P2P Plattform Updates #4: Twino, Esketit, Debitum, Income, Lande und HeavyFinance

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Seit dem letzten Depot Update gab es einige sehr spannende Neuigkeiten aus dem P2P Umfeld. Deshalb bespreche ich in diesem Artikel die wichtigsten Entwicklungen von insgesamt sechs P2P Plattformen. Dazu gebe ich wie gewohnt meine persönliche Einschätzung ab und werde vereinzelt auch ein paar Hintergrund-Infos teilen.

Zuvor noch kurz der Hinweis, dass demnächst wieder das alljährliche Community Voting ansteht, wo ihr eure Erfahrungen mit insgesamt 30 P2P Plattformen bewerten könnt. Aktuell haben schon über 130 Investoren mitgemacht. Die letzte Möglichkeit zur Teilnahme ist der 28. April 2024. Hier geht’s zum P2P Community Voting 2024.


Emissionsgutschriften für Green Loans frühestens ab September 2024!

Los geht es mit HeavyFinance, eine Plattform, wo ich erst beim letzten Depot Update bemängelt hatte, dass die für Q1 vorgesehene Gutschrift der Emissions-Zertifikate immer noch ausstehend sei.

Nun hat sich die Plattform allerdings pro-aktiv gemeldet und die Beweggründe für die Verspätung bekanntgegeben. Gemäß HeavyFinance liegt die Ursache an dem gestiegenem Wachstum im Markt für Emissionsgutschriften, weshalb internationale Prüfstellen wie Verra, mit der die Plattform zusammenarbeitet, aktuell überfordert sei.

Der neue Zeitplan sieht vor, dass das Validierungs- und Überprüfungsgremium für den kommenden Mai einen Vor-Ort-Besuch in Litauen eingeplant hat, dessen Abschlussbericht im September erwartet wird. Dieses wird dann der letzte Schritt vor dem Antrag von Verra auf Registrierung und Ergebnisvalidierung sein, der dann zur Ausgabe von Emissionsgutschriften führen wird.

An sich etwas ärgerlich, aber weil sich die kompletten Emissionsgutschriften der Green Loans ohnehin über einen Zeitraum von bis zu 4 Jahren erstrecken sollen, war auch schon von vornherein klar, dass man bei dieser Produktart ein bisschen mehr Geduld mitbringen muss.


Twino mit Exit in Vietnam und den Philippinen!

Als nächstes geht es um den wahrscheinlich längst überfälligen Exit der Twino Gruppe aus den Kreditmärkten in Vietnam und den Philippinen.

Damit folgt Twino nunmehr dem Weg von Robocash und der Aventus Gruppe, welche sich aufgrund regulatorischer Unsicherheiten bereits vor einem Jahr aus Vietnam zurückgezogen hatten.

In Bezug auf Vietnam schreibt Twino, dass seitens der lokalen Aufsichtsbehörden zunehmend repressive Maßnahmen gegenüber Unternehmen eingeführt worden sein, die Kreditdienstleistungen angeboten haben. Daraufhin habe man nun das gemeinsames Venture mit der VIA SMS Group eingestellt.

Parallel dazu hat die Twino Gruppe auch den Exit aus den Philippinen verkündet, wobei man diesen Schritt als einen strategischen Rückzug aus dem asiatisch-pazifischen Markt sieht, wodurch man seine Ressourcen auf Dienstleistungen und Angebote in anderen Märkten konzentrieren könne.

Durchaus nachvollziehbar, da es in den letzten Monaten auch kaum noch Assets aus den Philippinen gegeben hat und das Portfolio dort wohl auch sehr überschaubar sein wird.

Der Absatz „dass alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass alle Investitionen zu den vereinbarten Bedingungen zurückgezahlt werden.“ lässt aus Anleger-Sicht erahnen, dass es jetzt vielleicht ähnlich wie in Russland zu Pending Payments kommen könnte.

Aus diesem Grund habe ich nochmal persönlich bei Twino nachgefragt. Nach meinen Informationen sieht man aktuell keine Anzeichen für Verspätungen, weshalb man von einer fristgerechten Rückzahlung, entsprechend der Kredit-Laufzeiten, ausgehe.

Das sollte man aus Twino-Sicht aber auch inständig hoffen. Denn wenn zu den russischen Pending Payments jetzt auch noch vietnamesische hinzukommen sollten, dann muss sich Twino die Frage gefallen lassen, warum man dieses Risiko so lange in Kauf genommen und nicht schon früher reagiert hat – so wie bei Robocash oder der Aventus-Gruppe.


AvaFin Holding mit 7,8 Mio. Euro Gewinn in 2023

Positive Neuigkeiten gab es hingegen von der AvaFin Holding, dem Zugpferd hinter Esketit, wo man zuletzt sehr gute Zahlen für das Geschäftsjahr 2023 veröffentlicht hat.

Im letzten Jahr konnte AvaFin einen Netto-Gewinn von 7,8 Mio. Euro vermelden, bei einer Umsatz-Steigerung von 68 auf 97 Mio. Euro. Gleichzeitig ist die Eigenkapital-Position auf 32 Mio. Euro angewachsen und die Eigenkapital-Quote liegt unverändert bei vorzeigbaren 28%.

Der Report ist von der BDO geprüft und gemäß IFRS-Standards auditiert worden, kann hier also von meiner Seite aus nicht groß beanstandet werden.


Income Kreditgeber ITF mit starken Zahlen für 2023!

Ähnlich positiv sind auch die 2023er Zahlen der ITF Gruppe zu bewerten, einer der drei großen Säulen auf Income Marketplace.

Der bulgarische Kreditgeber, der in den letzten zwei Jahren knapp 17 Mio. Euro über Income finanziert hat, meistens mit einer Verzinsung von 15%, besitzt derzeit ein ausstehendes Portfolio von 3,2 Mio. Euro, was somit ca. 30% des offenen Portfolios auf Income entspricht.

Wie man dem Geschäftsbericht für 2023 entnehmen konnte, hat die Gruppe im letzten Jahr einen Gewinn von 1,1 Mio. Euro erzielen können, was somit fast einer Verdopplung zum Vorjahr entspricht. Parallel dazu ist auch das Netto-Portfolio von 8,3 auf 11,7 Mio. Euro angewachsen, bei einer verbesserten Eigenkapital-Position von 5,2 Mio. Euro.

In der letzten Folge vom „Income Insights“ Podcast sprach Income Gründer Kimmo auch über die auf 13% abgesunkenen Zinsen bei ITF, welche seiner Auffassung nach die Konsequenz einer gestiegenen Nachfrage nach den Assets des bulgarischen Kreditgebers sein, der sich in seiner guten Position nun auch zu günstigeren Konditionen finanzieren könne.


Lande veröffentlicht Performance-Report für März 2024

Neben HeavyFinance, die gefühlt schon seit Ewigkeiten einen ausführlichen und detaillierten Monats-Report veröffentlichen, scheint nun auch der lettische Konkurrent Lande nachzuziehen.

Im Performance Report für März 2024 erfahren wird, dass Lande im Vormonat 39 Kredite im Wert von 1 Mio. Euro finanzieren konnte. Die Performance und insbesondere die Rückgewinnungen sind hingegen weiter rückläufig. Demnach befinden sich aktuell 50 Kredite im Rückgewinnungsprozess, was 9,3% des ausstehenden Portfolios ausmacht (rechnet man die in der Grafik bereits abgewickelten Kredite heraus).

Im März sind zudem weitere 10 Kredite in den Inkasso-Status gewandert. Auf der anderen Seite konnten jedoch nur ca. 9.000 Euro an ausgefallenen Krediten zurückgewonnen werden. Gemäß den Informationen des Reports hat Lande genau hier den Hebel angesetzt und in jüngster Zeit einige Verbesserungen bezüglich der Inkassoprozesse vorgenommen, u.a. durch neue Verfahren und neue Team-Mitglieder.

Kleine Randnotiz: Mein persönliches IT-Problem bei Lande konnte bis heute noch nicht gelöst werden, weshalb ich jüngst weitere 500 Euro an zurückfließenden Geldern abgezogen habe.


„Juno Finance“ wird neuer Kreditgeber bei Debitum Investments

Und zum Abschluss blicken wir noch auf Debitum Investments, wo man nach längerer Zeit mal wieder einen neuen Kreditgeber präsentiert hat.

Dabei handelt es sich um „Juno Finance“, einen im Jahr 2023 in Lettland gegründeten Kreditgeber, der sich auf die Kreditvermittlung an KMUs aus dem Forst- und Agrar-Sektor spezialisiert hat. Juno Finance ist seit 2016 ein Tochterunternehmen der „Juno“ Aktiengesellschaft und bietet auf Debitum Kredite mit einer Laufzeit von 6 bis 24 Monaten an, bei einer Verzinsung von bis zu 15%.

Nach einem Gespräch mit Debitum CEO Henrijs Jansons fand ich zudem noch ein paar weitere Infos heraus. Unter anderem, dass der Kontakt mit Juno über Eriks Rengitis zustande kam (einem der drei neuen Gesellschafter bei Debitum), dass man vorerst plane ca. 1 Mio. Euro an Notes von Juno Finance zu finanzieren und dass Debitum bereits zu einem früheren Zeitpunkt über Sandbox Funding mit Assets des neuen Kreditgebers gearbeitet habe, um u.a. die Zahlungsmoral oder die Offenlegung von Informationen seitens Juno zu überprüfen.

Debitum schließt damit zu Plattformen wie Lande oder HeavyFinance auf und bietet nun ebenfalls Kredite aus dem Forst- und Agrar-Sektor an.


Das Video: P2P Plattform Updates #4


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

Hi, ich bin Denny! Seit Januar 2019 schreibe ich auf diesem Blog über meine Erfahrungen beim Investieren in P2P Kredite. Meine Analysen sollen Privatanlegern dabei helfen reflektierte und gut informierte Anlageentscheidungen treffen zu können. Dafür schaue ich mir die Risikoprofile der einzelnen P2P Plattformen an, hinterfrage deren Entwicklungen, teile meine persönlichen Einschätzungen und beobachte übergeordnete Trends aus der Welt des Crowdlendings.    
Mein Bestseller "Geldanlage P2P Kredite" gilt in Fachkreisen als das beste deutschsprachige Finanzbuch zum gleichnamigen Thema. Zudem versammeln sich in der P2P Kredite Community auf Facebook tausende von Privatanlegern, die sich regelmäßig über die Anlageklasse P2P Kredite austauschen. 

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