P2P Risiko Score Update Q3/2026: Fünf Neuzugänge und neue Nummer 1

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Drei Monate, fünf Neuzugänge und eine neue Nummer 1. So lautet die kurze Zusammenfassung von meinem P2P Risiko Score, der im dritten Quartal 2026 von 26 auf 31 bewertete Plattformen angewachsen ist.

In diesem Update fasse ich zusammen, welche Plattformen neu dabei sind, wo sich diese im Ranking eingeordnet haben und welche Veränderungen es bei den bestehenden P2P Plattformen gegeben hat. Wer sich die Inhalte lieber als Video ansehen will, der wird hier fündig:


Wofür der Risiko Score gedacht ist

Zunächst eine kurze Einordnung zum P2P Risiko Score: Die Grundidee vom Risiko Score besteht darin, das Risikoprofil von P2P Plattformen objektiv vergleichbar zu machen, damit Investoren fundierte Anlageentscheidungen treffen können, statt sich auf Bauchgefühl, Marketing-Versprechen oder intransparente Empfehlungen zu verlassen.

Bewertet werden fünf Kategorien mit mehreren Unterkategorien, bei denen am Ende bis zu 100 Punkte erreicht werden können. Hinzu kommen Abzüge in Form von Red Flags, wenn es dokumentierte Auffälligkeiten gibt, wie zum Beispiel gekaufte Bewertungen oder fragwürdige Governance-Strukturen.

Die Qualität des Kreditportfolios spielt dabei eine zentrale Rolle und wird mit 25% gewichtet. Einen detaillierten Blick auf die besten und finanziell stabilsten Kreditgeber im Marktumfeld gibt es separat in meinem Kreditgeber Score.

Und ein wichtiger Hinweis vorweg: Obwohl sich die Datengrundlage auf öffentliche und somit objektive Primärquellen stützt, bleibt der Risiko Score ein subjektives Bewertungsmodell, das keine Verlässlichkeit im Hinblick auf zukünftige Renditen garantiert. Die vollständige Tabelle mit allen 31 Plattformen und die komplette Methodik gibt es auf der Übersichtsseite zum Plattform-Risiko.


Die fünf Neuzugänge im dritten Quartal

Im letzten Quartal sind fünf Plattformen neu zum Risiko Score hinzugekommen: InRento, Modena, Loanch, Digilo und 7Harvests.

InRento: Die neue Nummer 1 (8,4 Punkte)

Mit 8,4 Punkten hat es InRento geschafft, sofort die Spitzenposition im Risiko Score einzunehmen und Nectaro auf Platz 2 zu verdrängen. Wie Nectaro und Digilo erreicht InRento die volle Punktzahl in den Kategorien Regulierung, Transparenz und Kreditportfolio, und das ohne eine einzige Red Flag.

Den Unterschied machen die übrigen Kategorien, in denen InRento ebenfalls kaum Punkte liegen lässt. Die ECSP-Lizenz der litauischen Crowdfunding Plattform habe ich direkt im Register der Bank of Lithuania verifiziert, der geprüfte Jahresabschluss 2025 weist einen Nettogewinn aus, und in der Kreditstatistik stehen null Ausfälle bei inzwischen 129 Mio. Euro an finanzierten Projekten.

Bemerkenswert ist dabei, dass InRento nicht durch ein einzelnes Ausreißer-Kriterium gewinnt, sondern durch Fehlerfreiheit. Die wenigen liegengelassenen Punkte entfallen auf einen lokalen Auditor, die Bilanzierung nach lokalem GAAP, weniger als 10.000 Investoren und das naturgemäß noch unbewiesene Krisenverhalten.


Digilo: Starker Start dank Lizenz (6,3 Punkte)

Neuzugang Nummer 2 ist Digilo mit 6,3 Punkten auf Platz 10. Die gute Platzierung ist besonders deshalb interessant, weil die lettische Plattform erst seit Juni 2026 am Markt ist.

Das Fundament der Bewertung bilden die ECSP-Lizenz und die Transparenz im bislang noch nicht auf die Probe gestellten Kreditportfolio, wo jeweils die volle Punktzahl erreicht wurde.

Die fehlende Erfahrung wird dafür beim Track Record mit nur 8 von 25 Punkten sichtbar, und auch bei der finanziellen Stabilität gibt es naturgemäß noch keine Punkte, da die Plattform erst in diesem Jahr gestartet ist. Das Alter einer Plattform preist sich im Score also automatisch ein.


Modena: Lizenz ist nicht gleich Lizenz (5,6 Punkte)

Etwas weiter unten folgt Modena mit 5,6 Punkten auf Platz 18. An Modena lässt sich gut erkennen, dass Lizenz nicht gleich Lizenz ist: Zwar besitzt die estnische Plattform eine Kreditgeberlizenz der Finanzaufsicht EFSA, diese schützt allerdings die Kreditnehmer und nicht die Investoren, weshalb es in der Kategorie Regulierung keine Punkte gibt.

Aus meinen Gesprächen mit CEO Oliver Matt konnte ich zuletzt entnehmen, dass aktuell wohl wichtige Schritte eingeleitet wurden, um in der Zukunft eine MiFID-II-Lizenz zu erhalten. Der Weg der Plattform scheint demnach nach Lettland zu führen.


Loanch: Der Score reagiert in beide Richtungen (3,9 Punkte)

Neuzugang Nummer 4 ist Loanch, die sich über den Sommer hinweg um fünf Positionen verbessern konnten. Gestartet war Loanch mit gerade einmal 0,7 Punkten auf dem vorletzten Platz.

Über den Sommer hat die Plattform dann eine Statistik-Seite mit Portfolio- und Performance-Aufschlüsselung veröffentlicht und sich damit um fünf Positionen auf Platz 25 verbessert, bei nun 3,9 Punkten. Transparenz wird im Score also belohnt.

Die Geschichte einer Plattform wird deswegen aber nicht vergessen: Der Abzug von 10 Punkten für die Cashwagon-Historie von Loanch-Eigentümer Maxim Chernushenko bleibt unverändert bestehen.


7Harvests: Das andere Ende der Skala (0,1 Punkte)

Bleibt der fünfte Neuzugang 7Harvests, der das andere Ende der Skala markiert und der mit 0,1 Punkten den vorerst letzten Platz belegt.

Das Schweizer Konstrukt wirbt prominent mit einer Schweizer Regulierung, obwohl die Mitgliedschaft bei der Selbstregulierungsorganisation VQF bislang lediglich beantragt ist. Passend dazu bejahen die FAQ auf der Webseite eine Regulierung, während die eigenen AGB eine FINMA-Aufsicht ausdrücklich verneinen.

Zusammen mit der Vorgeschichte des Gründers, unter dessen Management es bei Hive5 Falschaussagen zur Profitabilität, gekaufte Rezensionen und juristische Schritte gegen kritische Berichterstattung gab, ergeben sich bereits zum Start 17 Minuspunkte bei den Red Flags.


Veränderungen bei bestehenden Plattformen

Bei den Veränderungen bestehender Plattformen stechen insbesondere Maclear und Estateguru hervor.

Maclear: 7-Punkte-Abzug nach CrowdIndex-Recherche

Im Juli hat eine Recherche von P2P Empire das Bewertungsportal CrowdIndex genauer unter die Lupe genommen. Ein vermeintlich unabhängiges Portal, das Maclear zur besten P2P Plattform Europas gekürt hat.

Der Haken an der Sache: Das Portal lief nach den Erkenntnissen der Recherche über Maclears eigene Google-Analytics-Property, was den Verdacht nahelegt, dass CrowdIndex Teil der Marketing-Infrastruktur von Maclear ist.

Nach Bot-Traffic und bezahlten Trustpilot-Bewertungen wäre das bereits der dritte dokumentierte Fall künstlicher Reputationssteigerung, was im Risiko Score mit einem Abzug von 7 Punkten sanktioniert wird. Eine Stellungnahme von Maclear via Telegram konnte die Vorwürfe aus meiner Sicht nicht entkräften, während CrowdIndex weiterhin online ist.


Estateguru: Zwei Jahresberichte, eine Wahrheit

Eine wichtige Geschichte des letzten Quartals betrifft Estateguru. Auf der Webseite der Plattform findet sich als Jahresbericht 2025 ein ungeprüfter Einzelabschluss der Holding-Gesellschaft, der einen Mini-Gewinn von rund 8.000 Euro aus konzerninternen Zinsen und null Mitarbeiter ausweist.

Im estnischen Handelsregister liegt dagegen der geprüfte Abschluss der operativen Estateguru OÜ, der eine komplett andere Geschichte erzählt. Nämlich ein Verlust von rund 553.000 Euro, ein Umsatzrückgang von gut 16%, ein Cash-Bestand, der von 856.000 auf 146.000 Euro geschmolzen ist sowie ein Anhang, der ein mögliches Fortführungsrisiko einräumt.

Dazu kommt ein eingeschränktes Testat des Wirtschaftsprüfers: Weder die Werthaltigkeit der aktivierten IT-Entwicklungskosten von 1,85 Mio. Euro (immerhin 82% der Bilanzsumme) noch die 2025 vollständig von einer verbundenen Partei zugekauften Entwicklungsleistungen konnten verifiziert werden.

Im Score steigt Estateguru trotz dieser Zahlen, denn gewertet werden nur Abschlüsse der operativen Gesellschaft oder Konzernabschlüsse; reine Holding-Rümpfe zählen hingegen nicht. Der geprüfte Register-Abschluss erfüllt einen Großteil der formalen Kriterien (veröffentlicht, geprüft, positives Eigenkapital) und bringt damit 12 von 20 möglichen Punkten in der Finanz-Kategorie. An diesem Beispiel zeigt sich das Prinzip des Scores ganz gut: Er misst die Qualität der Offenlegung und nur bedingt deren Inhalt.


Fazit und Ausblick

Der Score belohnt Offenlegung und Transparenz, das zeigen Loanch und Estateguru in diesem Quartal besonders deutlich. Meine Aufgabe für das kommende Quartal besteht darin, auch die Substanz dahinter besser abzubilden.

Gleiches gilt für die beworbene Investorenzahl und deren Aussagekraft über die Sicherheit einer Plattform, zumal sich die Angaben der Plattformen selbst (Gesamtzahl versus aktive Investoren) teilweise deutlich unterscheiden.

Wie der Risiko Score weiter verbessert und angepasst werden könnte, dazu freue ich mich wie immer über Gedanken und Feedback in den Kommentaren.

Die vollständige Rangliste aller 31 Plattformen gibt es wie immer in der Risiko-Übersicht.


Weitere Informationen zu besprochenen P2P Plattformen

 

Hi, ich bin Denny! Auf diesem Blog, den ich im Januar 2019 gestartet habe, helfe ich Investoren dabei kluge und gut informierte Investitionsentscheidungen im Bereich der Geldanlage P2P Kredite zu treffen. Dafür beschäftige ich mich ausführlich mit den tagesaktuellen Geschäftsentwicklungen und dem übergeordneten Rendite- und Risikoprofil der einzelnen P2P Plattformen.

Mein Bestseller „Geldanlage P2P Kredite“ gilt in Fachkreisen als das beste deutschsprachige Finanzbuch zum gleichnamigen Thema.

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