P2P Kredite Monatsrückblick – Februar 2022

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Seit Januar 2019 veröffentliche ich regelmäßig einen P2P Kredite Monatsrückblick. Das Format zählt somit zu den ältesten und etabliertesten auf meinem Blog. Der Monatsrückblick untergliedert sich dabei in zwei Bereiche:

  1. Ich berichte regelmäßig über die Depot Updates meines persönlichen P2P Portfolios (Einnahmen, Performance, Transaktionen, Wertentwicklung)
  2. Ich blicke auf die wichtigsten Entwicklungen und Updates der einzelnen P2P Plattformen zurück und versuche diese für euch zu bewerten und einzuordnen.
Bitte beachte, dass es sich hierbei um keine Anlageberatung handelt. Auf diesem Blog schreibe ich lediglich über meine persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen, weshalb ich keine Garantie für die Richtigkeit der Informationen oder für zukünftige Entwicklungen einer P2P Plattform übernehmen kann. Mehr dazu im Haftungsausschluss.

Mein P2P Portfolio im Februar 2022

Zunächst eine Übersicht, wie sich mein P2P Portfolio im Februar 2022 entwickelt hat.

Einnahmen

  • Im Januar 2022 konnte ich Zinseinnahmen in Höhe von 226,99 Euro verzeichnen. 2021 wäre das mein bestes Ergebnis im Hinblick auf die Einnahmen gewesen. Mehr Einnahmen durch P2P Kredite hatte ich zuletzt im März 2020 (295,71 Euro).
  • Hervorzuheben sind meine Einnahmen bei EstateGuru, die mit 75,24 Euro so hoch wie noch nie zuvor bei mir gewesen sind.

Performance

  • Der Top-Performer in meinem Portfolio ist nach wie vor VIAINVEST. Die Rendite liegt hier, nach knapp drei Jahren Investment, bei 11,06%. Das entspricht auch meinem persönlichen Bestwert auf der Plattform.

Transaktionen

P2P Portfolio

  • Der Wert meines P2P Portfolios hat sich im Januar von 48.555 Euro auf 49.808 Euro erhöht. Die Marke von 50.000 Euro kommt damit immer näher und sollte im nächsten Monat fallen.

Bondora kündigt den Start in drei neuen Kreditmärkten an 

  • Bondora (5 EUR Bonus) hat im Februar 2022, wie auch schon im Vormonat, 14 Mio. Euro an Krediten finanziert. Auf Nachfrage wurde mir von Bondora mitgeteilt, dass der Plattform diesbezüglich nicht „die Puste ausgehe“, so wie beim letzten Monatsrückblick von mir in den Raum gestellt. Alles sei demnach eine bewusste und kontrollierte Entscheidung seitens Bondora. Warum der Anteil der finnischen Krediten jetzt hingegen deutlich stärker gewichtet ist als der estnische Heimatmarkt, konnte (und wollte) man mir hingegen nicht wirklich beantworten. Der Anteil von Bondora Go & Grow lag erneut bei 92,85%.
  • Anlässlich des Krieges in der Ukraine hat der Bondora CEO Pärtel Tomberg eine Live Q&A auf YouTube mit den Fragen der Investoren durchgeführt. Die wichtigste Erkenntnis: Bondora sieht durch den Krieg in der Ukraine keinen direkten Einfluss auf die weitere Geschäftsentwicklung. Man vergibt weder Kredite in den betroffenen Ländern, noch gibt es eine große wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen den Kreditnehmermärkten und Russland. Bondora will an seinem Wachstumsplan in 2022 festhalten, was sowohl neue Anlageprodukte als auch den Start in mindestens drei neuen Kreditmärkten beinhalten soll.

EstateGuru mit sinkender Verzugsquote

  • EstateGuru (0,5% Cashback) hat im Februar 17,3 Mio. Euro an Krediten finanziert worden, was dem historisch betrachtet besten Wert in diesem Monat entspricht. Die Verzugsquote bei den offenen Krediten ist zuletzt auf 7,5% gesunken, was somit der niedrigste Wert seit fast einem Jahr ist (April 2021: 7,1%).
  • Der Krieg in der Ukraine hat bislang keinen größeren Einfluss auf die Plattform gehabt, wenngleich man sich aufgrund der makroökonomischen Unsicherheiten auf eine etwas volatilere Zeit einstelle. Dazu gehören längere Wartezeiten bei den Kreditnehmern (vorwiegend Immobilienentwickler und Bauunternehmen) aufgrund von Lieferengpässen bei Rohstoffen und Baumaterialien aus der Ukraine, Russland und Weißrussland. Zudem sind die Preise für Stahl- und Holzprodukte zuletzt angestiegen.
  • Sonstige Neuigkeiten: EstateGuru hat sowohl in Berlin als auch in Manchester neue Büros eröffnet, es gibt eine Kooperation mit der Raisin Bank in Deutschland und das Kapitalmarktteam macht weitere Fortschritte bei der Gewinnung von institutionellen Investoren.

TWINO droht viele Anleger zu verlieren

  • TWINO (15 Euro Bonus) hat im Februar 15,4 Mio. Euro an Krediten finanziert, womit noch ca. 27. Mio. Euro für die Marke von 1. Mrd. Euro fehlen.
  • Die Sanktionen gegenüber Russland haben Twino hart getroffen. Zum einen entsteht ein Rückzahlungsstau aufgrund der für sechs Monate lang eingeführten Kreditferien, zum anderen sind Geldtransfers in die EU stark eingeschränkt. Twino hat sich daher unter anderem dazu entschlossen sechs Verlängerungsfristen mit jeweils 30 Tagen für die Rückzahlung der Kredite einzuführen, womit die verabschiedeten Kreditferien berücksichtigt werden. Darüber hinaus hat sich Twino dazu bereit erklärt die Zinszahlungen weiter fortzuführen.
  • Zeitlich etwas überraschend wirkte in diesem Zusammenhang die Ankündigung bezüglich der neuen Finanzinstrumente (Asset Backed Securities) und deren Ausgestaltung, die sicherlich nur den wenigsten Investoren schmecken wird. Die forderungsbesicherten Wertpapiere sollen zunächst nur mit 8% verzinst werden, eine Laufzeit von 36 Monaten besitzen und zusätzlich wird jetzt auch eine Quellensteuer von 20% auf alle Zinserträge einbehalten. Ob das in der aktuellen Phase der richtige Weg ist, um diese Veränderungen auf den Weg zu bringen, darf stark bezweifelt werden. Persönlich gehe ich aktuell nicht davon aus, dass ich unter diesen Umständen mein Investment weiter fortführen werde.

VIAINVEST ohne erwähnenswerte Neuigkeiten

  • VIAINVEST (10 Euro Bonus) hat im Januar 5,5 Mio. Euro an Krediten finanziert. Ein durchschnittlicher Wert in Anbetracht der letzten Monate.
  • Vom Ukraine-Krieg ist die Plattform weites gehend unberührt, da sich die Kreditmärkte ausschließlich in Europa und Asien befinden. Die Entscheidung nicht in den CIS-Märkten aktiv zu sein (Nachfolgestaaten der Sowjetunion, ausgenommen die baltischen Länder) sei damals bewusst getroffen worden, um geopolitische Risiken oder starke Währungsschwankungen zu vermeiden.

PeerBerry hart vom Krieg in der Ukraine getroffen  

  • PeerBerry (0,5% Cashback) hat im Januar 61,9 Mio. Euro an Krediten finanziert, wodurch das Kreditvolumen den zweiten Monat in Folge rückläufig gewesen ist. Ein Trend, der sich aufgrund des Krieges in der Ukraine auch im nächsten Monat fortsetzen wird.
  • PeerBerry ist von allen P2P Plattformen am stärksten durch den Krieg in der Ukraine betroffen. 47% des ausstehenden Kreditportfolios auf der Plattform, beziehungsweise 41,8 Mio. Euro, sind in Gefahr. Für einen aktuellen Überblick zur Lage bei PeerBerry empfehle ich meine Seite „P2P Kredite und der Ukraine Krieg“ sowie meinen erst kürzlich veröffentlichten Artikel zur Bestandsaufnahme bei PeerBerry.
  • Mein Investment werde ich, aufgrund meines langfristigen Vertrauens in PeerBerry und deren Partner, sowei aufgrund der steigenden Zinssätze, im kommenden Monat weiter ausbauen.

Debitum Network führt Asset Backed Securities ein

  • Debitum Network (25 EUR Bonus) hat im Februar 2,7 Mio. Euro an Krediten finanziert, was dem drittbesten Wert in der Historie der Plattform entspricht.
  • Henrijs Jansons ist der neue CEO von Debitum Network. Der Lette, der vormals unter anderem bei DoFinance und für Mogo aktiv gewesen ist, leitet ab jetzt die operativen Tätigkeiten der Plattform.
  • Die Plattform hat vor kurzem, als erste lettisch-regulierte Plattform, das neue Finanzinstrument der Asset Backed Securities eingeführt. Dabei handelt es sich um einen verbrieften Pool von besicherten Wertpapieren (Kreditforderungen), welche durch die FCMC „kontrolliert“ werden. Mehr dazu in meiner ABS-Analyse auf dem Blog.
  • Debitum ist aktuell sehr passiv und zurückhaltend in der Kommunikation bezüglich der ausstehenden Forderungen in der Ukraine. Ein Verhalten, was angesichts von 1,9 Mio. Euro an offenen Forderungen (23% des Kreditportfolios) eigentlich kaum nachzuvollziehen ist. Die jüngste Berufung von Debitum auf die Umstände „höherer Gewalt“ (force majeure) ist allerdings in den Nutzungsbedingungen vermerkt worden, weshalb der Plattform diesbezüglich keinen Vorwurf machen kann. Wenngleich man die Situation sicherlich deutlich professionaller hätte lösen können. 

LendSecured profitiert von steigenden Getreidepreisen

  • LendSecured (1% Cashback | 180 Tage) ist im Dezember 2021 neu in mein P2P Portfolio mit aufgenommen worden. Eine ausführliche Analyse gibt es zu der Plattform auf meinem Blog als auch auf YouTube.
  • LendSecured ist eine der wenigen Plattformen die indirekt, aufgrund des Krieges in der Ukraine, profitieren. Aufgrund des stark eingeschränkten Handels von Getreideerzeugnissen (Russland und die Ukraine machen 30% der Weltexporte von Weizen und Gerste aus), kam es zuletzt zu einem deutlichen Preisanstieg. Dadurch profitiert die Plattform in zweierlei Hinsicht: Zum einen werden die Kredite sicherer, weil ca. 50% des Kreditportfolios durch Kaufverträge für Getreideerzeugnisse besichert sind, zum anderen können die Kreditnehmer (die Farmer) durch die Ernte deutlich höhere Erträge erzielen.

Video: P2P Kredite Monatsrückblick Februar 2022


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

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