Die in der Schweiz ansässige Crowdfunding-Plattform Maclear hat, entgegen aller Erwartungen, nun doch noch ein paar Zahlen für das Geschäftsjahr 2024 (!) veröffentlicht. Vorab: Meine bisherigen Kritikpunkte werden weiterhin bestätigt. Zudem gibt es auch ein paar neue und konkrete Warnsignale. Hier die wichtigsten Ergebnisse.
Zu den Formalitäten: Der Bericht ist laut dem Schreiben des CFOs “in the final stage of audit”. Also dieselbe Audit-Ankündigung wie 2023 bei BlueAudit, die nie eingelöst wurde. Es liegt also erneut nur ein selbst erstellter, ungeprüfter Entwurf vor.
Demnach habe Maclear in 2024 einen Jahresverlust von −122.941 CHF erzielt. Die Zahlen spiegeln daher einen ähnlich hohen Verlust wie bereits in 2023 (−118.379 CHF). Trotz einer Kapitalerhöhung um 55.000 CHF ist das Eigenkapital von −19.085 auf −87.026 CHF gefallen. Der CFO kommentiert diesen Umstand als “Kosten des Wachstums”, die Bilanz sagt hingegen bilanzielle Überschuldung.
Richtig spannend wird es allerdings erst jetzt. Laut Maclear haben die Kreditnehmer 464.322 CHF an Zinsen gezahlt. Investoren erhielten hingegen 530.266 CHF an Zinsen plus 297.583 CHF an Boni. Die Plattform zahlt Investoren also rund 363.527 CHF mehr aus, als sie von Kreditnehmern an Zinsen einnimmt, und deckt die Lücke aus Provisions- und Onboarding-Gebühren.
Normalerweise ist die Kreditnehmer-Verzinsung höher als die Investoren-Verzinsung. Die Umkehrung plus Querfinanzierung über immer neue Onboarding-Gebühren ist das Profil eines Modells, das nur bei anhaltendem Wachstum funktioniert. Die Formulierung, die Zahlungsdisziplin der Kreditnehmer entspreche “not always exactly” dem Plan, ist eine verklausulierte Bestätigung von Zahlungsverzügen. Vorwürfe, die ich in meinem Maclear Review bereits ausführlich erläutert hatte.
Der CFO behauptet zudem, dass die Kreditnehmer Vermögenswerte für die Rückzahlung besitzen würden. Meine Recherche hat gezeigt, dass in der Vergangenheit das Gegenteil der Fall gewesen ist (Transbaltika: Anlagevermögen 72.569 Euro, kein LKW gekauft; Estlat: Keine Sachanlagen; TLMET: Kein Plasmaschneider). Wenn Kredite trotzdem “zurückgezahlt” werden, obwohl die Schuldner weder Umsätze noch Sicherheiten besitzen, dann legt der Negativ-Spread nahe, dass die Mittel aus neuen Investorengeldern und Gebühren stammen, nicht aus dem operativen Cashflow der Kreditnehmer.
In diesem Kontext scheint es zudem bemerkenswert, dass Maclear lediglich eine Rückstellung von 195.456 CHF für mögliche Kreditausfälle („reserve for possible loan losses“) gebildet hat. Das entspricht nur ca. 2% des Ende 2024 ausstehenden Kreditportfolios. Angesichts der bei mehreren Projekten dokumentierten überhöhten Bewertungen und fehlenden Sicherheiten erscheint diese Deckung extrem niedrig. Eine Wertberichtigung über die Reserve hinaus würde jedoch das ohnehin schon negative Eigenkapital weiter verschlechtern.