Sind P2P Kredite ein Investment für die Ewigkeit?

Veröffentlicht von

Sind P2P Kredite ein Investment für die Ewigkeit? Gehört diese Anlageklasse, die in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg und einen (scheinbar) ebenso schweren Absturz erlitten hat, langfristig in das Anlage-Portfolio deutscher Privatanleger?

Mit dieser Frage habe ich mich zuletzt mal wieder beschäftigt, da sich das Stimmungsbild – seit dem Ausbruch der Corona Pandemie – etwas gedreht hat. Viele Anleger haben verstanden, dass eine zweistellige Rendite bei P2P Krediten keineswegs garantiert ist und dass sich viele Risiken materialisiert haben, die lange Zeit nur sehr abstrakt geschildert werden konnten.

Dass nach dem Hype auch eine Phase der Konsolidierung kommen würde, war durchaus abzusehen. Aber wie sieht es mit der Gemütslage im Sommer 2022 aus? Besitzen P2P Kredite das Potenzial um langfristig einen stabilen Anteil des Investment-Portfolios auszumachen?

Für mich kann ich diese Frage positiv beantworten. In diesem Artikel habe ich daher fünf Gründe aufgeführt, warum ich mit P2P Krediten den langfristigen Bund der Ehe schließen werde, bis das der Tod uns scheiden wird.


Besseres Verständnis des Themas im Zeitverlauf

Was ist wichtig, wenn man in P2P Kredite investiert? Worauf sollte man achten? Wie vermeidet man Fehler und wie schafft man es langfristig eine stabile Rendite mit P2P Krediten zu erzielen?

Mit diesen Fragen sieht man sich insbesondere als Anfänger konfrontiert, wenn man für sich versucht dieses Thema neu zu erschließen. Das Wissen, was ich zu diesen Fragestellungen vor fast fünf Jahren hatte, unterscheidet sich deutlich von dem was ich heute weiß und mit der Zeit gelernt und verstanden habe.

Besonders deutlich ist mir das im letzten Jahr geworden, bei der Veröffentlichung der zweiten Auflage von „Geldanlage P2P Kredite“. Ursprünglich wollte ich das Buch nur um ein paar Themen erweitern und ein paar Informationen aktualisieren. Doch am Ende ist es ein fast komplett neues Buch geworden. Mein Verständnis hat sich bei vielen Themen vertieft. Manchmal sogar auch etwas gewandelt. Das Buch ist dadurch vom Umfang sogar etwas kürzer geworden, da ich mein Wissen deutlich kürzer auf den Punkt bringen kann. Mehr Inhalt, weniger Seiten.

Dieses Verständnis kommt natürlich nicht über Nacht. Es ist das Ergebnis eines jahrelangen Lernprozesses, an dessen Ende die gesammelten Erfahrungen ein neues Bild von P2P Krediten und auch eine neue Bewertung ermöglichen.

Mein P2P Kredite Plattform Rating, was ich vor zwei Jahren eingeführt und seitdem permanent verbessert und optimiert habe, ist zum Beispiel ein Ergebnis dieser Lernkurve. Die Frage, worauf es wirklich beim Investieren in P2P Kredite ankommt und auf was man achten sollte, kann ich heute deutlich genauer und präziser beantworten als noch zu Beginn dieses Blog Ende 2018.

Das Schöne daran ist: Diese Lernkurve hört nicht auf. Sei es, indem ich mich in neue Kreditmärkte einarbeite, lerne wie man Geschäftsberichte richtig liest und deren Ergebnisse interpretiert oder wie man mit geopolitischen Risiken umgehen sollte, nachdem der Krieg in der Ukraine wieder eine Vielzahl von neuen Herausforderungen mit sich gebracht hat.

Dieses Wissen und der dafür zugrunde liegende Lerneffekt ist ein wichtiger Treiber für mich. Meine Erfahrungen dann noch an euch weiterzugeben und in der Diskussion neue Dinge dazuzulernen, kommt dann noch oben drauf!


Gestaltungsmöglichkeiten & Formbarkeiten der Plattformen

Als jemand der sich regelmäßig mit P2P Krediten beschäftigt und dadurch auch mit zahlreichen P2P Plattformen und deren Mitarbeitern zu tun hat, entsteht über die Jahre hinweg ein gewisses Vertrauensverhältnis. Häufig auf professioneller Ebene, manchmal sogar auch freundschaftlich.

Um die Interessen meiner Community zu vertreten, gehe ich sehr häufig in den Dialog mit den Plattformen. So ist es über die Jahre hinweg immer wieder passiert, dass dadurch ein direkter Einfluss bei der Entwicklung einer Plattform genommen werden konnte.

Bei Debitum war das in den ersten Jahren zum Beispiel sehr stark der Fall. Sei es was die Kommunikation angeht oder aber die Kostenstruktur bei der Ein- und Auszahlung von Geldmitteln.

Ein jüngstes Beispiel sind die Ereignisse rund um Twino. Als die lettische Plattform erstmalig die Rahmenbedingungen der neuen Notes kommuniziert hat, habe ich im Hintergrund relativ deutlich kommuniziert wie ich darauf reagieren werden würde. Nachdem sich dann auch die Community relativ deutlich dazu positioniert hat, ist die Position von Twino über Wochen hinweg immer weiter aufgeweicht, bis die Rahmenbedingungen am Ende wieder einem guten Chancen-Risiko Profil entsprochen haben.

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass Twino einer der grüßten Nichtbanken-Kreditgeber in Kontinentaleuropa ist und über die P2P Plattform allein bereits mehr als 1 Mrd. Euro an Krediten finanziert hat. Dennoch gibt es mittlerweile eine so große Lobby, das auch Entscheidungen wie die von Twino nicht in Stein gemeißelt sein müssen. Das sind Einflussmöglichkeiten, die es bei einer normalen AG nur sehr selten bis überhaupt nicht gibt.

Bei P2P Krediten haben wir uns diese Lobby hingegen über Jahre hinweg erarbeitet und können nun auch einen gewissen Einfluss darauf nehmen, um an der Gestaltung einer Plattform maßgeblich mitzuwirken.


Verluste als Lernkurve begreifen

Wer Geld investiert, der muss sich darauf einstellen womöglich auch mal Geld zu verlieren. Es wäre vermessen anzunehmen, dass das nicht auch bei P2P Krediten der Fall sein könnte. Auch wenn ich von Scams wie bei Kuetzal, Envestio oder Grupeer verschont geblieben bin, so habe auch ich bereits negative Erfahrungen mit P2P Krediten sammeln können.

Mein Investment bei Bondora Portfolio Pro steuert auf eine negative Rendite zu und bei Mintos werden wohl mehr als 1.000 Euro nicht mehr den Weg zurück in meine Brieftasche finden. Das tut weh, keine Frage.

Aber was ich nicht verstehen kann ist, warum manche solche Ereignisse dann als Anlass nehmen, um sich komplett aus der Anlageklasse zurückzuziehen. Für mich sind Verluste ein wesentlicher Bestandteil der Investmenterfahrung. Und sollte sich meine Investment-Strategie nicht grundlegend ändern, betrachte ich Verluste als einen Teil meiner Lernkurve und versuche in Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen.

Bei Bondora Portfolio Pro habe ich 14.000 Euro innerhalb eines Jahres angelegt. Viel zu viel und viel zu schnell. Die Quittung trage ich am Ende ganz allein und niemand anders. Oder dass ich bei Mintos dem Prinzip „viel hilft viel“ gefolgt bin und in viele hoch-gehebelte und von Mintos abhängige Kreditgeber investiert habe. Das war Scheiße ohne Ende. Aber auch hier muss ich die Fehler bei mir suchen, möchte ich nicht in die selbst bemitleidende Rolle des Opfers fallen.

Die Entscheidungen treffe ich am Ende des Tage ganz allein. Deswegen liegt die Verantwortung auch bei mir. Und sollte sich meine Strategie nicht grundlegend ändern, wodurch P2P Kredite aus meinem Portfolio entfallen, betrachte ich alle Fehler und Verluste als Teil meiner Lernkurve an und versuche es beim nächsten mal besser zu machen.


Zunehmende Professionalisierung der P2P Branche

2005 haben P2P Kredite in Großbritannien das Licht der Welt erblickt. Einige Jahr später, rund um die Finanzkrise, entstanden mit Bondora oder Auxmoney auch die ersten P2P Plattformen in Kontinentaleuropa. Wir sprechen hierbei also von einer Historie von ca. 15 Jahren. 15 Jahre! Das ist, im Vergleich zu anderen Anlageklassen, ein absoluter Witz!

Wenn man sich diesen Zeitraum jetzt genauer ansieht, dann muss man feststellen, dass es auch heute noch genügend zwielichtige Plattformen am Markt gibt, deren oberste Prio daran besteht „Dumb Money“ von Investoren einzusammeln. Zeitgleich hat sich aber auch viel getan. Insbesondere im Mekka der baltischen P2P-Szene, nämlich in Lettland.

Die dortige Regulierung bedeutet ein weiterer wichtiger Schritt im Hinblick auf die Professionalisierung der Anlageklasse als solches. Auch wenn deren Maßnahmen am Ende nicht das Investitionsrisiko an sich lösen, so bedeutet deren Einführung eine weitere Hürde für viele Plattformen, die den Anforderungen einer ordentlichen Compliance und Rechtsvorschriften nicht gewachsen sind. Siehe Grupeer, die als Reaktion den Geschäftssitz nach Irland verlagert haben, oder aber Viventor, die sich den Stecker gleich komplett selbst gezogen haben.

Die Konsolidierung, die nach dem Ausbruch der Corona Pandemie eingesetzt hat, dauert weiterhin an. Die Branche versucht sich zunehmend zu professionalisieren. Wer diese Jahre gut für sich zu nutzen weiß, sich gut aufstellt und keine Abkürzungen benutzt, wird in einigen Jahren die Möglichkeit haben von einer neuen Welle an Anlegern zu profitieren. Auch deshalb bin ich äußerst positiv, was mein langfristige Perspektive bei dieser Anlageklasse angeht.


Wichtiger Baustein für finanzielle Unabhängigkeit

P2P Kredite müssen sich nicht unbedingt für jeden Anleger und jede Investitionsstrategie eignen. Bei mir ist das aber absolut der Fall. Mein Ziel besteht nach wie vor darin den Status der finanziellen Unabhängigkeit zu erreichen. Dafür benötige ich laufende und regelmäßige Kapitalerträge (Cashflow) aus meinen Vermögenswerten.

Gepaart mit einer guten Prognostizierbarkeit des Cashflows und den vorwiegend kurzfristigen Assets (Liquidität), sind P2P Kredite für mich ein absolut wichtiger Baustein bei meiner persönlichen Altersvorsorge und meiner Anlagestrategie.

Mein persönliches Ziel, dass ich bis März 2027 ein P2P Kredite Portfolio im Wert von 160.000 Euro aufgebaut habe, bleibt nach wie vor bestehen. Dadurch würde ich, nach Abzug der Kapitalertragssteuer von aktuell 25%, einen monatlichen Netto-Cashflow von 1.000 Euro erzielen. Vorausgesetzt, dass meine Verzinsung bei 10% p.a. liegt.

Weil ich an dieses Ziel glaube, werde ich auch weiterhin mein Investment in P2P Kredite erhöhen, um dieses Ziel zu erreichen.


Sind P2P Kredite ein Investment für die Ewigkeit? Schreibt mir gerne eure Meinung dazu in die Kommentare!


Für immer P2P Kredite? (Video)


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.