PeerBerry, Russland und die Ukraine: 42 Mio. Euro in Gefahr

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PeerBerry, Russland und die Ukraine. Drei Worte, die momentan eine toxische Kombination für viele Privatanleger darstellen. Insgesamt gibt es auf der Plattform 41,8 Mio. Euro an offenen Forderungen durch russische und ukrainische Kredite, was, zum Zeitpunkt Ende Februar, ca. der Hälfte des gesamten Portfolios auf PeerBerry entsprochen hat.

Wie wahrscheinlich ist es, dass diese ausstehenden Kredite zurückgewonnen werden können? Droht den Investoren hier womöglich ein Kapitalverlust? Und wie soll es jetzt insgesamt bei PeerBerry weitergehen?

Mit diesen und noch weiteren Fragen beschäftige ich mich in dem aktuellen Artikel. Weitere Informationen und Analysen zur Plattform findet man in meinen PeerBerry Erfahrungen.

Letzte Aktualisierung: 17.03.2022


PeerBerry am stärksten vom Krieg in der Ukraine betroffen

PeerBerry ist von allen P2P Plattformen am stärksten von dem Krieg in der Ukraine und von den Sanktionen gegenüber Russland betroffen. Das gilt nicht unbedingt in absoluten Zahlen, aber auf jeden Fall bei einer prozentualen Betrachtung des Gesamtportfolios.

P2P PlattformOffene UA/RU ForderungenAnteil Gesamtportfolio
Mintos60,4 Mio. Euro (nur RU)15%
PeerBerry41,8 Mio. Euro47%
Twino5,5 Mio. Euro19%
Debitum1,9 Mio. Euro23%

Entsprechend groß ist jetzt natürlich das Interesse von Investoren-Seite wie es hier in Zukunft weitergehen wird. Auch in den Kommentaren zu meinem vorletzten Video wurde sich mehrfach eine ausführliche Analyse von mir zu der Situation bei PeerBerry gewünscht.

Was positiv zu erwähnen ist: PeerBerry ist momentan sehr aktiv, sehr offen und auch transparent in der Kommunikation mit den Investoren, was auf jeden Fall als ein gutes Zeichen zu werten ist und was aber auch – wenn man ehrlich ist – in der Vergangenheit nie eine Baustelle bei der Plattform gewesen ist.

Hier ist eine Auswahl an zuletzt veröffentlichten Artikeln:

Für euch werde ich nachfolgend versuchen die wichtigsten Informationen zusammenzufassen, diese sinnvoll zu ordnen und natürlich auch persönlich zu bewerten.


Der Status Quo: 42 Mio. Euro sind in Gefahr

Fangen wir mit einem aktuellen Überblick und dem Status Quo bei PeerBerry an.

Am 16. März lag das insgesamt ausstehende Kreditportfolio auf PeerBerry bei ca. 89 Mio. Euro, wovon 47%, beziehungsweise 41,8 Mio. Euro, auf ukrainische als auch russische Kredite entfallen sind.

peerberry-ukraine-russland-p2p-kredite
42 Mio. Euro (47%) des PeerBerry Kreditportfolios sind in Gefahr

In der Gegenüberstellung beider Länder machen die ukrainischen Kredite 22 Mio. Euro und 25% aus, in Russland sind es 19,8 Mio. Euro und 22%.

Bei der Aufteilung des betroffenen Kreditportfolios nach Kreditgebern sehen wir, dass 32,5 Mio. Euro, beziehungsweise 78%, auf die Aventus Gruppe entfallen und 9,3 Mio. Euro, beziehungsweise 22%, auf Gofingo.


PeerBerry und die Lage in der Ukraine

Die Ukraine gehörte bei den PeerBerry-Partnern mit zu den am besten entwickelten, größten und profitabelsten Märkten, was ein Blick auf das letztjährige Geschäftsergebnis der Aventus Gruppe verdeutlicht. Ein erzielter Netto-Gewinn von 23,5 Mio. Euro bedeutet, dass knapp zwei Drittel der Profite im Jahr 2021 aus der Ukraine gekommen sind.

Die neun auf PeerBerry betroffenen Kreditgeber besitzen aktuell ein in der Ukraine ausstehendes Kreditportfolio von 91,5 Mio. Euro, wobei die erwartete Rückgewinnungsquote momentan auf 50% geschätzt wird. Das würde ca. 46 Mio. Euro entsprechen und somit alle offenen Forderungen auf PeerBerry abdecken.

KriterienAventus GruppeGofingo GruppeGESAMT
Betroffene Kreditgeber639
Geschäftsergebnis 202123,5 Mio. Euro1,5 Mio. Euro25 Mio. Euro
Ausstehendes Portfolio77,1 Mio. Euro14,4 Mio. Euro91,5 Mio. Euro
Davon im Zeitplan34 Mio. Euro9,8 Mio. Euro43,8 Mio. Euro
Verbindlichkeiten12,7 Mio. Euro9,3 Mio. Euro22 Mio. Euro
Cash Reserven1,2 Mio. Euro0,8 Mio Euro2 Mio. Euro

Aber: Solche Zahlen von außen richtig zu bewerten und einzuordnen ist natürlich extrem schwierig. Beim ersten Eindruck sieht es für mich persönlich nach einer etwas zu optimistischen Einschätzung aus, zumal dieser Wert sicherlich sehr stark davon abhängig sein wird, wie und wann der Krieg in der Ukraine enden wird.

Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass diese Vorhersage auf Basis der aktuellen Rückgewinnungen erstellt wurde und dass die Ausfallquote ukrainischer Kredite in der Vorkriegszeit bei ca. 6% lag.

Sobald ein Geldtransfer von den ukrainischen Banken wieder möglich sein wird, können die erwarteten Rückgewinnungen dann auch zu den PeerBerry Investoren weitertransferiert werden.


PeerBerry und die Lage in Russland

Das Problem mit der Zahlungsabwicklung betrifft auch die Kreditgeber in Russland.

Hier hat die russische Zentralbank Gesetze eingeführt, welche die Geldtransfers zu bestimmten Ländern außerhalb Russlands stark einschränken. Wer diese Regeln missachtet oder keine glaubwürdigen Gründe bei der Zentralbank vorweisen kann, der riskiert damit langfristig den Entzug der Kreditgeberlizenz in Russland, was ein hohes Risiko darstellt und was viele Unternehmen perspektivisch vermeiden wollen.

Die Aventus Gruppe, die aktuell mit drei russischen Kreditgebern auf PeerBerry vertreten ist, arbeitet hier bereits an legalen Alternativen für den Geldtransfer in die EU. Persönlichen glaube ich, dass es nur eine Frage der Zeit sind wird, bis diese Baustelle behoben wird.

KriterienAventus Gruppe
Betroffene Kreditgeber3
Geschäftsergebnis 20217,4 Mio. Euro
Ausstehendes Portfolio43,2 Mio. Euro* (Akt. FX)
Davon im Plan (keine Verzögerungen)20,3 Mio. Euro* (Akt. FX)
Verbindlichkeiten19,8 Mio. Euro
Cash Reserven400.000 Euro

Ein weiteres Problem stellen die Schwankungen beim Wechselkurs dar. Aufgrund der wachsenden Sanktionen gegenüber Russland und dem drohenden wirtschaftlichen Abschwung, wird der russische Rubel zunehmend abgewertet, was auch direkte Auswirkungen auf den Portfoliowert der Kreditgeber besitzt.

Unter Berücksichtigung des aktuellen Wechselkurses, beträgt das in Russland offene Kreditportfolio ca. 43 Mio. Euro, wobei die Hälfte der Kreditnehmer sich aktuell im Rückzahlungsplan befinden.

PeerBerry sprach auf dem Blog davon, dass die russischen Kreditgeber soweit gang normal weiterarbeiten würden und dass die Rückzahlungsdisziplin der Kreditnehmer in Takt sei.

Auf Nachfrage ob es normal sei, wenn sich mehr als 50% der Kreditnehmer im Zahlungsverzug befinden würden, entgegnete man mir, dass hier auch wenige Tage mit Zahlungsrückstand berücksichtigt werden. Wie hoch die Verzugsquote mit mehr als 60 Tagen Zahlungsrückstand sei, konnte man mir im Detail nicht beantworten.


Prognose für die Rückgewinnung der vom Krieg betroffenen Kredite

Kommen wir nun zu der Prognose bei den Rückgewinnungen, für die vom Krieg betroffenen Kredite.

Aktuell gehe man davon aus, dass alle Investitionen in ukrainische als auch russische Kredite innerhalb von 24 Monaten komplett zurückgezahlt werden können.

Dieser Zeitplan hängt natürlich sehr stark von dem weiteren Verlauf und der Entwicklung des Krieges ab. Je länger dieser dauert, desto größer der Schaden für die russische als auch die ukrainische Wirtschaft. Je früher der Krieg endet, desto wahrscheinlicher ist es, dass die betroffenen Investitionen sogar noch früher zurückgezahlt werden können.


Wichtige Informationen über die Rückzahlung UA/RU Kredite

PeerBerry hat darüber hinaus aber noch weitere Details bezüglich der Rückzahlung offener Kredite angekündigt.

So wird es unter anderem bei den kurzfristig laufenden Krediten auch eine Verzinsung für die Auflaufzeit von bis zu 60 Tagen geben, allerdings nicht mehr darüber hinaus.

Die Rückzahlung der Darlehen soll dann schrittweise und nur einmal pro Quartal erfolgen, wobei der nächste Termin hierfür im April sei.

Mindestens 50% der Gewinne sollen für die Rückzahlung der vom Krieg betroffenen Kredite verwendet werden, die anderen 50% fließen hingegen in die Entwicklung der nicht-betroffenen Geschäftsbereiche.


Meine Meinung zur Lage bei PeerBerry

Wie schätze ich persönlich die Situation bei PeerBerry ein und was denke ich auch über die Prognose beim Rückgewinnungsplan?

Erstmal finde ich es gut, dass man sich dazu entschieden hat relativ offen und transparent mit der Situation umzugehen und auch Zahlen in den Raum gestellt hat, die später ggf. auch gegen einen verwendet werden können. Zahlen und Prognosen sind insofern aber gut und wichtig, als dass diese den Investoren eine Art Orientierung und etwas handfestes in ungewissen und unsicheren Zeiten mitgeben.

Diese Zahlen aber persönlich zu bewerten und einzuordnen ist als außenstehender extrem schwierig, da aus meiner Sicht einfach zu viele Faktoren von der Länge, dem Verlauf und dem Ausgang der Krieges abhängig sein werden. Kausale Zusammenhänge wie eine 50% Rückgewinnung des ukrainischen Kreditportfolios, was zu einer Rückzahlung aller offenen Forderungen führt, entbehren jeder aktuell anwendbaren Logik. Natürlich könnte man solche Simulationen durchspielen, deren Aussagekraft halte ich in der aktuellen Phase allerdings für sehr gering.


Das oberste Ziel: Keine Kapitalverluste für Investoren

Eindeutig ist für mich aktuell nur die Ableitung, dass die Chancen auf eine zeitnahe Rückzahlung umso besser stehen, je früher dieser Krieg sein Ende finden wird. Eine existenziell bedrohliche Lage erkenne ich aktuell weder bei PeerBerry noch deren Kreditgebern.

Der Balance-Akt wird jetzt darin bestehen zeitnah die Verbindlichkeiten zu tilgen, ohne dabei das Auge für die finanzielle Stabilität und das Wachstum des Unternehmens zu vernachlässigen.

Natürlich könnte man jetzt noch diskutieren, ob PeerBerry eine gewisse Mitschuld an dieser Entwicklung trägt. Zum Beispiel, weil man im Vorfeld falsche Erwartungen bezüglich der Reserven oder der Rückkauf- und Konzerngarantien geweckt hat. Oder ob dieser flächendeckende Krieg in der Ukraine, der sicherlich nicht nur PeerBerry überrascht hat, tatsächlich unter die Kategorie „Höhere Gewalt“ einzuordnen ist, auf die sich die Plattform mehrmals berufen hat.

Fakt ist, dass PeerBerry und deren Kreditgeber scheinbar nicht den Weg durch die Hintertür gehen werden, sondern dass man versucht, zwei Jahre nach der globalen Pandemie, sich der nächsten wahnwitzigen Herausforderung zu stellen.

Sollte das Gelingen und PeerBerry würde nach spätestens zwei Jahren keine offenen Forderungen mehr in der Ukraine und Russland besitzen, wäre das wohl das ultimative Siegel für die Sicherheit und die Unverwüstlichkeit dieser Plattform!


P2P Kredite und der Ukraine Krieg: Alle Updates

Der Krieg in der Ukraine bedeutet eine erneut große Belastungsprobe für viele P2P Plattformen in Europa. Um immer informiert zu bleiben, empfehle ich regelmäßig auf dieser Seite vorbeizuschauen oder Mitglied in der P2P Kredite Community auf Facebook zu werden.


PeerBerry Probleme in Russland und der Ukraine: Das Video!


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