Interview mit Grupeer Co-Founderin Alla Kisika

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Heute geht es mit der Interview-Reihe von der Baltikum-Reise 2019 weiter. Es steht das vierte und damit auch das letzte in Riga aufgenommene Video an. Nach Mintos, VIAINVEST und Twino, war ich dieses mal zu Gast beim lettischen P2P-Anbieter Grupeer, wo ich mich mit Co-Founderin Alla Kisika zum Gespräch traf.

Obwohl ich bis dato nur sehr wenige Vorerfahrungen mit der P2P-Plattform hatte, war ich im Vorfeld dennoch sehr neugierig und auch gespannt auf das Kennenlernen. Zum einen, da Alla als eine von wenigen Frauen in einer Führungs- und Managementposition eines Crowdlending-Unternehmens ist, zum anderen aufgrund ihres Lebenslaufes, der nicht unbedingt auf eine klassische Führungsposition an der Spitze eines Unternehmens hindeutet.

Mehrere Jahre Berufserfahrung als Vertriebler und Projekt Manager in Australien und Großbritannien weckten meine Neugier, wie es zu der Entwicklung und Gründung von Grupeer kam.

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Im Büro angekommen, begrüßte mich zunächst Affiliate & Community Managerin Viktorija und führte mich durch die einzelnen Abteilungen des Büros. Ein echtes Energiebündel, das aus meiner Sicht sinnbildlich für das große Engagement aller Mitarbeiter steht. Wäre ich gezwungen ein Unternehmen zu nennen, dessen Mitarbeiter auf mich den engagiertesten und wissbegierigsten Eindruck gemacht haben, dann wäre es Grupeer.

Interessanterweise kamen wir auch im Interview darauf zu sprechen. Alla sieht in der Mitarbeiterauswahl den wichtigsten Faktor für ein langfristig erfolgreiches Unternehmen. Meinen Eindrücken nach, hat sich diese Aussage bestätigt. Allgemein war es ein Interview, dass einen durchgehend starken „Unternehmergeist“ versprühte. Aber seht und lest am besten selbst!

GEWINNSPIEL: Grupeer ist, nach zwei Jahren am Markt, immer noch ein vergleichsweise junges aber sehr stark wachsendes Unternehmen. Daher bietet das Unternehmen zwei Mal ein Startguthaben für neue Investoren, im Wert von 50 Euro an. Um Dich dafür zu qualifizieren, musst Du dich in der Zeit vom 24. Mai 2019 bis 7. Juni 2019 über folgenden Link http://bit.ly/rethink-p2p-grupeer bei Grupeer registrieren und mindestens 100 Euro auf der Plattform investieren. Viel Glück!

Auf meinem YouTube-Kanal gibt es das ungekürzte Video in voller Länge. Außerdem befinden sich in der Videobeschreibung Timestamps zum schnelleren navigieren. Die wichtigsten Aussagen gibt es nachfolgend als deutsche Übersetzung. Viel Spaß!


Du hast für eine Frau in Deiner Position, einen sehr ungewöhnlichen Lebenslauf. Was kannst Du über den Weg erzählen, der Dich am Ende zu Grupeer geführt hat?

Mein Weg fing mit einem Wirtschaftsstudium an der University of Latvia in Riga an. Danach bin ich nach Australien umgezogen, um dort meinen Masterabschluss im Bereich Projektmanagement und Marketing zu absolvieren. Anschließend ging es nach England, wo ich als Projektleiterin im Bauwesen gearbeitet habe. Ich mag Baumaßnahmen, weshalb es auch sehr viele Entwicklungsprojekte auf unserer Webseite gibt. Gleichzeitig hat mein Bruder zwanzig Jahre lang Erfahrung als Entwickler gesammelt.

Der Grund, warum ich mit Grupeer begonnen habe ist der, dass ich ständig an Projekten gearbeitet habe, wo – speziell im Bauwesen – die Leute immer eine Finanzierung benötigt haben. Die meisten davon haben großartige Ideen und sind gut in dem Geschäft, dass sie betreiben. Aber es fehlt die Erfahrung, um auch die Banken davon zu überzeugen. Daher sind wir mit der Idee gestartet, dass professionelle Mitarbeiter die Unternehmen bewerten (Due Dilligence), sich das Geschäftsmodell ansehen und wir danach entscheiden, ob wir ihnen eine Finanzierung anbieten können. So ging es mehr oder weniger los.

2016 haben wir dann die ersten Leute damit beschäftigt die Webseite aufzubauen, was ungefähr ein Jahr lang gedauert hat. Seit 2017 sind wir am Markt und wir entwickeln uns aktuell sehr schnell. Vor einem Jahr hatten wir noch 10 Mitarbeiter, mittlerweile sind es 46. Wir sind zwar erst vor kurzem umgezogen aber wir beschäftigen uns bereits jetzt damit ein weiteres Büro anzumieten.

Diese Beobachtung, dass es Finanzierungsprobleme im Bauwesen gab, war das eine globales Problem oder nur speziell im Raum Großbritannien?

Es ist ein globales Problem, definitiv. Nur die ganz großen Unternehmen haben keine Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Aber speziell kleinere Unternehmen mit guten Geschäftsideen, haben weltweit ein Problem bei diesem Thema.

Am Anfang hast Du studiert und als Angestellte gearbeitet. Auch aus persönlichen Gründen kann ich mir vorstellen, dass es irgendwann einen Punkt gegeben hat, an dem man sich entscheidet, seinen eigenen Weg zu gehen. Wie lief der Entscheidungsprozess bei Dir ab, sich auf die Abenteuerreise als Unternehmer einzulassen? Schließlich geht es dabei auch immer um viel Verantwortung und teilweise auch finanzielle Risiken, die man mit diesem Schritt eingeht.

Mein Bruder hat nie als Angestellter gearbeitet. Er hat sein eigenes Unternehmen, seitdem er 18 Jahre alt ist. Ich war immer von der Art und Weise inspiriert, wie er mit anderen Leuten zusammengearbeitet und sein Geschäft geführt hat. Das hat mich definitiv inspiriert, eines Tages mein eigenes Unternehmen zu gründen.

Im Bauwesen weißt Du nie genau, was am nächsten Tag los sein wird. Viele Dinge ändern sich und es kommt auf sehr viele Details an. Genau deshalb würde ich den meisten angehenden Gründern empfehlen, sich mit dem Thema Stress-Management zu befassen. Früher oder später lernt man das durch Erfahrungen und dem Umgang mit Alltagsproblemen. Egal was Du machst, Probleme werden immer wieder auftauchen und man muss lernen damit umzugehen und diese zu überwinden. Ein Schritt nach dem anderen.

Die Zahlen bei den Mitarbeitern und beim Umsatzvolumen deuten an, dass Grupeer aktuell sehr stark wächst. Wie will man dieses Wachstum in den nächsten Jahren moderieren und wo soll die Reise in naher Zukunft hingehen?

Es stimmt, wir wachsen sehr schnell. Daher werden wir zeitnah eine weitere Etage in unserem Büro anmieten. Wir verbringen auch viel Zeit damit, die richtigen Mitarbeiter einzustellen. Dafür haben wir zwei HR-Mitarbeiter und einen Coach angestellt, um die richtigen und passenden Leute zu finden.

Es hat mich sehr glücklich gemacht, dass mehrere Mitarbeiter zu mir gekommen sind und gesagt haben, dass Grupeer das beste Unternehmen sei, für das sie bis jetzt gearbeitet haben.

Warum glaubst Du, dass das so ist?

Wir stellen interessante Leute ein. Nicht nur jene, die viel von dem Markt verstehen in dem wir arbeiten, sondern Menschen, die sehr viel lesen, reisen und sich auch mit anderen Themen beschäftigen – abseits vom Unternehmensgeschäft.

Gibt es eine Bedeutung für den Unternehmensnamen Grupeer? Etwas wie Group und Peer vielleicht?

Genau so war es. Eine Gruppe von Menschen, die zusammen investieren können. Tatsächlich handelt es sich bei Grouper um einen großen und weisen Fisch (Anm.: Zackenbarsch). Einmal habe ich im Restaurant auch ein Foto gemacht und geschrieben, dass ich mein eigenes Unternehmen esse (lacht).

Neulich bin ich durch mein E-Mail-Postfach gegangen und habe dabei zufällig eine alte E-Mail von meinem Bruder entdeckt. Damals, als mein Bruder und ich über den Namen für das Unternehmen nachgedacht haben, hat er mir mal eine Email geschrieben und gefragt, was ich von Grupeer halte. Ich fand das gut. Ich habe also immer noch die E-Mail, die den Anfang des Unternehmens markiert hat.

Wenn man sich die Beziehung zwischen Dir und Deinem Bruder so ansieht, wer war dabei die treibende Kraft das Unternehmen zu gründen?

Hauptsächlich mein Bruder. Er hat gesehen, wie ich sehr große Projekte in Großbritannien betreut habe und er meinte, dass ich mittlerweile genug Erfahrung gesammelt hätte, um zusammen mit ihm zu arbeiten. So fing es an.

Wenn man sich die Webseite und auch das Branding des Unternehmens ansieht, kommt immer wieder das Segeln als zentrales Motiv vor. Hat das einen bestimmten Grund?

In erster Linie, weil Grouper ein Fisch ist. Aber auch darüber hinaus, weil wir gerne auf dem See sind und segeln gehen. Ich persönlich mag das Meer, weil es so eine große Energie und Kraft besitzt, zum Beispiel bei Stürmen. Gleichzeitig kann eine ruhige See auch sehr entspannen. Ich mag diese Balance.

Als wir im September 2018 mit ein paar Kollegen in Kroatien waren, um dort einen Film für die Webseite zu drehen, waren wir auch auf See. Dort ist es wie im Unternehmen: Ganz allein, kann man das Boot nicht steuern. Man benötigt die Hilfe und Mitarbeit anderer Personen.

Was waren zu Beginn die größten Herausforderungen bei Grupeer?

Viele Menschen fragen mich das. Es ist schwer, eine bestimmte Sache hervorzuheben. Die meisten Dinge waren eine Herausforderung. Die Realität ist die, dass wir einfach angefangen haben. Wir hatten keine Ahnung, ob es funktionieren würde. Alles was wir wussten, war, dass es im Markt definitiv eine Nachfrage dafür gibt – sowohl von Investoren Seite als auch von Kreditgebern und Unternehmern.

Viele P2P-Anbieter, speziell in Lettland, fokussieren sich auf Verbraucherdarlehen. Warum widmet sich Grupeer den Geschäftsdarlehen?

Wir haben uns einfach den Markt und die Nachfrage angesehen und gemerkt, dass es speziell in diesem Segment Bedarf gibt. In Russland zum Beispiel gibt es aktuell einen sehr stark wachsenden Markt bei den Mikrofinanz-Institutionen.

Einer der ersten Kreditgeber, mit denen wir in diesem Bereich zusammengearbeitet haben, ist Monify. Wir haben ein sehr enges Verhältnis und fast jede Woche gehen Mitarbeiter von uns in deren Büro. Wir haben bereits vorher in einem anderen Kontext mit ihnen zusammengearbeitet und daher ist das Vertrauen sehr hoch.

Beim P2P-Geschäftsmodell stellt sich früher oder später die Frage, ob man die Darlehen selbst bewertet und vorfinanziert oder diesen Prozess an externe Kreditgeber outsourct. Warum hat man sich für die zweite Variante entschieden?

In der Realität überprüfen wir die meisten Darlehen selbst. Vielleicht bekommen wir viele Kredite vermittelt, die nur dem Kreditgeber helfen, weil er daran gut verdient. Aber für uns kann das sehr gefährlich sein. Daher nehmen wir durchschnittlich nur 65 Prozent der Kredite, manchmal sogar weniger, in unser Portfolio auf. Wir überprüfen die Kredite also immer auch ein zweites Mal mit unserem Team.

Wie werden diese Kredite dann intern bewertet?

Als erstes sieht sich unser internes Finanzteam alle Zahlen an und überprüft diese auch. Manchmal sogar auch vor Ort. Auch Banküberweisungen und Kontenbewegungen, also wo das Geld hinfließt, werden überprüft. Unsere interne Vorgehensweise ist dabei sehr streng, da wir neu im Markt sind und das Vertrauen unserer neuen Investoren rechtfertigen wollen. Daher sind wir sehr vorsichtig und überprüfen alles ganz genau.

Auf meinem Blog hat Grupeer bei den Neujahrsvorsätzen für 2019 von der Einführung eines Stability Funds gesprochen. Geplant war ein Launch im Frühjahr des Jahres. Wie ist der aktuelle Stand und was steckt hinter dem Stability Fund?

Wir haben ein ganzes Team, dass aktuell daran arbeitet. Zum Frühjahr wird es nichts mehr, aber es wird definitiv noch in diesem Jahr online gehen.

Zum Fund selbst: Was wir gesehen haben ist, dass es politisch viele Ungewissheiten gibt. Sei es mit dem Brexit oder auch die politische Situation in Russland und anderen osteuropäischen Staaten. Viele haben Angst um ihre Rente und wissen nicht, ob sie im Alter so leben können, wie sie sich das vorgestellt haben.

Mit dem Fund wollen wir die Leute erreichen, die vielleicht nicht genug Geld haben, um sich ein ganzes Haus zu kaufen, aber die 10.000 Euro oder 15.000 Euro anlegen können. Mit dem Fund kann man Teileigentümer einer Wohnung werden und eine bestimmte Anzahl an Quadratmetern besitzen.

Welche Rendite können Anleger hierbei erwarten? Wird es ähnlich wie bei Bondora Go&Grow einen vorgegebenen Zielwert geben?

Um die sieben Prozent. Es gibt keine Garantie, aber wir wollen versuchen dieses Level zu halten und zu etablieren. (Anm.: Stand 24.05.2019 ist die Einführung des Stability Funds bis auf weiteres aufgeschoben)

Einer der wichtigsten Voraussetzungen für mich als Investor, ist die Transparenz des Unternehmens. Grupeer ist jetzt seit zwei Jahren im Markt. Ist es geplant, demnächst auch einen Geschäftsbericht zu veröffentlichen?

Wir verstehen, dass Transparenz in unserem Markt sehr wichtig ist und dass das Vertrauen eine wichtige Rolle spielt. Ich denke schon, dass wir in diesem Jahr noch Ergebnisse für 2018 präsentieren können.

Grupeer ist jetzt seit zwei Jahren am Markt. Was waren aus Deiner Sicht die wichtigsten Lektionen, die Du für Dich persönlich gelernt hast, aber auch im Hinblick auf die Entwicklung von Grupeer?

Ich habe sehr viel gelernt. Ein Unternehmen zu führen, ist die beste Schule des Lebens. Ich habe viel über die Menschen gelernt, die Geschäftswelt und ich genieße die Erfahrungen mit den Personen und den Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten.

Was ich im Business gelernt habe, ist, dass man nur mit Profis zusammenarbeiten sollte. Warren Buffet hat mal gesagt, dass wenn man Leute einstellt, man nach drei Qualitäten sucht: Integrität, Intelligenz und Energie. Wenn diese allerdings keine Integrität haben, töten sie das Unternehmen.

Genau nach diesem Kredo suchen wir nach Leuten für unser Unternehmen. Das ist das Wichtigste. Wir können Leuten immer wieder etwas neues beibringen. Aber diese drei Dinge müssen einfach da sein.

Wenn man sich die letzten zwei Jahre ansieht, würdest Du gewisse Sachen anders machen und lösen?

(Überlegt lange) Ich glaube, dass wir keine großen Fehler gemacht haben. Wir waren immer auf einem guten Weg.

Wie sieht die Zukunft bei Grupeer aus? Was können Investoren erwarten?

Unser Blog erzählt sehr viel über die Entwicklung und auch die Ziele des Unternehmens. Darüber hinaus sind die Kommunikationswege immer offen. Bei Fragen sind wir per Telefon oder Email immer erreichbar.

Ich würde mich freuen, wenn neue Investoren uns das Vertrauen schenken und ein Teil des Unternehmens werden. Vielen Dank auch an alle Anleger, die uns auf diesem Weg bereits unterstützt haben.


Das war das Interview mit Alla Kisika, Co-Founderin von Grupeer. Wie fandest Du die Aussagen und welche Meinung hast Du zu Grupper ganz allgemein? Lass es mich gerne mit einem kurzen Kommentar wissen! Mitteilungen zu weiteren relevanten und tiefgründigen P2P-Inhalten bekommst Du in meinem Newsletter. Zusätzlich kannst Du dich gerne auch in der re:think P2P-Kredite Community auf Facebook auch mit gleichgesinnten Privatanlegern austauschen und vernetzen.

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