NEO Finance – Geschäfts- und Monetarisierungsmodell

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Die Analyse des Geschäftsmodells ist einer der wichtigsten Aspekte bei der qualitativen Bewertung eines Unternehmens. Daher ist der Zugang zu Geschäftsberichten, um herauszufinden wie sich P2P-Anbieter monetarisieren, eine zwingende Voraussetzung. Dieser Umstand ist allerdings nicht bei jeder P2P-Plattform gegeben.

NEO Finance ist ein schönes Beispiel dafür, dass es auch anders geht.

Interessierte Investoren können sich auf der Webseite drei unterschiedliche Arten von Reports ansehen und herunterladen:

  • Jahresabschlussberichte
  • Halbjährliche Berichte, inkl. Management-Report für das Unternehmen und deren finanzieller Situation
  • Quartalsergebnisse, inkl. Entwicklung der Umsatzperformance einzelner Einkommensquellen

Auf Basis dieser Informationen kann man sowohl die Geschäftsentwicklung ableiten (folgt zukünftig als separater Beitrag) als auch Einblicke in das Geschäfts- und Monetarisierungsmodell bekommen.

Wie das Geschäfts- und Monetarisierungsmodell der litauischen P2P-Plattform NEO Finance aussieht und wie ich dieses auch persönlich bewerte, erfährst Du im aktuellen Beitrag!


Das Geschäftsmodell als wichtigste Unterscheidung bei der Monetarisierung

Auf meinem Blog bin ich vor einiger Zeit auf das magische Dreieck der Monetarisierung bei P2P-Anbietern eingegangen. Dort habe ich einen allgemeinen Überblick gegeben, aus welchen drei primären Quellen (Privatanleger, Kreditgeber, Kreditnehmer) sich ausnahmslos alle P2P-Anbieter finanzieren.

Wichtig ist dabei, dass:

  • Abhängig vom Geschäftsmodell immer nur max. zwei von drei Primärquellen gleichzeitig monetarisiert werden können
  • Jede Primärquelle sich nochmal in mehrere Einkommensquellen aufteilen kann

Das wichtigste Unterscheidungskriterium bei der Monetarisierung ist das Geschäftsmodell. Anbieter mit einem P2P-Marktplatzmodell, wo die Kredite von externen Kreditgebern vorfinanziert und auf der P2P-Plattform bereitgestellt werden, finanzieren sich primär durch die Vertragsgebühren mit den kooperierenden Kreditgebern. Klassische P2P-Anbieter, wo die Darlehen selbst akquiriert und bewertet werden, monetarisieren sich in erster Linie über Gebühren beim Kreditnehmer.

Der große Vorteil besteht beim P2P-Marktplatzmodell darin, dass man dadurch das Kreditwachstum stark skalieren kann. Um das zu verdeutlichen: Im Mai 2019 konnte Mintos ein Kreditvolumen von 230 Mio. Euro über den Marktplatz vermitteln. Bei Bondora hingegen, einem Unternehmen mit klassischem P2P-Modell, summierte sich das gesamte Kreditvolumen der letzten elf Jahre auf nur 224 Mio. Euro. Beachtliche Dimensionen, die primär auf das Geschäftsmodell zurückzuführen sind.

Eine zentrale Ableitung ist daher, wie wichtig eine breite Monetarisierung bei Unternehmen mit klassischem P2P-Ansatz ist, wozu in diesem Fall auch NEO Finance gehört. Aber sehen wir uns das jetzt etwas genauer an.


Monetarisierung bei NEO Finance

Eine Orientierung der einzelnen Umsatzquellen bietet der letzte Sales Report für Q2/2019. Hier erkennt man, dass NEO Finance seinen Umsatz in drei Kategorien unterteilt:

  • Intermediary Fee Income
  • PIS Income
  • Other Income

1. Intermediary Fee Income

Hierbei handelt es sich um die beim Kreditnehmer anfallenden Provisionsgebühren für die Vermittlung des Darlehens. Kreditnehmer haben die Möglichkeit ein Verbraucherdarlehen von bis zu 15.000 Euro aufzunehmen, bei einer Laufzeit von maximal 60. Monaten.

Die Spanne der von NEO Finance erhobenen Vermittlungsgebühr, beträgt zwischen 4,9 Prozent bis 9,9 Prozent. Im zweiten Quartal 2019 lag dieser Wert bei 8,1 Prozent. Dieser Prozentsatz ergibt sich, wenn man die Vermittlungsgebühr durch das vermittelte Kreditvolumen dividiert.

Auszug aus dem Sales Report von Q2/2019 – Einkommensquellen NEO Finance

Mit 370.000 Euro im zweiten Quartal 2019, ist die Vermittlungsgebühr die mit Abstand größte Einnahmequelle von NEO Finance gewesen (ca. 55 Prozent). Dieser Wert wird in der Grafik zwar als Umsatz in Q2/2019 ausgewiesen, allerdings erstreckt sich diese Gebühr über die gesamte Dauer der vergebenen Darlehen. Was bedeutet das konkret?

Normalerweise, wie zum Beispiel bei Bondora, EstateGuru oder Auxmoney, wird die Vermittlungsgebühr unmittelbar nach der Auszahlung des Darlehens fällig. Nicht so bei NEO Finance. Hier wird die Provision erst anteilig mit der Rückzahlung der monatlichen Tilgung fällig und nicht gleich zu Beginn der Ausstellung des Darlehens.

Damit setzt sich NEO Finance in das gleiche Boot wie der Investor. Bekommt dieser sein Kapital nicht zurück, verdient auch NEO Finance kein Geld durch den Kreditnehmer. Ein aus meiner persönlichen Sicht sehr fairer und aufrichtiger Ansatz gegenüber seinen Investoren.

Die 370.000 Euro Umsatz in Q2/2019 beziehen sich also nicht auf den tatsächlichen Umsatz des Quartals, sondern auf die erwartete Provision durch das 4,55 Mio. Euro vermittelte Kreditvolumen über die gesamte Kreditlaufzeit. Allerdings muss auch beachtet werden, dass dieser Wert keine Kreditausfälle berücksichtigt, gleichbedeutend mit Verlusten bei der Provision.

Dennoch wäre NEO Finance, auch unter Berücksichtigung realistischer Abzüge durch Kreditausfälle, bereits heute ein profitables Unternehmen, wenn man die im Sales Report für Q2/2019 offenen Vermittlungsgebühren, in Höhe von 3,65 Mio. Euro, berücksichtigt.


2. PIS Income

PIS steht für Payment Initiation Service. Dabei handelt es sich um eine IT-Entwicklung seitens NEO Finance, die seit April 2018 im Einsatz ist und primär in Online-Shops als Bezahlmöglichkeit eingesetzt wird. Der Markenname dieser Dienstleistung heißt NEO Pay und bietet in Litauen eine Alternative zur Zahlungsabwicklung im Vergleich zu klassischen Banken- und anderen Zahlungsdienstleistern.

Zu den größten Kunden von NEO Pay zählen derzeit Mano Gile, ein Portal für die Auswahl der Strom- und Gasversorgung, das Versorgungsunternehmen viena saskaita und der Ticketvertrieb Tiketa.

Im zweiten Quartal 2019 wurden durch NEO Pay 806.897 Transaktionen durchgeführt, was zu einem Umsatz von immerhin 30.000 Euro geführt hat. Das entspricht einem Umsatz von 0,037 Euro pro Transaktion. Tendenz stark steigend.

Dass NEO Finance diese Lösung als PIS überhaupt anbieten kann, hängt mit dem Erwerb der Electronic Money Institution License zusammen. Diese ist seit November 2018 verpflichtend im litauischen Bezahlgesetz vorgegeben, sofern man Lösungen in diesem Segment anbieten will.


3. Other Income

Hier werden alle sonstigen Umsatzquellen aufgeführt, wozu unter anderem Abhebungsgebühren, Gebühren für die Verwaltung, die Führung von Zweitkonten oder Gebühren im Zusammenhang mit EMI gehören.

Auch wenn es für die vielen kleinen Dienstleistungen keine übergeordnete Kategorie zu geben scheint, machte dieser Anteil des Kuchens in Q2/2019 immerhin 40 Prozent des gesamten Umsatzes aus.

Wenn Du dich zu diesem oder weiteren Themen mit anderen Privatanlegern austauschen willst, dann schau im P2P-Forum vorbei oder werde Mitglied in der re:think P2P Community auf Facebook!

Persönliche Bewertung des Geschäftsmodells von NEO Finance

Jedem steht es frei, die oben geführten Zahlen für sich zu interpretieren. Für mich persönlich fallen jedoch zwei Dinge beim Geschäftsmodell besonders positiv auf.

Erstens: Das Verhältnis zwischen Umsatz und Kreditvolumen. Wenn man allein die Zahlen aus Q2/2019 heranzieht, dann beträgt der Umsatz von NEO Finance, bezogen auf das vermittelte Kreditvolumen, stolze 14,75 Prozent. Sicherlich muss berücksichtigt werden, dass die Intermediary Fee Income auch niedriger ausfallen kann und dass das PIS Income nur sehr indirekt im Zusammenhang mit dem Kreditvolumen steht. Dennoch würde eine geglättete Betrachtung bei über zehn Prozent liegen, was ich als einen starken Wert einschätze.

Zweitens: Breite Streuung der Einnahmequellen. Wie bereits erwähnt, ist es für klassische P2P-Anbieter bedeutend wichtiger möglichst breit bei den Umsatzerlösen aufgestellt zu sein. Dass die Provisionsgebühr durch Kreditnehmer dabei den größten Anteil ausmacht, ist nicht ungewöhnlich. Aber auch die vielen anderen Gebühren (Other Income) summieren sich auf einen nicht unwesentlichen Betrag. Als letztes kommt auch noch die Dienstleistung als PIS-Anbieter hinzu. Obwohl erst im April 2018 am Markt, zeigt das steigende Transaktionsvolumen – und damit auch der Umsatzanstieg – dass es sich dabei langfristig um eine profitable Ergänzung der Umsatzerlöse handeln wird.


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NEO Finance – Geschäfts- und Monetarisierungmodell – Das Video


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