Interview mit Mintos-CEO Martins Sulte | Baltikum-Reise 2019

Veröffentlicht von

Heute ist es endlich so weit: Das erste Interview der Baltikum-Reise 2019 geht online und ich bin schon mehr als gespannt auf euer Feedback! Die Veröffentlichung der Interviews erfolgt in chronologischer Reihenfolge der Aufnahme, sodass kein geringeres Unternehmen den Auftakt machen wird, als der aktuelle Branchenprimus Mintos!

Beim lettischen P2P-Anbieter sprach ich mit Mintos CEO Martins Sulte u.a. über seinen persönlichen Werdegang vor der Gründung von Mintos, die Entstehungsgeschichte der P2P-Plattform, die Auseinandersetzung mit der FCA und welche Expansionspläne man in Deutschland verfolgt.

» Empfehlung: Baltikum-Reise 2019: Zu Besuch bei Mintos, VIAINVEST, NEO Finance und Co.

Das Interview gibt es ausführlich und ungeschnitten (mit Ausnahme der erzwungenen Cuts aufgrund technischer Probleme) auf meinem YouTube-Account. Dort gibt es in der Beschreibung auch eine Übersicht zu den besprochenen Themen (Timestamps).

Einige der für mich interessantesten Antworten gibt es nachfolgend auch als deutsche Übersetzung.

GEWINNSPIEL: Wenn Du noch kein Investor bei Mintos bist, dann hast Du jetzt mit einer Anmeldung über folgenden LINK die Chance, einen der zehn begehrten Mintos Hoodies oder der Mintos gebrandeten Trinkflaschen zu gewinnen. Selbst ich habe keines von beiden bekommen, um die Exklusivität an dieser Stelle nochmal zu unterstreichen! 😉

Um Dich für das Gewinnspiel zu qualifizieren, musst Du dich zwischen dem 12. und 26. April unter folgendem Link: http://bit.ly/rethink-p2p-mintos bei Mintos anmelden. Gültig sind nur Neuanmeldungen, die vorher noch keinen Account bei Mintos hatten! 

Viel Spaß mit dem Interview!


Welchen persönlichen Werdegang hattest Du, bevor es zu der Gründung von Mintos kam?

Nach meiner schulischen Ausbildung habe ich angefangen an der Stockholm School of Econimics in Riga zu studieren, die eine der best bewerteten Business-Universitäten des Landes ist. Danach war ich dann für ca. ein Jahr bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young angestellt. Meistens ging es hierbei um die Prüfungen von Finanzdienstleistungsunternehmen. Doch dann habe ich relativ schnell realisiert, dass das nichts für mich war. Dadurch kam dann der Wechsel zum Investment-Banking, wo ich sechs Jahre lang für die SEB gearbeitet habe. Hier war ich speziell im Bereich M&A (Mergers & Acquisitions) tätig und habe primär Geschäftsführern beim Verkauf ihrer Unternehmen geholfen. Weil für mich aber schon früh feststand, dass ich auch einen MBA machen wollte, ging ich danach via INSEAD zu meinem nächsten Studium über.

In der Vorbereitung habe ich gelesen, dass, um Dein Studium zu finanzieren, Du sogar selbst als Kreditnehmer ein Darlehen via Prodigy Finance aufgenommen hast. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Prodigy Finance ist eine Art klassische P2P-Plattform. Der Unterschied ist, dass die Investoren Alumni der INSEAD Universität sind, die dann den neuen Studenten wiederum Geld leihen. Meine Eltern konnten mich finanziell nicht so umfangreich unterstützen und ich selbst hatte wenige Ersparnisse zu diesem Zeitpunkt. Daher musste ich einen Kredit aufnehmen.

Tatsächlich habe ich sogar bei den Banken nach einem Kredit angefragt und hatte sogar eine Immobilie die ich als Sicherheit zur Verfügung stellen konnte. Aber sie wollten nicht mal 50 Prozent als Sicherheit haben und meinten nur, dass sie kein Kredit-Produkt dafür hätten.

Ich möchte gerne über Deinen Namensvetter bei Mintos sprechen – Martins Valters. Er ist ein Mitgründer von Mintos und aktuell der COO und CFO des Unternehmens. Für mich ist er in der öffentlichen Wahrnehmung etwas unter dem Radar. Wie hab Ihr euch kennengelernt?

Als erstes: Martins ist ein ziemlich gebräuchlicher Name in Lettland. Wir haben ca. 12.000 Menschen mit dem Namen Martins in Lettland. Bei einer Population von nur zwei Millionen Einwohnern und unter der Annahme, dass die Hälfte davon Männer sind, macht das immerhin 1,2 Prozent aus.

Martins Valters ist mein erster direkter Vorgesetzter bei Ernst & Young gewesen. Wir haben häufig bei den Wirtschaftsprüfungen zusammengearbeitet. Er hat jedoch ca. elf Jahre dort gearbeitet. Unsere direkte Zusammenarbeit war also vergleichsweise kurz. Als ich jedoch an die Gründung von Mintos und einen möglichen Mitgründer dachte, stand Martins ganz oben auf der Liste. Wir kannten uns gut, haben uns gegenseitig vertraut und wir wussten um die Stärken des jeweils anderen. Im Gesamtpaket ergab das eine gute Synergie.

Wie entstand die Idee einen P2P-Marktplatz zu gründen und wie hat sich diese danach entwickelt?

Mein erster Plan nach dem MBA war einen Venture-Capital Fund aufzusetzen, primär für Investments im Baltikum. Doch nach drei bis vier Monaten Recherche habe ich gemerkt, dass der Markt dafür nicht groß genug sein würde, um dafür extra einen Fund zu initiieren.

Während des MBA-Studiums hatte ich aber weitere Ideen aufgeschrieben und mir überlegt, wie kann ich den größten Mehrwert liefern. Durch die Erfahrungen im Finanzsektor und meine in jungen Jahren entwickelte Leidenschaft für Technologie, waren das meine zwei Hauptelemente für die weiteren Überlegungen.

Zufällig habe ich dann 2014 einen Artikel in Techcrunch über P2P-Lending gelesen. Dort wurde ich auf ein in Großbritannien ansässiges P2P-Unternehmen aufmerksam, dass ein ähnliches Konzept wie Mintos in seiner Anfangszeit besaß. Zu Beginn war Mintos nämlich eher eine klassische P2P-Plattform, die sich selbst um die Akquise der Kreditnehmer gekümmert hat, die hypothekenbesichert waren.

Nachdem wir im Januar 2015 in den Markt gegangen sind, haben wir dann aber bereits im April/Mai gemerkt, dass es ein deutlich größeres Bedürfnis im Markt nach einem P2P-Marktplatzmodell gibt. Seit September 2015 haben wir uns dann ausschließlich darauf fokussiert.

Warum hat sich Mintos zu Beginn dafür entschieden die Kredite selbst zu akquirieren und was führte später zum Wechsel des Geschäftsmodells als P2P-Marktplatz?

Am Anfang haben wir uns sehr stark darauf fokussiert die Sicht der Investoren zu verstehen. Wir fanden, dass Investoren ein Interesse daran haben werden Geld an Kreditnehmer zu verleihen, deren Darlehen durch Immobilien besichert sind. Investoren haben somit eine gewisse Sicherheit und das Risiko-Rendite Verhältnis ist bei dieser Art von Zwischenfinanzierungsdarlehen sehr gut.

Danach haben wir gesehen, dass es eigentlich sehr viele dieser Kreditgeber gibt, die wir bei Mintos Darlehensanbahner nennen, die den gleichen Zugang zu Investoren als Finanzierungsquelle haben wollen.

Wenn wir uns den Markt angesehen haben, hat es für uns relativ wenig Sinn gemacht nur ein weiterer (klassischer) P2P-Anbieter zu sein, da alle Anbieter im Endeffekt um die gleichen Investoren konkurriert haben. Wenn man sich allein die Situation in Großbritannien bei Zopa, Ratesetter oder Funding Circle ansieht, dann wird die Basis an Investoren mit ziemlicher Sicherheit die gleiche sein. Wenn man sich als Anleger jetzt auf verschiedene Kredite diversifizieren will, muss man sich dafür aber wieder bei mehreren Anbietern anmelden und einzelne Investitionseinstellungen vornehmen.

Daher haben wir uns gedacht: Warum nicht einen Marktplatz für Investoren schaffen, der alle einzelnen Kreditgeber vereint? So waren unsere Gedankengänge beim Wechsel vom klassischen P2P-Modell hin zum Marktplatz.

Was waren für Mintos zu Beginn die größten Herausforderungen, um das Business zu starten?

Ich glaube es war die Tatsache, dass wir etwas Neues machen wollten, was noch nie zuvor gemacht worden war. Als wir zu den Kreditgebern gegangen sind, mussten wir zunächst unser Konzept erklären uns was es bedeutet Darlehensforderungen über einen Marktplatz an Investoren zu verkaufen, um somit die Darlehen zu finanzieren. Es war das erste Mal, dass Kreditgeber von so etwas gehört hatten und als wir es erklärt haben dachten diese sich nur: Warum seid ihr nicht gestern schon hier gewesen?

Es hat also ein bisschen gedauert, um Unternehmen für dieses Geschäftsmodell zu sensibilisieren. Genauso wie es auch bei den Investoren ein bisschen gedauert hat, um die Vorteile unseres Modells zu kommunizieren. Die Balance zwischen Investoren und Kreditverfügbarkeit war insgesamt sehr wichtig, da wir zunächst ein Überangebot an Darlehen hatten und mehr Investoren mit Kapital benötigt haben. Daher müssen wir auch heute noch auf eine gute Ausgewogenheit achten.

Die Finanzierung von Darlehen durch institutionelle Investoren ist ein einfacher und gleichzeitig gefährlicher Weg, um das Wachstum eines P2P-Anbieters voranzutreiben. Wie siehst Du die Zusammenarbeit zwischen institutionellen Investoren und P2P-Plattformen und gibt es auch bei Mintos Überlegungen diesen Weg zu gehen?

Wir fokussieren uns auf Privatanleger. Wenn wir von klassischen P2P-Plattformen sprechen, sehe ich diese als Darlehensanbahner und natürlich macht es hier mehr Sinn, wenn man sich bei der Finanzierung auch an institutionellen Investoren orientiert. Genau so passiert es auch mit den Darlehensanbahnern mit denen wir zusammenarbeiten. Ein Teil des Kapitals wird durch den Marktplatz finanziert und ein andere Teil durch institutionelle Investoren. Persönlich werden wir uns aber auch in Zukunft weiter an Privatanlegern orientieren.

Seit einiger Zeit gibt es einen sehr kontrovers diskutierten Artikel über Mintos online. Einer der „Vorwürfe“ behandelt die undurchsichtige Geschäftsbeziehung zu Aigars Kresenfelds, der sowohl Co-Founder von Mintos als auch gleichzeitig Co-Founder bei Mogo Finance sei – immerhin Mintos‘ größter Darlehenanbahner. Was kannst Do konkret zu der Zusammenarbeit sagen?

Aigars ist einer unserer Eigenkapital-Investoren, der seit Beginn an mit dabei war. Als es um die Finanzierung von Mintos ging habe ich ihn angesprochen, da ich ihn bereits kannte und er bei mehreren Finanzdienstleistern als Investor mit beteiligt war.

Natürlich gibt es durch seine Vielzahl an Engagements eine Überschneidung. Alle Darlehensanbahner werden von uns aber gleichbehandelt. Was wichtig zu verstehen sein muss ist, dass die Gesellschafter-Struktur bei Mintos sehr unterschiedlich zu den Kreditgeber-Strukturen ist. Selbst, wenn es dabei Überschneidungen gibt, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass man nicht auch zusammen Geschäfte machen kann.

Ein wichtiges Thema war bei Mintos zuletzt die Bekanntgabe der FCA, dass Mintos keine regulierten Tätigkeiten in Großbritannien durchführen darf. Das Thema wurde auf meinem Blog bereits ausführlich behandelt. Wie überraschend war die finale Ablehnung der FCA für Mintos am Ende?

Es war ein sehr langer Prozess, da wir uns vor ungefähr zwei Jahren dafür beworben hatten. Um etwas mehr Kontext zu geben: Nicht die Mintos Holding hat sich beworben, sondern wir haben ein Tochterunternehmen allein für das UK-Geschäft gegründet, die sich dann um die Abwicklung mit den Darlehensanbahnern und den Kreditnehmern gekümmert hätte. Mintos hätte dann lediglich die Technologie zur Verfügung gestellt.

Hinzukommt, dass Großbritannien ein sehr spezieller Markt ist und sich in den zwei Jahren seit unserer Bewerbung einiges getan hat, u.a. die Situation mit dem Brexit. Natürlich haben wir das bestmögliche versucht, um die Kriterien der FCA zu erfüllen, doch man war der Auffassung, dass wir nicht die möglichen Ressourcen zur Verfügung hätten. Daher werden wir das Feedback berücksichtigen und unsere UK-Operationen weiter fortsetzen.

Warum hat Mintos keinen Einspruch gegen den Entscheid der FCA eingelegt?

Es ist meiner Meinung nach nie eine sinnvolle Nutzung der Zeit, um mit Gesetzgebern zu streiten und zu diskutieren. Wir nehmen das Feedback lieber an, versuchen und daran zu orientieren und uns dann ggf. erneut zu bewerben.

Welche Pläne verfolgt Mintos bei seiner Expansion, speziell mit der Büroeröffnung in Berlin?

Primär aus dem Grund, weil wir näher an unseren Investoren dran sein wollen. Aktuell kommen über 50.000 unserer Investoren aus Deutschland. Ein weiterer Grund ist, dass wir zusätzlichen Zugriff auf klassifizierte Arbeitnehmer bekommen, da Berlin eine sehr internationale Stadt ist und eine sehr lebhafte Startup Szene besitzt. Aktuell sind wir 70 Mitarbeiter und aller Voraussicht nach werden wir bis zum Ende des Jahres dieses Anzahl verdoppeln.

Im November 2018 hat Mintos, im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde, bekanntgeben, dass man plant IBAN-Nummern einzuführen. Warum dieser Schritt und wie ist der aktuelle Status hierbei?

Mit der Einführung der IBAN-Nummern wäre das ein persönliches Bankkonto für die Anleger. Das bedeutet, dass der Mintos-Account in Zukunft wie jedes andere Bankkonto genutzt werden kann. Sei es für die Überweisung der Miete oder den Empfang des Gehalts. Es bietet also mehr Flexibilität für den Umgang des Kapitals auf Mintos.

Der Status ist so weit, dass wir es noch in diesem Jahr einführen wollen. Mal sehen wie schnell wir damit vorankommen, aber es ist in jedem Fall sehr zeitnah angedacht.


Wie hat Dir das Interview gefallen? Welche Aussagen fandest Du besonders interessant? Ich freue mich über Deine Gedanken in den Kommentaren!


Um keine weiteren Inhalte des Blogs mehr zu verpassen und um exklusiven Zugang zu Bonus-Aktionen zu bekommen, kannst Du dich unverbindlich in meinen Newsletter eintragen.  

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.