und verkaufte es Investoren als eine einfache Möglichkeit, um sein Geld liquide und diversifiziert anzulegen. Der wahre Grund ist allerdings, dass Mintos dadurch noch schneller wachsen und expandieren kann. Alles was das Unternehmen machen musste, war die Kredite auf dem Primärmarkt zunächst nur für Investoren von Invest & Access zugänglich zu machen. Dadurch liegt die Entscheidungsgewalt beim Unternehmen, welche Kredite finanziert werden. Benötigt ein Kreditgeber in bestimmten Situationen viel und schnell Finanzierungskraft, kann Mintos die Hebel entsprechend bewegen.

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Dadurch sinkt in der Konsequenz auch der Wettbewerb unter den Kreditgebern, was widerum die Zinsen nach unten drückt. Je größer das Bedürfnis der Investoren nun nach Krediten ist, desto mehr können nun die Zinsen fallen.

Die Frage wird also sein, inwieweit Investoren bereit sein werden, um die Zinsspirale nach unten mitzugehen.

Wo es perspektivisch hingehen kann, zeigt die erwartete Rendite-Prognose bei Invest & Access. Waren es beim Launch im Juli 2019 noch über zwölf Prozent, so sind es Anfang Oktober nur noch 8,49 Prozent. Je mehr Leute zu Invest & Access abwandern, beziehungsweise neu hinzukommen, desto geringer wird die Rendite. Mit dem Auto Invest dagegen anzukämpfen ist unmöglich. Wer langfristig höhere Zinsen auf Mintos bekommen möchte, darf nicht zu Invest & Access übergehen.


Warum das Zinsniveau bei Mintos unten bleiben wird

Mintos ist ein Wirtschaftsunternehmen, wie jedes andere auch. Die Interessen des Unternehmens liegen im Wachstum. Natürlich benötigt man für das Kreditgeschäft auch potente Investoren. Aber ob diese zwölf oder acht Prozent Rendite verdienen, ist für Mintos zweitrangig. Im Vordergrund steht die Expansion. Und die wäre ohne Invest & Access nicht möglich gewesen.

Gibt es dennoch die Möglichkeiten auf eine Trendwende? Ja, wenngleich diese eher unwahrscheinlich ist. Wenn Kreditgeber dringend neue Anleihen über Mintos finanzieren wollen, könnte das helfen. Aber auch das wäre, in Anbetracht des großen Investoren-Ansturms, wo alles und jeder Rendite sucht, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, wird dieser Trend nur schwer aufzuhalten sein.

Man muss sich auch vorstellen, dass neue Investoren nicht die Erfahrungswerte von über zehn Prozent bei Mintos besitzen. Wir, die jetzt innerhalb der ersten vier Jahre mit dabei waren, haben uns an diese Renditen gewöhnt. Aber für die vielen weiteren Anleger, die in den nächsten vier Jahren folgen werden (meine Prognose: Safe + 1. Mio. Investoren), gibt es diesen Referenzrahmen nicht. Diese werden sich auch bei acht Prozent p.a. einen Ast abfreuen. Darauf sollte man sich einstellen.

Die Transformation die Mintos in Zukunft noch machen wird, fängt gerade erst an. Ich bin mir sicher, dass das Kreditgeschäft in zehn Jahren immer noch ein fester Bestandteil des Unternehmens sein wird. Doch bis dahin wird man sich als alternativer Bankendienstleister so breit aufgestellt haben, dass das nur noch wenig ins Gewicht fallen wird. Auch die Zinsen werden dann deutlich unter zehn Prozent liegen. Wetten, dass..?

Wenn Du dich zu diesem oder weiteren Themen mit anderen Privatanlegern austauschen willst, dann schau im P2P-Forum vorbei oder werde Mitglied in der re:think P2P Community auf Facebook!

Nie mehr +10% Rendite bei Mintos – Das Video



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2 Kommentare

  1. Hi Denny,
    Mich würde mal deine Einschätzung generell zu dem Zinsniveau interessieren, welches bei P2P-Plattformen angepriesen wird. Nicht nur in der EU ist der Leitzins gerade „im Keller“, das heißt, es gibt günstiges Geld. Daher ist mir nicht ersichtlich, warum Kreditnehmer sich für teilweise weit über einen Zinssatz von 10% p.a. verschulden, wenn es weitaus günstigere Möglichkeiten gibt, sich Geld zu leihen. Natürlich laufen die Kredite bereits eine gewisse Zeit, so dass bei Abschluss die Zinsentwicklung kaum vorhersehbar war. Dennoch frage ich mich, gerade als Investor in P2P-Kredite, wem leihe ich dort mein Geld? Warum hat der Kreditnehmer so einen teuren Kredit aufgenommen, wo es günstigere Alternativen gibt – weil die Bank ihm kein Geld geben wollte? Nun, wenn das so ist, warum sollte ich das Risiko tragen, wenn die Bank dazu schon nicht bereit ist? Ich habe das Gefühl, dass man sich heute gerade bei P2P-Krediten sehr von dem möglichen Zinssatz leiten lässt, ohne kritisch zu hinterfragen, wie dieser zustande kommen kann. Wie stehst Du dazu?
    Beste Grüße,

    Jakob

    1. Hi Jakob,

      danke für den Kommentar und die Anmerkung zum Zinsniveau. An sich scheint Deine Vermutung richtig, es gibt aber eine wichtige Anmerkungen:

      Dass Staaten sich durch die Geldpolitik der Notenbanken aktuell billig verschulden können, gilt nicht zwangsläufig auch für Privatpersonen. In Deutschland ist man etwas geblendet, da man hier einen Konsumkredit als Privatperson schon für durchschnittlich 4-5 Prozent bekommt. In manchen Fällen sogar einen Kredit mit Negativzins, vorausgesetzt einer guten Bonität. Aber im EU-Ausland sieht das schon ganz anders aus.

      In Estland gibt es zum Beispiel die höchsten Zinssätze für Bankkredite in der EU. Hier werden Privatkredite nur sehr zurückhaltend oder eben mit hohen Zinsen vergeben, da die Bankenlandschaft nach der Finanzkrise 2008 sehr stark gelitten hat. Der durchschnittliche Zinssatz eines Bankenkredits, bei einer Laufzeit von einem bis zu fünf Jahren, liegt bei über 18 Prozent. Eine Statistik der estnischen Zentralbank zeigt sogar, dass die Zinssätze für Verbraucherkredite in den Jahren von 2007 bis 2015 durchschnittlich zwischen 18 Prozent und 37 Prozent lagen. Quelle: https://www.euro-area-statistics.org/bank-interest-rates-loans?cr=lva+esp+ltu+deu&lg=en&page=0&charts=M..B.A2B.F.R.A.2250.EUR.N+M..B.A2B.I.R.A.2250.EUR.N+M..B.A2B.I.R.A.2250.EUR.N&template=1

      Man sollte sich also nicht von der Situation im eigenen Land täuschen lassen. Im Ausland merken private Kreditnehmer nur sehr wenig von dem niedrigen Zinsniveau.

      Hoffe das hat Dir geholfen 🙂

      VG,
      Denny

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